Wenn der Stadion-DJ nach einem Fußballspiel „Tage wie diese“ von den Toten Hosen auflegt, ist das zumeist ein sehr gutes Zeichen.
Wenn unmittelbar danach „Oh, wie ist das schön, so was hat man schon lange nicht gesehen“ ertönt, ein noch viel besseres.
Dass Österreichs Nationalteam ein absolutes Schlüsselspiel gewinnt, hat man in der Tat schon länger nicht gesehen. Umso euphorischer wurde der 2:1-Sieg gegen Schweden im ausverkauften Happel-Oval gefeiert.
„Momentan kann ich es noch gar nicht in Worte fassen. Das Adrenalin ist immer noch drinnen im Körper. Ich bin einfach glücklich, dass wir es geschafft haben“, freute sich Zlatko Junuzovic über den wichtigen Etappensieg in der WM-Qualifikation.
„Wir hatten einen schwierigen Start“
Das Kräftemessen mit den Skandinaviern wurde im Vorfeld als weitere Reifeprüfung für die Elf von Teamchef Marcel Koller eingeschätzt, diese hat sie bestanden und somit den Traum von Brasilien 2014 am Leben gehalten.
David Alaba (26.) per Elfmeter und Marc Janko (32) mit einem herrlichen Kopfballtor sorgten nach nervösem Beginn für eine 2:0-Führung, die erst nach Johan Elmanders (82.) Treffer ein wenig in Gefahr geriet.
„Der Schlusspfiff ist genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen“, zeigte sich Christian Fuchs erleichtert, „die Schweden haben zum Schluss Druck gemacht und mit dem Anschlusstreffer Rückenwind bekommen. Aber wir haben uns von der ersten bis zur letzten Minute sehr gut dagegengestellt, über 90 Minuten gesehen einen guten Fußball gespielt und verdient gewonnen.“
Dabei sah es in der Anfangsphase der Partie noch nicht nach einem erfolgreichen Fußball-Abend aus. „Wir hatten einen schwierigen Start, waren nervös. Schweden hat uns stark unter Druck gesetzt. Wir hatten Probleme, den Ball laufen zu lassen, Schweden hat mit viel Routine gespielt“, analysierte Koller.
Wer, wenn nicht er?
Dies lag zu einem guten Teil an der Ausrichtung der Schweden. „Sie haben ein bisschen anders gespielt, als wir es erwartet haben“, verdeutlichte Junuzovic, „das Pressing hat von unserer Seite nicht gleich funktioniert. Sie haben mit langen Bällen auf Zlatan Ibrahimovic gespielt, und die deckt er gut ab. So haben wir schwer ins Spiel gefunden, haben auch Fehler im Spielaufbau gemacht, wo wir den Rhythmus nicht so gefunden haben.“
Julian Baumgartlinger ergänzte: „Die Schweden haben am Anfang versucht, ein bisschen weiter vorne zu attackieren. Das war nach 15 Minuten vorbei. Dann haben wir unser Gegenpressing besser ins Spiel bekommen und sind deswegen auch zu Chancen gekommen. Das war so ein bisschen der Knackpunkt für uns, wo wir gemerkt haben, dass es heute funktionieren kann.“
Der endgültige Knackpunkt war schließlich das 1:0, darüber bestand im ÖFB-Lager Einigkeit. Bayern-Star David Alaba rundete mit seinem kaltschnäuzig verwandelten Strafstoß seine glorreiche Triple-Saison ab.
Wer, wenn nicht er? „Ich bin für den Elfmeter am Zettel gestanden, habe mir den Ball genommen und ihn reingehaut“, beschrieb der 20-Jährige diese vorentscheidende Szene gewohnt trocken. Pure Pflichterfüllung eben.
„Der Fußball schreibt die unglaublichsten Geschichten“
Danach lief das rot-weiß-rote Kombinationsspiel wesentlich flüssiger, so wie man es in der Vergangenheit schon öfter beobachten konnte. „Wer, wenn nicht er?“, konnte man sechs Minuten später jedoch nur bedingt fragen.
Dass Janko seiner durch die Probleme bei Trabzonspor verursachten Seuchen-Saison doch noch einen positiven Ausklang verschaffen konnte, war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. „Man sagt immer, der Fußball schreibt die unglaublichsten Geschichten, und so war es heute Abend wieder“, war der 29-Jährige naturgemäß überglücklich.
Vereinsfußball spielte der Goalgetter letztmals am 17. Februar, zuletzt musste er sich durch Einzeltraining fithalten. Damit steht der Niederösterreicher stellvertretend für einige Teammitglieder wie auch Robert Almer, Marko Arnautovic oder Emanuel Pogatetz, die Koller trotz mangelnder Spielpraxis in die Startelf stellte.
„Natürlich war es ein Risiko, diese Spieler einzusetzen, die in den letzten Monaten keine Einsätze hatten. Das ist letztendlich belohnt worden“, durfte der Schweizer aufatmen, dass sein Vertrauen zurückbezahlt wurde.
„Extrem gut auf Ibrahimovic eingestellt“
Dieses 2:0 verlieh zusätzliche Sicherheit. „Dass wir das zweite Tor nachlegen konnten, war sehr wichtig, weil die Schweden immer in der Lage sind, noch ein Tor zu erzielen, vor allem mit Ibrahimovic. Ich denke, wir hätten vielleicht auch noch das 3:0 erzielen können, wozu wir sicherlich die Möglichkeiten hatten“, fand Pogatetz.
Ibrahimovic bereitete zwar gekonnt das schwedische Tor vor, war ansonsten jedoch nicht der gefürchtete Faktor. „Weil wir extrem gut auf ihn eingestellt waren. Dragovic, Baumgartlinger, auch Alaba – egal wer bei ihm war, sie haben ihn sehr gut bearbeitet“, lobte Junuzovic.
Pogatetz: „Er ist ein überragender Spieler. Man muss immer auf der Hut sein, denn er kann jederzeit explodieren. Wir haben versucht, ihn im Gemeinschaftsbund unter Kontrolle zu bringen. Das ist uns bis auf ein, zwei Situationen recht gut gelungen.“
„In der Kabine sind ein paar auf der Liege gelegen“
Wie überhaupt neben der über weite Strecken spielerisch guten Darbietung auch der aufopferungsvolle Kampf hervorgestrichen werden muss. „Wir haben uns den ganzen Lehrgang darauf vorbereitet, dass es wirklich sehr intensiv wird und wir über 90 Minuten sehr aggressiv und ungut sein müssen“, beschrieb Baumgartlinger.
Ob man den Gästen den Schneid abgekauft habe? „Ich denke schon. Wir haben wirklich keinen Zweikampf gescheut, weder hinten noch vorne – Platzwunden und Prellungen inklusive. In der Kabine sind ein paar auf der Liege gelegen. Man hat gemerkt, dass wir wirklich bereit waren für dieses Spiel. Die Schweden haben uns natürlich Paroli geboten, aber ich denke, dass wir heute immer einen Schritt schneller waren.“
Einen Schritt vorwärts bedeutete dieser Sieg auch in der WM-Qualifikation. Bei einer Niederlage wären die Tickets für Brasilien vermutlich kaum mehr zu lösen gewesen.
„Wir müssen das nüchtern betrachten“
Es würde aber wohl nicht zu diesem Team passen, wenn es nach diesem Erfolgserlebnis in übertriebene Euphorie in punkto Qualifikations-Chance verfallen würde. Entsprechend zurückhaltend beurteilten sie unisono die Ausgangslage.
„Mus muss das nüchtern betrachten“, meinte Martin Harnik, der den Elfmeter herausholte und den zweiten Treffer mit einer Maßflanke vorbereitete, stellvertretend:
„Wir haben einen wichtigen Dreier gelandet, aber die Schweden haben ein Spiel weniger und können punktemäßig wieder gleichziehen. Es war ein wichtiger Schritt, aber noch lange keine Entscheidung.“
Dafür sind noch einige „Tage wie diese“ und weitere bestandene Reifeprüfungen von Nöten.
Peter Altmann/Alexander Karper/Martin Wechtl/Jakob Faber