"Der Unterschied ist enorm“

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"Will zeigen, dass Österreicher gute Fußballer sind"

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Glücklich, entspannt und fokussiert.

So wirkt Philipp Hosiner, als ihn LAOLA1 in seiner neuen Heimat Frankreich erreicht.

Kein Wunder.

Nach schier unendlichen Transfergerüchten wechselte der 25-jährige Stürmer Ende Juni von der Wiener Austria in die Ligue 1 und unterschrieb bei  Stade Rennes einen Dreijahres-Vertrag.

Knapp sechs Wochen später hat sich der Burgenländer schon gut eingelebt, wenngleich die Sprache und auch das Essen nach wie vor ein paar Probleme darstellen.

Im großen LAOLA1-Interview spricht der fünffache Internationale über seinen neuen Arbeitgeber, die „mühsame“ Zeit der vielen Wechsel-Spekulationen und die Veilchen.

LAOLA1: Wie geht es deinen Französisch-Kenntnissen?

Philipp Hosiner: Es geht. Man lernt jeden Tag dazu, versucht, überall aufzupassen und neue Wörter aufzuschnappen. Am Anfang ist es relativ schwierig. Ich mache aber vier Stunden in der Woche einen Französisch-Kurs. Es wird. Und es ist wichtig, bald die Sprache zu können. Alle Mannschafts-Besprechungen oder Kommandos am Feld sind auf Französisch. Das geht  auch schon halbwegs, aber selber in Stress-Situationen im Spiel zu sprechen, ist noch schwierig. Aber ich arbeite daran.

LAOLA1: Hattest du am Anfang einen Dolmetscher?

Hosiner: Nein, der Trainer kann sehr gut Englisch. Nach jeder Besprechung hat er die Spieler, die seine Anweisungen noch nicht so gut verstehen, zu sich geholt und das Wichtigste noch einmal auf Englisch erklärt. Manches bekomme ich aber schon mit. Da sich viele Abläufe im Training wiederholen, kann man es sich zurechtreimen. Grundsätzlich muss ich sagen, dass es weniger Probleme gibt, als ich angenommen habe.

LAOLA1: Leichte Probleme hattest du ja auch mit der französischen Küche. Bist du mittlerweile auf den Geschmack gekommen?

Hosiner (lacht): Es ist schon ein sehr große Umstellung. In Frankreich wird irrsinnig viel Fisch gegessen, nur ganz selten Fleisch. Es ist gewöhnungsbedürftig. Außerdem lieben die Franzosen Zucker. So etwas habe ich noch nie erlebt. Das Natur-Joghurt wird etwa mit Unmengen von Zucker übergossen. Es ist irgendwie ein bisschen komisch.

LAOLA1: Und welche Eindrücke hast du von deinem neuen Arbeitgeber gesammelt?

Hosiner: Es sind nur positive Eindrücke. Es ist sehr viel Qualität in der Mannschaft und eine große Steigerung zur Wiener Austria. Ich möchte den österreichischen Fußball nicht schlecht reden, aber der Unterschied ist enorm. Hier sind alle technisch versiert, ballsicher und schnell. Es wird ähnlich wie in Deutschland auf viel Ballbesitz gespielt, dabei werden relativ wenige Bälle verloren. Wobei ich sagen muss, dass in Österreich das Tempo im Match durchaus mithalten kann. Der Trainer ist jedenfalls zufrieden, wie ich mich eingelebt und eingefügt habe. Er gibt mir die Zeit, die ich brauche, sagt immer wieder, dass ich mir keinen Stress machen soll. Er weiß von meinen Stärken, hat diese ansatzweise im Training und in den Testspielen schon gesehen. Ich fühle mich auch wohl. Es ist schon in Österreich schwierig, wenn man den Verein wechselt. Hier ist es bedingt durch die Sprachbarrieren noch einmal schwieriger. Ich muss meine Mitspieler erst richtig kennenlernen. Ihre Laufwege, ihren Spielstil, wer den Pass in die Tiefe spielen kann. Auch das war zu Beginn natürlich eine Umstellung, aber mittlerweile habe ich mich gut darauf eingestellt. Es wird von Tag zu Tag besser.

LAOLA1: Summa summarum: Du bist glücklich, dass es jetzt endlich mit einem Transfer ins Ausland geklappt hat?

Hosiner: Ja, die Zeit war reif, um den nächsten Schritt zu machen. Ich hatte zwei tolle Jahre bei der Austria. Meister, Torschützenkönig, Champions-Legue-Teilnahme – das konnte sich sehen lassen. Leider ist es in der vergangenen Saison in der Meisterschaft nicht gut gelaufen. Der verpasste Europacup-Platz hat sehr wehgetan. Die gesammelten Erfahrungen kann ich in Rennes sehr gut gebrauchen.

LAOLA1: Apropos Erfahrung. Du warst als junger Spieler schon vier Jahre im Ausland. War der Schritt damals zu früh, oder anders formuliert:  Fühlst du dich jetzt gewappnet?

Hosiner: Ich glaube schon. Als ich damals nach Österreich zur Vienna zurückgekehrt bin, habe ich sehr von der Zeit in Deutschland profitiert. Dort habe ich diese deutsche Siegermentalität kennen gelernt, einfach immer 100 Prozent zu geben, jede Torchance unbedingt verwerten zu wollen – egal ob im Training oder im Match. Diese Erkenntnisse haben mir sehr weitergeholfen.

LAOLA1: Du bist mit der Austria Meister geworden, hast Champions League gespielt. Mehr kann man in Österreich wohl nicht erreichen. Hat am Schluss die Herausforderung gefehlt?

Hosiner: Es wäre viel zu arrogant zu sagen, dass die Herausforderung gefehlt hat. Man will dann einfach etwas Neues sehen, sich weiterentwickeln und nicht in der Entwicklung stehen bleiben. Die Erwartungshaltung an mich war im letzten Jahr aufgrund des Meistertitels und meinen 32 Toren sehr hoch. Jeder rechnete mit einer mindestens genauso hohen Tor-Ausbeute – wollte vielleicht sogar noch mehr Treffer sehen. Es war unmöglich, das zu bestätigen. Die letzte Saison war mit 14 Toren und einigen Assists eigentlich nicht schlecht, doch genau das haben manche Experten behauptet. Deswegen wollte ich mir auch eine neue Herausforderung suchen, einfach wo neu anfangen und sich neu beweisen.

LAOLA1: Wir mühsam war es, in den letzten Monaten ständig über Transfergerüchte zu sprechen?

Hosiner: Man sagt vielleicht ganz einfach, dass an dem und dem Gerücht nichts dran ist, was auch zu 95 Prozent der Fall war, nur fragen natürlich nicht nur die Journalisten, sondern auch Mitspieler, Freunde und die Familie, wie es jetzt ausschaut. Du wirst so oft angesprochen und das ist dann schon mühsam. Es hat im letzten Sommer mit Hoffenheim angefangen und sich ein Jahr gezogen. Ich bin daher wirklich erleichtert gewesen, als der Transfer zu Stade Rennes über die Bühne gegangen ist. Aber so ist halt das Fußball-Geschäft.

LAOLA1: Wir schwer ist es bei den ganzen Spekulationen, geduldig zu bleiben und sich auf das Wesentliche zu fokussieren?

Hosiner: Im Spiel war es nie ein Problem. Sobald man am Platz steht und sich auf die kommende Begegnung vorbereitet, war ich immer fokussiert. Ich wollte der Mannschaft immer helfen. Einige Zuschauer, die wahrscheinlich nie selber Fußball gespielt haben, haben mir, wenn es nicht so gut gelaufen ist, vorgeworfen, dass ich keine Lust mehr habe, in Österreich zu spielen. In der Meistersaison war das nie der Fall, doch im Jahr darauf ist man dann natürlich der Depp, weil man eigentlich weg wollte. Wenn dir die Fans, die dich vor kurzer Zeit noch hochgejubelt haben, unschöne Wörter nachsagen, ist es schon schwierig zu verarbeiten – vor allem, wenn man immer alles für den Verein gegeben hat. Das nagt am Selbstvertrauen und an den Nerven.

LAOLA1: Du warst der Wunschspieler von Trainer Philippe Montanier. Merkst du schon jetzt ein gewisses Vertrauen in deine Person?

 Hosiner: Der Trainer wollte genauso einen Spielertypen wie ich es bin. Jemand, der schnell ist, der in die Tiefe geht  und auf der Abseitslinie lauert. Deswegen wollte er mich unbedingt nach Rennes holen. Er redet sehr viel mit mir, fragt mich, wie es mir geht und ob er mir helfen kann. Er betont immer, dass ich ihn bei einem Problem anrufen kann bzw. zu ihm kommen kann. Ich fühle mich gut aufgehoben. Es wird überall geholfen.

LAOLA1: Dein Hauptkonkurrent im Angriff wird wohl der schwedische Teamstürmer Ola Toivonen sein. Was zeichnet ihn, was dich aus?

Hosiner: Wir sind komplett verschiedene Spielertypen. Ola ist sehr groß, lässt sich oft ins Mittelfeld fallen, holt sich dort die Bälle und verteilt sie. Ich bin eher der Spieler, der bei der Abseitslinie steht, der in die Tiefe geht. Der Trainer hat schon gesagt, dass er sich vorstellen kann, dass wir gemeinsam spielen werden. Es wird aber darauf ankommen, was der Chefcoach in den ersten Meisterschafts-Spielen plant. Wir haben eine recht schwere Auslosung. Fünf der ersten acht Begegnungen bestreiten wir auswärts. Davon ein Heimspiel gegen PSG. Es ist durchaus möglich, dass ich zu Beginn als Joker eingesetzt werde, oder auf der Ersatzbank sitze. Ola ist seit Winter bei Rennes und hat bisher gute Leistungen gebracht. Mir ist klar, dass ich als neuer Spieler so einen Mann nicht gleich verdrängen kann. Mal sehen, wie sich die nächsten Wochen entwickeln. Ich mache mir jedoch keinen Stress, dass ich untergehe.

LAOLA1: Rennes startet die neue Saison auswärts gegen Lyon. Gleich ein Härtetest, oder?

Hosiner: Absolut. Lyon hat eine gute Mannschaft mit super Leuten. Es wird daher gleich ein guter Härtetest. Wir haben eigentlich nix zu verlieren, denn kaum jemand hat uns auf der Rechnung. Unser Ziel ist ein Punktgewinn.

LAOLA1: Dein neuer Klub belegte in der abgelaufenen Saison Platz zwölf. Wird heuer ein internationaler Startplatz in Angriff genommen?

Hosiner: Wir wollen den Europacup-Platz auf jeden Fall angreifen. Deswegen wurden einige sehr gute Akteure verpflichtet. Die Qualität ist vorhanden. Mal sehen, ob wir das gleich von Beginn an in der Meisterschaft zeigen können. Ich bin aber davon überzeugt, dass wenn wir richtig eingespielt sind, wir uns nach oben orientieren können. Paris Saint Germain und Monaco werden unantastbar sein, aber dahinter sind alle Mannschaften auf einem ähnlichen Niveau. Man kann schnell vorne mitmischen, oder hinten reinrutschen.

LAOLA1: Stade Rennes ist der populärste Verein in der Bretagne. Hast du diese Begeisterung schon hautnah miterlebt?

Hosiner: Die Fans sind wirklich sehr fußballbegeistert.  Ich bin auch gleich an meinem ersten Tag in der Stadt erkannt und angesprochen worden.  Bei jedem Training sind etwa 300 bis 400 Leute anwesend. Der Zuschauerschnitt betrug letzte Saison  23.000 Besucher. Die Anhänger sollen sehr stimmungsgewaltig sein. Auf diese Atmosphäre freue ich mich schon.

LAOLA1: Du hast bei der Austria gebetsmühlenartig Interviews gegeben, bist quasi seit eineinhalb Jahren permanent in der Öffentlichkeit gestanden. Ist es für dich jetzt in Rennes daher auf eine gewisse Art und Weise schön, nicht ganz so im Fokus zu stehen und quasi von Null anzufangen?

Hosiner: Es haben sich in Frankreich schon auch einige Medien für mich interessiert und ich habe ein paar Interviews gegeben, aber nicht in so einem Ausmaß wie in Österreich. Es ist eine neue Chance, denn ich fange bei Null an. Die Medien sind logischerweise gespannt. Auch die Fans erwarten sich etwas. Das ist aber ein positiver Druck. Ich will so schnell es geht zeigen, dass wir Österreicher auch gute Fußballer sind.

LAOLA1: Erhoffst du dir mit dem Auslands-Engagement mehr Beachtung für das Nationalteam?

Hosiner: Die Ligue 1 ist sicher eine Topliga in Europa. Wenn ich hier regelmäßig zum Einsatz komme und meine Leistungen bringe, wird es dem Teamchef nicht entgehen. Ich hoffe jedenfalls auf weitere Einsätze für Österreich.

LAOLA1: Abschließend: Bist du abergläubisch? Ich frage, weil du ja nicht deine geliebte Nummer 16 bekommen hast, sondern die 11.

Hosiner: Ich hätte sehr gerne die Nummer 16 getragen. Sie wäre auch frei gewesen, aber in Frankreich sind die Nummern 1, 13 und 16 für die Torhüter reserviert. Die darf kein Feldspieler haben. Ich fühle mich aber auch mit der 11 sehr wohl.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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