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Blau-Weiß gegen LASK – wer ist die Nr. 1 von Linz?

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Der Tag X ist endgültig gekommen.

Nach neun Jahren ist es nun wieder Realität: Blau-Weiß gegen Schwarz-Weiß in Linz. Eines der wenigen österreichischen Kult-Derbys geht wieder in Szene, dieses Mal in derselben Liga.

2002 trafen sich noch Regionalligist FC Blau-Weiß Linz und Erste-Liga-Klub LASK in der 1. ÖFB-Cup-Runde. Der Underdog gewann damals 3:1.

Die Ausgangslage ist trotz gemeinsamer Liga-Zugehörigkeit ähnlich wie damals. Doch wie heißt es so schön im Fußball-Fachjargon? „Ein Derby hat seine eigenen Gesetze.“

Das ist in Oberösterreich nicht anders, dennoch ist in diesem Fall von unterschiedlichen Voraussetzungen zu sprechen.

LAOLA1 beleuchtet vor dem 79. Duell wichtige Aspekte rund um das Derby, jeweils mit dem „Gast“ LASK beginnend:

Ausgangslage

Bundesliga-Absteiger LASK ist gegen Erste-Liga-Aufsteiger BW Linz Favorit. Die Schwarz-Weißen sind nach zwei Runden ungeschlagen, haben nach einem 1:1 beim FC Lustenau zu Hause gegen St. Pölten 2:0 gewonnen. Das größte Manko ist bislang die Chancenverwertung. Wäre diese bereits optimal, wären beide Spiele klar gewonnen worden.

Blau-Weiß gewann sein erstes Spiel nach dem Aufstieg ins Profi-Geschäft. Beim „Heimspiel“ in Pasching – aufgrund von Umbauarbeiten im Linzer Stadion wurde umgezogen – gewann die Weissenböck-Elf gegen Hartberg mit 2:1. Tage später unterlag BWL bei Titel-Mitfavorit Austria Lustenau knapp mit 0:1.

Sollte Blau-Weiß verlieren, wäre das öffentliche Echo nicht so groß wie umgekehrt. Darin liegt der Schlüssel für Blau-Weiß: Als Außenseiter, der wohl Minimum 150 Prozent gegen den Erzrivalen geben wird, kann man befreit aufspielen. „Wir können nur verlieren", weiß LASK-Trainer Walter Schachner, dessen Mental-Coaching vor allem bei diesem Duell sehr gefragt sein wird.

Kader

Hannes Aigner, Rene Aufhauser, Thomas Mandl oder etwa Florian Metz – zweifelsohne hat der LASK einige Bundesliga-taugliche Spieler in seinen Reihen. Der 69-fache Bundesliga-Spieler Leonhard Kaufmann war in den ersten beiden Spielen Ersatzspieler. Lukas Kragl ist zwar noch immer etwas angeschlagen, würde aber auch bei entsprechender Fitness keine Stammplatz-Garantie haben. Der Großteil des Kaders hat in der Bundesliga schon einmal gespielt. „Der LASK muss mit diesem Kader um den Aufstieg mitspielen“, weiß auch BWL-Kapitän Tino Wawra.

Der Mittelfeldspieler ist einer der wenigen Blau-Weißen, der in der Bundesliga schon regelmäßig gespielt hat. Neben Wawra dürfen sich Wimleitner, Knabel, Bubenik, Hassler und Huspek hier dazuzählen. Einige weitere Spieler haben zwar auch schon Bundesliga-Luft geschnuppert, aber nur wenige Male. Es finden sich einige oberösterreichische Talente im Kader wieder, diesen Weg will der Verein mit der Arbeiter-Mentalität weitergehen. Teilweise hat sich BWL dafür auch beim LASK bedient. Die Youngsters, die beim LASK keine Chance sahen, begrüßten diesen Weg und wählten ihn.

Alleine vom Kader her ist klar: Blau-Weiß Linz ist krasser Außenseiter. Das drückt sich auch in Zahlen aus: Während der LASK mit 3,5 Millionen Euro budgetieren kann, hat BWL 1,2 Mio. Euro zur Verfügung. In allen Mannschaftsteilen hat der LASK in der Breite mehr Qualität als der Aufsteiger. Jedoch ist der Vorsprung nicht so groß, als dass er nicht durch taktisches Geschick sowie Kampf- und Laufbereitschaft aufgeholt werden könnte.

Trainer

Walter Schachner war schon Trainer von 1860 München, der Austria und wurde mit dem GAK Meister. Das Linzer Derby in Liga zwei wird den Steirer also nicht vom Hocker reißen, dennoch weiß der Trainer auch um die Bedeutung dieses Spiels, vor allem für die Fans. Doch wie sein Gegenüber blickt Schachner nicht nur auf die vier Derbys, sondern auch auf die anderen Partien: „Wir müssen gegen jeden Gegner so viele Punkte wie möglich machen.“ Eine Niederlage im Derby wäre für den wenige Tage später stattfindenden Schlager gegen Altach auf jeden Fall nicht sehr hilfreich…

Mit Thomas Weissenböck sitzt ein Bundesliga-erfahrener Trainer auf der Blau-Weiß-Bank: In der Saison 2007/08 coachte der heute 39-Jährige die SV Ried für 18 Spiele in der höchsten Spielklasse. Das Derby birgt insofern Brisanz, als dass Weissenböck noch vor wenigen Wochen Meister mit den LASK Juniors wurde. „Ich kenne sicher den einen oder anderen Spieler und seine Stärken spwie Schwächen, aber es ist jetzt auch wieder eine andere Situation“, glaubt der Coach nicht an einen Vorteil. LASK-Goalie Thomas Mandl ist überzeugt: „Sie haben einen engagierten Trainer, der die Mannschaft sicher aufstacheln wird.“

Präsident

Unterschiedlicher könnte hier die Ausgangslage nicht sein. Auf der einen Seite Peter-Michael Reichel: Der umstrittene LASK-Präsident, der 2001 gemeinsam mit Helmut Oberndorfer den Traditionsklub am Leben hielt, und sein autokratischer Führungsstil bescherte dem Welser im Laufe der Jahre viele Feinde, die Fans fordern seit Jahren seinen Rücktritt und generell werden dem Klubchef kaum Sympathien entgegengebracht. Ausnahmen sind enge Mitarbeiter, eine davon ist seine Tochter Sandra, die in einem an Undurchsichtigkeit kaum zu überbietenden Unternehmen Vizepräsidentin ist.

Blau-Weiß ist ebenso ein Familienbetrieb, aber einer anderen Sorte. Präsident ist Hermann Schellmann, sein Sohn Thomas ist Clubsekretär. Auch ansonsten geht es sehr familiär zu, der Verein ist im Gegensatz zum LASK offen für seine Anhänger. „Wir sind zum Angreifen, die Fans werden in viele Sachen miteinbezogen“, schildert Schellmann senior. Worte, die auf Seiten des LASK nicht zu hören sind. Nicht nur wegen der Aufbruchstimmung durch den Aufstieg weiß Schellmann: „Wir sind momentan sicher der sympathischere Klub - und das wollen wir auch bleiben.“ Sympathisch macht sich BWL alleine etwa schon durch seine neue Homepage. Auch wenn aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht alles funktioniert, während eines Spiels erfährt man zumindest den Spielstand – beim LASK bis lange nach Schlusspfiff nichts.

Sollte Reichel seine Firmenpolitik, die unter anderem eine abstruse Transferpolitik inkludiert, beibehalten, wird BWL, was die Sympathieskala betrifft, leichtes Spiel haben.

Fans

Wer LASK-Anhänger ist, hat es nicht einfach. Nach sechs Jahren Zweitklassigkeit stiegen die Schwarz-Weißen 2007 in die Bundesliga auf, um vier Jahre später wieder abzusteigen. Reichel ist den Fans aufgrund seiner Klubführung weiterhin ein Dorn im Auge, „Reichel raus“-Rufe und dazugehörige Transparente sind fester Bestandteil. Flugblätter mit Auftrittsforderung wurden und werden verteilt. Aber Schachner hält diesbezüglich folgerichtig fest: „Es wird auch viel über den Klub geschimpft, aber alle, die das tun, sind auch Anhänger.“ Beim Abschlusstraining vor dem Derby wurden Bengalen gezündet. Nicht viele österreichische Klubs haben überhaupt regelmäßige Trainings-Kiebitze.

In Summe sind die Fans von Blau-Weiß Linz gegenüber dem LASK in der Minderheit. Abseits der Stadt sind die oberösterreichischen Fans mehr dem LASK zugetan, das sieht man auch bei den Besucherzahlen bei Testspielen. Nichtsdestoweniger hat BWL ebenso großes Potenzial. 3000 Zuschauer im Ausweichstadion Pasching konnten sich zum Auftakt sehen lassen, der LASK brachte es gegen St. Pölten auf eine ähnliche Zahl (3200). Gut möglich, dass im Laufe der Zeit frühere SKV-Anhänger wieder Geschmack an der Farbkombination Blau-Weiß finden. Für österreichische Verhältnisse ist die Fan-Base von Blau-Weiß Linz in jedem Fall tauglich für das Profi-Geschäft. Und vielleicht wird ja das erste Derby seit 2002 vor 11.900 Zuschauern und damit ausverkauftem Haus über die Bühne …

 

Bernhard Kastler

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