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Dorfklub? - "Ich orte da einen Neid-Komplex"

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Dietmar Riegler ist ein Fußball-Besessener.

Sehr zur Freude des Wolfsberger AC. Seit der 47-Jährige vor über zehn Jahren die Ruder des Vereins übernommen hat, steuern die Kärntner von Erfolg zu Erfolg.

In der Unterliga gestartet, wurde mit dem Aufstieg in die Bundesliga im vergangenen Sommer und Platz fünf in der Debüt-Saison der bisherige Plafond erreicht.

Große Töne hört man von dem erfolgreichen Unternehmer, dessen Firma RZ Pellets (Holzpellets) zugleich Hauptsponsor des WAC ist, dennoch nie.

"Es geht nicht um mich, sondern um die Perspektive für die Jungen und darum, die besten Mannschaften Österreichs im Lavanttal zusammenzubringen", erklärt Riegler im Interview mit LAOLA1.

Darin spricht der Präsident über die neue sportliche Führung, zieht Parallelen zwischen Sport- und Berufswelt und erklärt, warum ihm ein strenger Winter sowohl Sorgen, als auch Freude bereitet.


LAOLA1: Dem Wolfsberger AC steht das zweite Jahr bevor. Sie äußerten vor geraumer Zeit wenig Sorgen, keinen schlagkräftigen Kader zusammenzuhaben. Sind Sie immer noch so beruhigt?

Dietmar Riegler: Es war wichtig, dass die Mannschaft zusammengeblieben ist. Eine Mannschaft, die im letzten Jahr intakt war, gut zusammengespielt und sich gut verstanden hat. Da war gegenseitiges Vertrauen da, es hat alles gepasst. Warum sollte es heuer nicht so weitergehen? Es hat ein paar Veränderungen gegeben, das sind aber nur Blutauffrischungen, die üblich sind. Im Großen und Ganzen glaube ich, werden wir ähnlich wie im letzten Jahr auftreten. Ob wieder der fünfte Platz herausschaut, wird man sehen. Vielleicht wird es der vierte, vielleicht der sechste oder siebente. In dieser Region erwarte ich uns.

LAOLA1: Der Kader ist, wie Sie sagen, großteils gleich geblieben, auf der Trainerbank gab es allerdings eine einschneidende Veränderung.

Riegler: Das ist richtig. Derjenige, der uns dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen, hat uns verlassen. Im ersten Moment schien es kurzfristig, aber es war natürlich nachvollziehbar. Nenad Bjelica hat sich in der Bundesliga einen Namen gemacht. Dass er bei seiner Qualität nicht für immer bei uns bleiben wird, war klar. Wir haben ihm den Weg zur Austria auch nicht versperrt, weil er es sich verdient hat. Es ist plötzlich gekommen, aber vielleicht zum richtigen Zeitpunkt. Die Mannschaft ist gestanden und wurde für die kommende Saison gemeinsam mit dem jetzigen Trainer Slobodan Grubor zusammengestellt. Ich glaube auch, dass Grubor seine Sache gut machen wird. Er war ein Teil von dem Gesamtwerk, das aufgebaut wurde. Er hat bei einigen Themen mitgeredet, dirigiert und dafür gesorgt, dass sie umgesetzt werden. Deshalb bin ich überzeugt, dass das Sportliche auch in der kommenden Saison in guten Händen ist.

LAOLA1: Glauben Sie, dass Grubor ein Mann für die erste Reihe ist?

Riegler: Ich habe das auch im Berufsleben schon gesehen. Leute, die in der zweiten Reihe stehen, wirken oft konservativ. Bobby hat aber jetzt schon gezeigt, dass er die Mannschaft begeistern kann und ganz anders aus seiner Position herausgeht. Auch im Beruf ist es so, dass Mitarbeiter aus den eigenen Reihen keineswegs eine schlechtere Besetzung für leitende Positionen sind. Genau das erhoffen wir uns bei Bobby auch.

Die neue sportliche Führung beim WAC: Grubor und Co-Trainer Carlos Chaile

LAOLA1: Chef-Trainer beim WAC zu sein, heißt zugleich, als Sportdirektor zu agieren. Ist der Neo-Coach den zusätzlichen Aufgaben gewachsen?

Riegler: Wir werden ihn sicher unterstützen. Mit Hannes Jochum (Co-Trainer, Anm.) haben wir im Team einen, der viele der Sportdirektoren-Arbeiten abnehmen kann. Natürlich muss Bobby Spieler aussuchen. Seine Wunschspieler zu bestimmen oder uns mitzuteilen, mit welchem Spieler er plant und mit welchem nicht, sind Teile seines Jobs. Den restlichen Akt, wie die Verhandlungen, werden wir von der Vereinsführung übernehmen. Das haben wir auch bisher so gemacht. Nenad hat ebenso seine Wunschspieler bekanntgegeben und den Kontakt hergestellt. Die Verhandlungen haben wir geführt.

LAOLA1: Wir heißt in diesem Fall Hannes Jochum und Sie?

Riegler: Ja, und ein ganz wichtiger Faktor: Christian Puff als mein Vizepräsident. Dieser nimmt sich die Zeit, Spielerverträge auszuverhandeln und mit den Managern zu reden. Also das meiste machen wir, vielleicht etwas mehr als zuvor. Auch damit sich Grubor in erster Linie um die sportlichen Belange kümmern kann. Nachdem der Kader steht, ist das eh die Hauptaufgabe.

LAOLA1: Ist es längerfristig ein Thema, einen Sportdirektor zu installieren?

Riegler: Ich würde mir keinen wünschen, aber mein weiß nie, wie es sich in der Saison ergibt. Ich gehe aber davon aus, dass keiner eingesetzt wird.

LAOLA1: Sie haben zuvor bereits die Brücke zwischen Fußball und Berufsleben geschlagen. Wie sehr helfen Ihre Arbeits-Erfahrungen bei Personalentscheidungen in Wolfsberg?

Riegler: Da kommt immer eine menschliche Komponente dazu. Es kann nicht jeder der beste Arbeiter sein und die beste Leistung bringen. Aber man verlangt eine gewisse Leistung je nach Qualifikation des Mitarbeiters. Natürlich ist im Fußball das Niveau sehr hochgeschraubt. Im Beruf wird man bei ein paar Hundert Mitarbeitern nicht nur gute haben. Man muss mit nicht ganz so hochqualifizierten Mitarbeitern genauso zufrieden sein. Solange sich jeder bemüht und dahintersteht, wird er ewig einen Job haben. So ähnlich ist es im Fußball auch. Wenn man weiß, dass einer für diese Aufgabe bestimmt ist und sich hineinkniet, wird das gutgehen.

LAOLA1: Wie sieht es eigentlich mit Ihrem Zeitaufwand aus. Haben Sie noch gelegentlich Freizeit?

Riegler: Die nimmt man sich schon. Wir sind jetzt kein so großer Klub, dass täglich das Präsidium zusammenkommt. Wir sind ein klein strukturierter Verein, bei dem zwei Mitarbeiter das Tagesgeschäft im Sekretariat erledigen. Wenn es notwendig ist, schalten uns wir vom Präsidium ein. Aber es ist schon so, dass ich von meiner Arbeitszeit 95 Prozent in die Firma investiere. Daneben bleibt aber Zeit für anderes. Es ist von Vorteil, dass auch meine Frau von Fußball besessen ist. Am Wochenende verbringen wir viel unserer Zeit am Fußballplatz. Das fängt damit an, dass unser Sohn in der U18 spielt. Wir sind auch, sofern es sich ausgeht, bei den Amateurspielen dabei und natürlich bei der Kampfmannschaft. Es gibt schon Wochenenden, bei denen wir dreimal am Sportplatz sind.

Riegler in "seiner" Lavanttal-Arena

LAOLA1: Themenwechsel: Bei der „Pitch-Competition“, einer Bewertung der Rasenplätze durch Bundesliga-Profis unmittelbar nach Spielende, hat der Wolfsberger Rasen am schlechtesten abgeschnitten. Natürlich gab es viel Wetterpech. Aber wurde dagegen vorgegangen?

Riegler: Wir wollen nicht abstreiten, dass der Rasen in keinem guten Zustand war. Es ist bei uns im letzten Jahr alles sehr schnell gegangen. Bis vor ein paar Monaten hatte die örtliche Gemeinde die Sportplatzpflege über. Das wurde mittlerweile geändert. Nun liegt es in unseren eigenen Händen und wir haben im Sommer sogleich eine größere Sanierung vorgenommen. Allzuviel Zeit hierfür blieb in den sechs spielfreien Wochen allerdings nicht. Was möglich war, haben wir gemacht. Über 30 Jahre wurde keine Platzsanierung im größeren Sinne durchgeführt. Ich war selbst am Platz, momentan ist der Rasen in einem hervorragenden Zustand.

LAOLA1: So viel schneien wie im letzten Jahr kann es ja ohnehin nicht noch einmal.

Riegler: So unglücklich bin ich ja nicht, wenn es kalt ist, weil wir ja so unser Geld verdienen. (lacht) Da ist es schwierig abzuwiegen, was besser ist. Ich wünsche mir, dass wir bei extremer Kälte auswärts spielen und unsere Heimspiele bei wärmeren Verhältnissen austragen. Aber das kann man sich leider nicht aussuchen. Ich kann damit so oder so leben.

LAOLA1: Im Stadionumfeld wurde mit der neuen Tribüne im Vorjahr schon einiges erledigt. Sind Sie mit der aktuellen Situation zufrieden?

Riegler: Die Tribüne ist sehr gut angenommen worden. Die Leute sind begeistert, auch ob der Aussicht. Das Stadionfeeling ist auf der Tribüne zu spüren. Es sind noch einige Restarbeiten ausständig, aber ich glaube, dass im Laufe des Jahres alles fertiggestellt ist. Danach schauen wir weiter. Es wird immer irgendwo noch etwas zu richten sein, das hört nie auf und sind wir schon gewohnt.

LAOLA1: Wie sehr stören Sie in diesem Zusammenhang Ausdrücke wie Dorfvereine?

Riegler: Ich persönlich habe damit kein so großes Problem. Das ist im Beruf gleich: So wie ich bin, bin ich. Daran kann man nichts ändern und gemessen wird man immer nach der Leistung. Das Gute im Sport ist: Der Beste steigt auf, wer mehr Tore schießt, gewinnt. Egal, wer dort spielt oder wo er herkommt. Ich orte da eher einen Neid-Komplex, kann aber damit leben. Ich fühle mich durch solche Aussagen weder schlechter, noch besser. Ich mache meine Arbeit, gehe meinen Weg und kann damit umgehen.

 

Das Interview führten Harald Prantl und Christian Eberle

LAOLA1: Bei vielen Präsidenten hat man das Gefühl, sie führen ihre Tätigkeit nur aus, um ihr Gesicht in den Medien zu sehen. Bei Ihnen scheint das nicht so.

Riegler: Das ist richtig. Es muss mir Spaß machen. Ich mache das nicht, um mich selbst zu präsentieren. Ich möchte für die Fußballbegeisterten in Wolfsberg etwas machen. Das fängt bei den Nachwuchsspielern an, denen eine Perspektive geboten werden soll. Es muss einen Verein geben, zu dem man aufschauen und der das Ziel sein kann. In meiner Jugend hat es das in Kärnten und speziell in Wolfsberg weniger gegeben. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, das zu bieten. Von der Bevölkerung habe ich großen Zuspruch erhalten, nicht nur aus dem Lavanttal, sondern auch aus Oberkärnten. Das zeigt uns, dass wir eine gute Arbeit verrichten. Das macht dann Spaß und Freude. Es geht nicht um mich, sondern um die Perspektive und darum, die besten Mannschaften Österreichs im Lavanttal zusammenzubringen. Es ist schön, dass das momentan aufgeht.

LAOLA1: In wie weit verpflichtet der Anspruch, ein Verein für die Kärntner zu sein, auch zu einer Kärntner Transferpolitik?

Riegler: Wir haben immer schon den Kärntner Weg eingeschlagen. Das war im vorigen Jahr so und im Jahr davor noch extremer. Jeder gute Kärntner ist bei uns herzlich willkommen. Wenn man gewisse Positionen besetzen muss, wird in erster Linie geschaut, ob es Kärntner gibt. Die sind unser erster Ansprechpartner.

LAOLA1: Wie weit gibt es Pläne für eine eigene Akademie in Wolfsberg?

Riegler: Wir sind integriert in der Klagenfurter Akademie, die dem Landesverband gehört und in der ich selbst im Beirat bin. Momentan ist es allerdings schwer, da ich die wenige Zeit, die mir bleibt, meinem Verein widmen möchte. Natürlich müssen wir schauen, dass wir die Akademie auch auf Vordermann bringen. Wir wollten heuer schon vermehrt ins sportliche Geschäft einsteigen. Es war geplant, dass Bjelica auch dort die sportliche Leitung übernehmen wird, die Trainer bestellt und mit ihnen gemeinsam das Konzept vorgibt. Durch den Wechsel zu Austria Wien hat sich alles etwas zerschlagen. Momentan müssen wir uns auf uns selbst konzentrieren und möchten im Laufe des heurigen Jahres dort eine Lösung finden, wie wir ins Sportliche eingreifen können.

LAOLA1: Wo gibt es diesbezüglich die größten Probleme?

Riegler: Da muss natürlich auch die Unterstützung vom Land kommen. Es ist etwas schwierig, weil die Akademie in Klagenfurt steht, wir aber aus Wolfsberg sind. Wir würden natürlich alles in Klagenfurt belassen. Da ist eine Infrastruktur am Stadion, das perfekt ist, aufgebaut. Für uns ist das sportliche Interesse gegeben. Junge Kärntner Fußballer sollen für einen Kärntner Verein ausgebildet werden. So soll der Weg sein. Nachdem wir unumstritten die Nummer eins in Kärnten sind, liegt es nahe, dass wir großes Mitspracherecht besitzen, was das Sportliche betrifft.

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