"Weg macht sich bezahlt"

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"Unsere Fans sollen durch Europa reisen können"

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„Warum sollten wir nicht irgendwann wieder Meister werden?“, fragt Michael Madl im LAOLA1-Interview.

Der letzte Meister-Titel 2011 resultierte für Sturm Graz in einem hartnäckigen Kater. Die drei Saisonen danach bereiteten mehr Kopfschmerzen als Freude.

Inzwischen herrscht in der steirischen Landeshauptstadt wieder Aufbruchstimmung, wohl auch wegen der Rückkehr von Erfolgstrainer Franco Foda.

Madl zählt zu den Gewinnern der vergangenen Herbst-Saison. Als Neo-Kapitän schlüpfte er in die Führungsrolle und legte in der Innenverteidigung an der Seite von Lukas Spendlhofer auch eine persönliche Leistungssteigerung hin.

Dies ist auch statistisch belegbar. Mit 20,14 Millionen führt er dank seiner guten Werte die Marktwert-Rangliste im Bundesliga-Manager an. Eine „Auszeichnung“, mit welcher der 26-Jährige selbst nicht gerechnet hätte.

LAOLA1: Wer, glaubst du, hat nach der Herbst-Saison den höchsten Marktwert im Bundesliga-Manager von LAOLA1?

Michael Madl (überlegt lange): Ich nehme uns einmal aus. Ich würde auf Kevin Kampl tippen.

LAOLA1: Kleiner Tipp: Der Gesuchte sitzt gerade an diesem Tisch.

Madl: Ich? Das ist eine Überraschung! Normalerweise stehen ja Offensivspieler mehr im Fokus und werden besser bewertet.

LAOLA1: Die Noten werden positionsspezifisch rein nach den Statistiken eines jeden Spielers errechnet. Du liegst beispielsweise mit 67,9 Prozent an gewonnenen Zweikämpfen auf Rang zwei in der Bundesliga.

Madl: Gut, es ist jedoch trotzdem überraschend. Aber es freut mich natürlich!

LAOLA1: Was sagt uns das über deinen Herbst?

Madl: Ich kann mit dem Herbst ganz gut leben. Wir sind als Mannschaft nicht so gut gestartet, haben uns dann aber gefestigt. Das ist auch mit mir im Gleichschritt gegangen. Ich habe mich im Laufe der Spiele gesteigert und bin mit dem Herbst eigentlich zufrieden.

LAOLA1: Dir ist der nächste Entwicklungsschritt gelungen. Wie ist der zu begründen?

Madl: In den letzten zwei Jahren sind viele Spieler gegangen, die viel Verantwortung übernommen haben, wo du auch einmal in die zweite Reihe rücken konntest, wenn es nicht so gelaufen ist. Jetzt ist es einfach so, dass ich schon zu den älteren Spielern gehöre. Da muss man einfach Verantwortung übernehmen, und ich glaube, dass ich mich da persönlich weiterentwickelt habe und auch vom Spielerischen her noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht habe.

Michael Madl war im Herbst der zweitbeste Zweikämpfer der Bundesliga

LAOLA1: So lange liegt die hartnäckige Durststrecke noch nicht zurück. Wie nervig war es zwischendurch schon? Auch du hast in dieser Phase extrem gereizt gewirkt. War das Fass schon voll?

Madl: Natürlich war es nicht einfach. Mat hat andere Erwartungen bei Sturm, man erwartet auch von sich selbst einfach mehr, will mit dem Verein etwas erreichen. Das war dann in den letzten zwei Jahren einfach zu wenig. Dass man dann hin und wieder gereizt ist und nicht die richtige Reaktion zeigt, ist, glaube ich, menschlich. Aber wir haben immer weiter gearbeitet und trotzdem immer daran geglaubt. Aber auch wenn wir jetzt am richtigen Weg sind, müssen wir die Füße still halten.

LAOLA1: Du hast vorher betont, dass ihr noch nicht da seid, wo ihr hin wollt. In einer Liga mit einem Krösus wie Red Bull Salzburg ist es natürlich nicht einfach, aber wo setzt du die Messlatte für Sturm in den kommenden ein, zwei Jahren an?

Madl: Wenn es gelingt, dass die Mannschaft noch über einen längeren Zeitraum zusammenbleibt, ist in meinen Augen viel möglich. Ich weiß nicht, was die Pläne von Red Bull sind, das hat uns auch nicht zu interessieren. Grundsätzlich muss es jedes Jahr unser Ziel sein, international zu spielen – und da rede ich nicht nur von einer Quali-Runde und dann verabschieden wir uns wieder, sondern davon, in die Europa League zu kommen oder, so wie es in diesem Jahr möglich ist, vielleicht die Champions-League-Qualifikation zu erreichen. Das muss einfach das Ziel von Sturm sein, damit wir unseren Fans wieder etwas zurückzahlen und sie durch Europa reisen können. Und in Zukunft – sollte sich bei Red Bull etwas ändern und von ihrer Philosophie her der Schwerpunkt nach Deutschland verlegt werden – warum sollten wir nicht irgendwann wieder Meister werden?

LAOLA1: Derzeit schuftet ihr in der Vorbereitung, um euer Nahziel zu erreichen. In welchen Bereichen soll im Frühjahr eine Weiterentwicklung zu erkennen sein?

Madl: Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Trainer ein Fan des Gegenpressings ist, vom sofortigen Ballgewinn, vom schnellen Umschalten offensiv-defensiv, defensiv-offensiv. Der Schwerpunkt liegt darauf, dass wir unser Spiel durchziehen und wenig bis gar nicht auf den Gegner schauen, wie er das Spiel praktiziert, sondern dass wir es dominieren. Das üben wir bis zum Umfallen.

LAOLA1: Der Stimmungsumschwung hängt auch mit der Rückkehr von Franco Foda zusammen. Du arbeitest erstmals mit ihm zusammen. Was zeichnet ihn aus?

Madl: Er hat einfach diese typisch deutsche Mentalität, das harte Arbeiten, das Korrekte, das Genaue, immer 100 Prozent. Er ist einfach ein Mann der klaren Worte, analysiert Fehler beinhart, kritisiert bei Fehlern und lobt, wenn du etwas gut machst. Er ist ein fairer und korrekter Mensch. Ein akribischer Arbeiter, der uns in jedem Training nach vorne bringen will. Das schaut nicht so schlecht aus bis jetzt.

LAOLA1: Für manche sind Kapitäns-Schleife und mehr Verantwortung eine Last. Du zählst also zu jenen, die es beflügelt?

Madl: Ich würde das gar nicht auf die Schleife reduzieren. Dass ich Kapitän bin, ist schön und eine Ehre, aber bei uns trifft das mit der gestiegenen Verantwortung auf mehrere Spieler zu. Etwa ein jüngerer Spieler wie Daniel Offenbacher, der einen Riesen-Schritt gemacht hat, auch Anel Hadzic hat einen Riesen-Schritt gemacht, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ich glaube, dass viele vielleicht mit dieser Verantwortung zuerst nicht zurechtgekommen sind. Es ist auch klar, dass das dauert. Mit der Zeit sind wir alle besser damit zurechtgekommen. Die Leistungen sind dementsprechend auch besser geworden.

LAOLA1: Der Sprung vom jungen Spieler zum Führungsspieler geht oft schneller, als man glaubt.

Madl (grinst): Seit Sandi Lovric mit 16 sein Debüt gefeiert hat, fühle ich mich wirklich alt. Ich bin 26, das sind zehn Jahre Unterschied. Aber okay, das ist der Lauf der Zeit und im Fußball geht es wirklich rasant.

LAOLA1: Du bist seit zweieinhalb Jahren bei Sturm, hast das Tal der letzten Jahre miterlebt. Inzwischen wurde die Mannschaft stark verjüngt, auch die Grundstimmung wirkt positiver. Ist in den letzten Monaten ein Turnaround gelungen?

Madl: Definitiv. Wir haben unsere Fans in den letzten zwei Jahren nicht mit schönem Fußball verköstigt, das war eher Mangelware. Wir haben jetzt einen Schritt gemacht, kontinuierlich aufgebaut. Es ist nicht so, dass das von heute auf morgen gegangen ist. Es hat schon unter Darko Milanic angefangen, auch wenn man es noch nicht so gesehen hat. Unter Franco Foda ist es weitergeführt und perfektioniert worden. Wir sind am richtigen Weg, aber immer noch nicht dort, wo wir sein wollen.

LAOLA1: Was sind die Schlüsselfaktoren für den positiven Trend?

Madl: Grundsätzlich ist es einfach harte Arbeit. Wenn eine Mannschaft länger zusammenarbeiten und auch vom Mannschaftsgefüge her wirklich etwas entwickeln kann, wird es besser. Das ist einfach so. Man braucht die Zeit, wobei ich weiß, dass man die im Fußball nicht hat. Es ist natürlich auch extrem schwer, bei einem Verein wie Sturm zu fordern, dass es ruhig bleibt, wenn die Leistung nicht passt. Aber ich glaube, schön langsam macht es sich jetzt bezahlt, dass Sturm diesen Weg mit vielen jungen U21-Spielern eingeschlagen hat, die Qualität haben, aber einfach auch Zeit gebraucht haben. Man sieht das bei Spielern wie Daniel Offenbacher, Simon Piesinger oder zuvor auch bei Marco Djuricin. Dass sie Qualität haben, wussten wir, jetzt haben sie diese auch schön langsam gezeigt. Wenn du als Mannschaft die Möglichkeit hast, zusammenzuwachsen und alle Abläufe so zu perfektionieren, dass jeder weiß, was der andere macht, wird es immer besser. Dazu kommt, dass Neuverpflichtungen wie Lukas Spendlhofer oder Thorsten Schick super einfach zu integrieren waren, das sind alles coole Jungs. Wir ticken eigentlich alle gleich in der Kabine. Es macht einen Riesen-Spaß, und dann ist Fußball-Spielen noch viel lustiger.

LAOLA1: Auch dein Nebenmann Lukas Spendlhofer hat sich im Herbst sehr gut entwickelt. Was zeichnet ihn in deinen Augen aus?

Madl: „Spendi“ ist ein positiv Verrückter! Er ist eigentlich ein Spielertyp wie ich, aber noch eine Spur risikoreicher, technisch ein super Spieler, also für einen Innenverteidiger ein Traum. Wir passen einfach perfekt zusammen, weil wir wissen, was der andere macht. Er ist einfach ein ganz lockerer Typ. Wir sagen immer, er ist ein Typ YOLO („You only live once“, Anm.d.Red.) – ihm ist es wurscht, wenn er einen Fehler macht, er probiert es trotzdem wieder und wieder und wieder. Es zeichnet ihn einfach aus, dass er hart arbeitet.

LAOLA1: Spendlhofer ist 21. Siehst du ihn in ein, zwei Jahren in einer größeren Liga? Zu welchem Schritt würdest du ihn im Sommer raten?

Madl: Es ist immer schwer, jemand anderem etwas zu raten. Er hat dann noch ein Jahr Vertrag bei Inter Mailand. Es gibt schlechtere Vereine, bei denen man unter Vertrag stehen kann. Bei uns spielt er sehr gut, und ich würde mir natürlich wünschen, dass er längere Zeit bleibt. Aber wenn er seine Leistungen weiter so bringt, kann es natürlich schnell passieren, dass er bei einem anderen Klub spielt. Wenn er so weitermacht und weiter so hart arbeitet, wird er irgendwann bei einem großen Verein spielen. Ich wünsche es ihm natürlich.

LAOLA1: Spendlhofer ist übrigens Zweiter in der Marktwert-Rangliste im Bundesliga-Manager. Was spricht dafür, dass Michael Madl diese auch am Saisonende anführt?

Madl: Ich probiere noch härter an meinen Schwächen zu arbeiten und meine Stärken noch weiter zu verbessern. Vielleicht habe ich am Ende der Saison ja eine Zweikampfquote von 70 Prozent.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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