"Nicht der Hysterie ausliefern"

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"Die Klasse zeigt sich im Umgang mit Niederlagen"

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Nach dem ernüchternden Start ins Frühjahr mit zwei Punkten aus vier Spielen ist es bei Rapid an der Zeit, auf den Tisch zu hauen.

Das 1:2 beim WAC hat das Fass zum Überlaufen gebracht, in einer langen Ansprache schilderte Trainer Peter Schöttel der Mannschaft seine Sicht der Dinge und dass es so nicht weitergehen kann.

Nicht nur der Chefbetreuer, auch Sportdirektor Helmut Schulte äußerte Kritik und sprach sich für Konsequenzen aus. Änderungen sollen bereits gegen Mattersburg vollzogen werden.

Aber trotz der prekären Situation und den Unmutsäußerungen von außen wird es bei Rapid keine Schnellschlüsse geben. Ruhe bewahren gilt vorerst als oberste Tugend.

LAOLA1 bat Schöttel und Schulte zum Krisengespräch und lauschte ihren Lösungsvorschlägen.

LAOLA1: Muss man sich eingestehen, dass im Frühjahr noch nicht viel nach Plan gelaufen ist?

Helmut Schulte: Das kann man wohl sagen, dass nicht alles nach Plan gelaufen ist. Der Untertitel meines Buch, das ich am Donnerstag vorgestellt habe, heißt „Ergebnisse und Erlebnisse eines Punktelieferanten“. Ich habe mal mehr und mal weniger Punkte abgeliefert. Ich glaube aber, dass der SK Rapid nicht damit gerechnet hat, dass ein Sportdirektor kommt, der relativ wenig Punkte in den ersten Spielen sammelt, dafür aber ein Buch veröffentlicht.

LAOLA1: Kann es nur mit Ruhe bewahren wieder in die richtige Richtung gehen oder müssen Konsequenzen her?

Peter Schöttel: Natürlich werden wir das eine oder andere für das Mattersburg-Spiel verändern, aber das Entscheidende ist immer, die Ruhe zu bewahren und sich nicht dieser Hysterie auszuliefern. Wir wissen, dass wir Dinge besser machen müssen, wir wissen, dass zwei Punkte aus vier Spielen viel zu wenig sind für die Ansprüche, die wir haben. Wir wissen aber auch, dass wir ein Heimspiel gegen Mattersburg haben und sind guter Dinge, dass es am Samstag endlich gelingen wird zu gewinnen.

Schulte: Ruhe bewahren ist natürlich sehr wichtig, aber natürlich muss man auch Entscheidungen treffen – aber nicht in der Hektik. Im Fußball werden auch mal Spiele verloren, man spielt auch mal unentschieden, hat schlechte Serien, auch mal gute Serien. Die Klasse zeigt sich – wie wir wissen – im Umgang mit Niederlagen. Da müssen wir Klasse beweisen, die richtigen Lehren und Schlussfolgerungen daraus ziehen und dann das Richtige tun. Ob das jetzt sofort – ad hoc – ist, da ist man nie richtig beraten.

LAOLA1: Wie erklären Sie sich diese Krise, obwohl man so zuversichtlich gestartet ist?

Schulte: Ich denke wir haben eine Ergebniskrise. Von den acht Halbzeiten, die wir bisher gespielt haben, waren fünf absolut in Ordnung. Die letzten drei waren nicht in Ordnung. Das muss am Wochenende in die richtige Richtung gebracht werden. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass wir das schaffen werden. Was trotzdem gut ist, ist, dass wir immer noch auf dem dritten Platz sind. Das tröstet aber natürlich nicht ganz. Wir waren in allen Spielen nicht so gut, dass wir zwangsläufig die Spiele gewinnen hätten müssen. Das muss sich ändern.

LAOLA1: Nach dem WAC-Spiel sind Sie beide sehr deutlich geworden. Stehen Sie zu dieser Kritik?

Schöttel: Ja, ich stehe zu der Kritik. Es waren einfach Nachlässigkeiten in der Defensive und auch vorne muss man dort hingehen, wo es weh tut. Das haben an dem Tag nicht alle Spieler abgeliefert und darum war ich enttäuscht.

Schulte: Erstens einmal vertrauen wir unserer Mannschaft total, trotzdem sind Peter Schöttel und ich auch in der Lage, die Dinge so zu benennen, wie sie gewesen sind. Das war halt so, wie es war. Da braucht man nicht den Mantel des Schweigens darüber zu decken. Ich bin der Letzte, der versucht, sich rauszureden. Da muss man auch Klartext reden. Wenn das Spiel nicht gut war und wir es nicht geschafft haben, gegen teilweise neun Spieler ein Tor zu schießen, dann ist das einfach enttäuschend und frustrierend. Das haben wir zugegeben, ich denke, das ist ganz normal.

LAOLA1: Auch zu jener angedeuteten Kritik an den Routiniers, Herr Schulte?

Schulte: Ich habe keine Spieler kritisiert, sondern nur gesagt, dass unser Spiel nicht gut war und besser werden muss.

LAOLA1: „Dass routinierte Spieler so Gegentreffer einleiten, kann nicht sein.“ So habe ich es in Erinnerung.

Schulte: Fehler werden gemacht, aber Einzelkritik wird es von mir nicht geben.

LAOLA1: War die lange, ausführliche Ansprache am Montag einfach unumgänglich zu diesem Zeitpunkt?

Schöttel: Ich habe es jetzt nicht irgendwie strategisch geplant. Es war mir einfach wichtig, dass ich vielleicht ein bisschen Druck abbaue, weil die Niederlage, auf die Art und Weise wie sie am Sonntag in Wolfsberg zustande gekommen ist, für mich sehr enttäuschend war. Weil es ja nicht so ist, dass uns die Gegner beherrschen oder besser sind als wir, sondern wir ganz alleine schuld sind, dass wir nur mit zwei Punkten dastehen.

LAOLA1: Gab es auch von ihrer Seite ein Gespräch mit dem ganzen Team?

Schulte: Es gibt immer Gespräche, aber mit denen laufen wir nicht durch die Gegend oder erklären, wann wir wo mit wem weswegen und warum gesprochen haben.

LAOLA1: Der Schlüssel zum Erfolg soll somit der letzte Biss bis hin zur Härte sein?

Schöttel: Speziell wenn es gegen Mattersburg geht, darf man keine Angst haben. Wir wissen, dass der Gegner sicher sehr hart verteidigen wird. Darauf werden wir eingestellt sein.

LAOLA1: Wie sehr wird der nun verletzte Branko Boskovic abgehen?

Schöttel: Das ist eine Sache, die passiert. Das gehört zum Spitzensport dazu. Wir werden ihn in den nächsten Spielen nicht am Platz haben, aber eine Artrhoskopie am Meniskus ist heutzutage auch nicht mehr die große Operation. Ich denke, dass er schon bald wieder bei uns sein wird.


Die Gespräche führte Alexander Karper

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