"Sehe mich nicht als Guru"

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"Die zweite Reihe ist nichts für mich"

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"Wir wollen einen österreichischen Trainer, der mit uns den österreichischen Weg weitergeht und mit jungen, talentierten, hungrigen Spieler arbeitet."

So beschrieb Grödig-Manager Christian Haas noch vor wenigen Tagen das Anforderungsprofil, mit dem sich die Salzburger auf die Suche nach einem Erben für Adi Hütter begaben.

Und obwohl man Absagen hinnehmen musste, scheint sich ein Nachfolger gefunden zu haben, der die Erwartungen erfüllt.

Mit Michael Baur, der am Mittwoch präsentiert wurde, tritt wieder ein ehemaliger Spieler aus Hütters Generation seine erste große Trainerstation an. Nach 566 Bundesliga-Einsätzen auf dem Platz, den zweitmeisten hinter Heribert Weber, kommt der 45-Jährige zu seiner Oberhaus-Premiere an der Seitenlinie.

Im Interview mit LAOLA1 spricht der Neo-Grödig-Coach über seine ersten Gehversuche als (Co-)Trainer, seine Philosophie und die Erwartungshaltung, mit der er an seine neue Aufgabe herangeht.

LAOLA1: Wie ist es zu dem Engagement gekommen?

Michael Baur: Christian Haas hat mich letzten Freitag kontaktiert. Es hat dann einige Gespräche mit ihm gegeben, nach denen er zu dem Entschluss gekommen ist, dass ich die beste Lösung wäre. Für mich war es wichtig, mich und meine Vorstellungen davon, wie ich Fußball spielen lassen will, präsentieren und darlegen zu können. Ob was draus wird oder nicht, war zuerst zweitrangig. Doch es hat scheinbar gefruchtet. Für mich ist es natürlich eine große Freude, aber auch Herausforderung, dass ich Adi Hütter nachfolgen darf.

LAOLA1: Bis Ende November 2013 waren Sie Trainer beim USK Anif. Warum ging dieses Kapitel zu Ende?

Baur: Die ersten eineinhalb Jahre lief das Ganze über Red Bull. Speziell im zweiten Jahr haben wir sehr viele junge Spieler in den Kader eingebaut und teilweise mit 16-, 17-Jährigen in der Regionalliga gespielt. Da hat jeder gesagt, mit der Mannschaft steigen wir ab. Dann sind wir Sechster geworden, das hat sicher für mich gesprochen. Anif hat sich aber entschieden, den Weg nicht mehr mit einem hauptberuflichen Trainer zu gehen, da sie sich das nicht mehr leisten könnten, und haben stattdessen wieder auf Amateurtrainer gesetzt. Beide Seiten haben gesagt, dass es keinen Sinn mehr macht, deswegen sind wir auseinander gegangen.

LAOLA1: Was haben Sie in der Zeit bis zum jetzigen Engagement gemacht?

Baur: Ich bin in der Ausbildung für die UEFA-Pro-Lizenz, mit der ich mich in letzter Zeit sehr beschäftigt habe. Dabei habe ich auch einige Hospitationen gemacht und war immer wieder auf den Plätzen von Red Bull Salzburg und Grödig zu finden. Die Zeit ist also nicht sinnlos verstrichen.

LAOLA1: Im Winter waren Sie mit Wacker bei einem anderen Bundesligisten Gespräch. Woran ist dieses Engagement gescheitert?

Baur: Das können andere beurteilen. Ich bin damals relativ sicher davon ausgegangen, dass es klappt.

LAOLA1: Der Sprung von der Regional- in die Bundesliga ist schnell gegangen. Sie sind nicht der erste Trainer Ihrer Generation, der diesen machen darf. Mit welcher Erwartungshaltung gehen Sie an die neue Aufgabe heran?

Baur: Es gibt im internationalen Vergleich auch Spieler, die direkt in den großen Trainerzirkus einsteigen. Das war nie in meinem Sinn. Ich habe immer gesagt, dass ich mich unten entwickeln muss. Deswegen habe ich als Co-Trainer beim LASK angefangen und dann kurzzeitig mit Andi Herzog das U21-Team betreut, bevor ich die Entscheidung getroffen habe, dass die zweite Reihe nichts für mich ist. Ich wollte Verantwortung tragen und Cheftrainer werden, und habe mich damals bei Anif beworben. Es war eine sehr gute Plattform. Man muss sich alles erarbeiten, wie man es auch als junger Spieler muss. Jetzt hab ich die Chance, mich zu präsentieren. Das ist auch mit harter Arbeit verbunden, aber als Spieler habe ich es auch geschafft. Man muss nur sehr viel investieren.

LAOLA1: Was können Sie aus Ihrer Zeit in der Regionalliga mitnehmen?

Baur: Man lernt schon, mit den Spielern richtig umzugehen, Trainingsschwerpunkte zu setzen und die Mannschaft auf das Spiel einzustellen. Wenn man sich mit der Materie auseinandersetzt und das auch in der Regionalliga ernst nimmt, dann ist man schon für oben gewappnet. Peter Stöger war vor drei Jahren noch in der Regionalliga, und ist jetzt in die deutsche Bundesliga aufgestiegen. Ich will mich nicht mit ihm vergleichen, aber denke, dass er schon ein gutes Vorbild für uns sein kann. Er war sich nicht zu schade, in der Regionalliga zu arbeiten. Das trifft auch auf mich zu. Man kann die Regionalliga ernst nehmen oder als "Nebenerwerb" betreiben, aber wenn ich etwas mache, dann richtig, das war schon als Spieler so. Ich bin überzeugt, dass der Weg der richtige war.

Die meisten seiner 566 Einsätze bestritt Baur im Innsbrucker Dress

Baur: So ein Verein gehört normalerweise in die Bundesliga. Aber die Umstände haben sich nicht nur in dieser Saison, sondern schon in den letzten Jahren so entwickelt, dass das Ganze nicht so unter Kontrolle gebracht wurde. Wirtschaftlichkeit und Kaderplanung waren die letzten Jahre vielleicht nicht so glücklich. Sicher tut es weh. Ich habe zwölf Jahre dort gespielt und weiß, was in Innsbruck möglich wäre. Doch man muss aufhören, die Zeit von heute mit der Ära des FC Tirol unter Kurt Jara und mit Swarovski als Sponsor zu vergleichen, als die Mittel vielleicht auch nicht da waren, aber zumindest ausgegeben wurden.

LAOLA1: Sie treten Ihren Dienst erst im Juni an. Wie sieht Ihr persönlicher "Fahrplan" bis dahin aus?

Baur: Die nächsten Tage bereite ich mich auf die UEFA-Pro-Lizenz vor, die am Montag stattfindet. Das ist mein Schwerpunkt Nummer eins. Ich habe auch mit Christian (Haas) besprochen, dass ich das positiv abschließen möchte, um mich dann ganz dem Verein widmen zu können: Mögliche Einkäufe, das mannschaftliche Umfeld und der Betreuerstab werden erst dann besprochen, damit wir die Vorbereitung starten können.

LAOLA1: Haben Sie schon eine Idee, wer Sie als Co-Trainer unterstützen könnte?

Baur: Ich habe meine Vorstellungen und diese dem Verein schon unterbreitet. Es wird Gespräche geben und ich hoffe, dass das in den nächsten Tagen geklärt ist. Für mich ist wichtig, welches Team um mich herum arbeitet, um erfolgreich zu sein. Alleine kann man gar nichts erreichen.

LAOLA1: Welche langfristigen Ziele sehen Sie in Ihrer Trainerkarriere?

Baur: Wichtig ist einfach, dass man für seinen Erfolg arbeitet. Das möchte ich die nächsten zwei Jahre mit Grödig machen. Der Rest kommt von selber, wenn man sich voll ins Zeug legt. Sieht man sich die Wege von Adi Hütter oder Peter Stöger an, sind das natürlich positive Zeichen. Es kann auch in die andere Richtung gehen. Ich will mich gar nicht zu viel mit Möglichkeiten beschäftigen. Wichtig ist, gut zu starten und jetzt gute Arbeit abzuliefern.

 

Das Gespräch führte Johannes Bauer

LAOLA1: Sie waren vorher schon Co-Trainer bekannter Namen wie Georg Zellhofer und Walter Schachner. Was haben Sie von diesen Trainern gelernt?

Baur: Man nimmt von jedem Trainer etwas mit, auch als Spieler. Manches findet man gut, manches würde man anders machen… Ich hätte mich auch auf die faule Haut legen und im Hintergrund bleiben können, aber es mein Ziel, Verantwortung zu übernehmen, wie ich es schon als Spieler gemacht habe. Ich will im ersten Glied werken und nicht in der zweiten Reihe.

LAOLA1: Worauf legen Sie als Trainer besonders Wert?

Baur: Wichtig ist, einen guten Draht zur Mannschaft zu haben. Die Generationen haben sich zwar verändert, trotzdem glaube ich, dass auch heute jeder junge Mensch nach Disziplin, Wertschätzung und Feedback schreit. Das werden wir versuchen, als Trainerteam zu erfüllen. Ich sehe mich nicht als großen Guru, der alles vorgibt, wie es früher die "Peitschenknaller" gemacht haben. Spieler haben in der heutigen Zeit viele Spiele und müssen viel trainieren. Sie brauchen den Trainer als Unterstützer und Helfer – das will ich für die Mannschaft sein. 

LAOLA1: Grödig hat sich bislang als offensives Team präsentiert und in dieser Saison die zweitmeisten Tore aller Bundesligisten auf dem Konto. Gleichzeitig hat man auch die zweitmeisten Gegentreffer kassiert. Welche Veränderungen im Grödiger Spiel dürfen wir erwarten?

Baur: Sicher ist das Ziel eines jeden Trainers – auch von Adi Hütter – dass er weniger Tore bekommt. Aber bei den Grödigern hat sich eine schwierige Situation ergeben. Viele Spieler, die wichtige Rollen gespielt haben, mussten – teilweise auch angesichts des Wettskandals – vorgegeben werden. Wir hoffen, dass wir über die gesamte Saison nicht so viele Ausfälle hinnehmen müssen. Zudem kann man für das mangelhafte Defensivverhalten nicht nur die Verteidigung zur Verantwortung ziehen. 68 Tore sind sehr viel, aber man muss auch zugute halten, dass man 65 gemacht hat. Das spricht für die Mannschaft. Ich denke, es wird möglich sein, dass eine oder andere Gegentor in Zukunft abzustellen, aber nach vorne trotzdem gefährlich zu sein.

LAOLA1: Sie haben einen zweijährigen Vertrag unterschrieben und das Ziel für nächste Saison schon erklärt: Man will mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Welches langfristige Potenzial sehen Sie in Grödig?

Baur: Das Ziel muss sein, junge Spieler weiterzuentwickeln und für andere Klubs interessant zu machen. Grödig wird nie ein Budget wie Salzburg, Rapid oder die Austria zusammenbringen, da darf man sich nichts vormachen. Langfristig muss man sich in der Bundesliga etablieren. Da kann man sich auch Ried als Vorbild nehmen, die es geschafft haben, aus einem Underdog eine Mannschaft zu machen, die für Überraschungen sorgt und vorne mitspielen kann. Aber man kann darf nicht glauben, irgendwann ein großes Budget aufzustellen und Europa unsicher zu machen.

LAOLA1: In diesem Jahr ist die Europacup-Qualifikation aber durchaus noch möglich. Wäre der Verein bereit für dieses Abenteuer?

Baur: Ich würde es gar nicht als Abenteuer, sondern vor allem als Belohnung für die Mannschaft sehen. Sie hat das ganze Jahr dafür gearbeitet, und ich würde ihnen die Erfahrung von Herzen gönnen. Man muss mit den Füßen am Boden bleiben, aber für die Mannschaft wär es eine super Sache. Natürlich ist im Fußball alles möglich, die Erfahrung habe ich schon als Spieler gemacht. Wir haben mit Pasching Werder Bremen 4:0 rausgeschmissen. Als Trainer würde ich die Sache ernst nehmen und die Chance nutzen wollen. Aber das tägliche Brot ist die Meisterschaft.

LAOLA1: Haben Sie schon erste Vorstellungen die Kaderplanung betreffend?

Baur: Die Entscheidung für mich wurde erst am Dienstag getroffen, es ist jetzt noch zu kurzfristig. Wir werden die nächsten Tage und Wochen schauen, wie man den Kader zusammenstellen kann, und was sich noch verändert. Im Sommer gibt es immer große Veränderungen, wenn Spieler den Verein verlassen.

LAOLA1: Mit Abgängen wird auf jeden Fall zu rechnen sein. Wie will man diese kompensieren?

Baur: Man muss den Markt sondieren. Der Weg, junge Spieler zu Grödig zu holen, wird weiterhin beibehalten werden. Ich bin aber auch nicht abgeneigt, den einen oder anderen arrivierten Spieler zu holen. Das wird sich erst herauskristallisieren. Die Schwerpunktlegung? Ich habe schon in Anif versucht, ein offensives Spiel zu forcieren, aber gleichzeitig die Defensive nicht zu vernachlässigen. So ein Gleichgewicht ist in jeder Liga notwendig, um zu bestehen.

LAOLA1: Am Wochenende gastieren die Grödiger ausgerechnet in Innsbruck. Welche Gefühle hegen Sie hinsichtlich des Innsbrucker Abstiegs?

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