Der hohe Anspruch an sich selbst

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LAOLA1: Wie gehen Sie prinzipiell mit Druck und der hohen Erwartungshaltung bei Rapid um?

Barisic: Ich erwarte mehr als andere von mir. Das bedeutet, dass ich mir selbst sehr viel Druck auferlege. Ich bin Zeit meines Lebens Sportler und kenne diese Drucksituationen. Ich war bei Vereinen, die um Titel gespielt haben, aber auch bei welchen, die Abstiegssorgen hatten, wo der Druck noch größer ist und es um Existenzen geht. Eigentlich ist Druck aber etwas Positives. Er hilft, noch bessere Leistungen zu bringen.

LAOLA1: Wird man als Trainer von Rapid nie in einer Komfortzone sein?

Barisic: Das braucht man auch nicht. Wenn du etwas erreicht und geschaffen hast, kannst du dich feiern lassen. Ansonsten wirst du als Rapid-Trainer nie in die Komfortzone kommen.

LAOLA1: Was muss bei einem Klub gegeben sein, damit Sie sich wohlfühlen?

Barisic: Erstens fühle ich mich wohl, zweitens will ich eine perfekte Stimmung in unserem Umfeld haben und unsere Fans hinter uns wissen. Das haben sie die ganze Saison hindurch bewiesen. Natürlich möchte ich, dass wir innerhalb des Vereins mit so viel Vertrauen weiterarbeiten und es nach außen hin nur ein Sprachrohr gibt.

LAOLA1: Also läuft es bei Rapid so, wie Sie sich ihr Arbeitsumfeld vorstellen?

Barisic: Genau. Wir arbeiten gemeinsam, wir sind ein Team. Das müssen wir einfach festigen und weiter ausbauen. Dann geht es schlussendlich darum, dass wir unsere Mannschaft in allen Belangen verbessern. Mit unseren Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, müssen wir das Maximum herausholen.

LAOLA1: Kann man als junger, aufstrebender Trainer ein Angebot von Rapid ausschlagen?

Barisic: Nein, das kann man als junger Trainer normalerweise nicht.

LAOLA1: Normalerweise nicht, trotzdem haben Sie mit der Vertragsverlängerung lange zugewartet. Wie sehr werden Ihnen die lästigen Fragen zu dieser Causa fehlen?

Barisic: Überhaupt nicht, jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack. Deshalb ist es mir sehr recht, auf diese Fragen keine Antworten mehr geben zu müssen.

LAOLA1: Die Vertragsverlängerung ist eine Bestätigung für die gute Arbeit. Sportdirektor Müller hat oft davon gesprochen, es sei eine klare Philosophie erkennbar. Wie motivierend ist das für Ihre Arbeit?

Barisic: Sehr motivierend. Ich bin dem Präsidium und dem Sportdirektor sehr dankbar, die mir als Trainer wieder das Vertrauen ausgesprochen haben. Ich bin natürlich auch meinem Trainerteam, das hervorragende Arbeit geleistet hat, zu Dank verpflichtet. Denn ich alleine bin nicht allzu viel wert, aber mit meinem Betreuerteam schon einiges. Deshalb gilt ihm ein ganz großes Dankeschön.

LAOLA1: Sie haben oft die Entwicklung der Mannschaft gelobt, mussten sich in einer Saison voller Ups and Downs aber auch oft rechtfertigen. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Barisic: Es ist natürlich schwer. Auf der einen Seite habe ich zu Saisonbeginn immer betont, dass uns die Konstanz fehlen, auf der anderen Seite, dass eine Handschrift erkennbar sein wird. In beiden Fällen habe ich recht gehabt. Trotzdem ist die Entwicklung insgesamt betrachtet sehr positiv, weil wir fast immer mehr Chancen als der Gegner herausspielen, ständig Druck nach vorne machen und zumindest immer versuchen, nach vorne zu spielen. Vor dem Tor fehlt uns sehr oft die Konstanz, das ist jedoch der Routine geschuldet. Aber die Burschen bemühen sich, wir sind auf dem richtigen Weg.

LAOLA1: Können Sie sich selbst noch ein Spiel ohne taktische Brille anschauen oder denken Sie immer als Trainer?

Barisic: In erster Linie schaue ich mir ein Spiel aus der Zuschauerperspektive an, aber der Trainer ist im Hintergrund auch dabei. Man will sich aber trotzdem unterhalten lassen. Man wünscht sich schöne Spiele. Offensiver ausgerichtete Spiele sind mir lieber als zum Beispiel Atletico gegen Chelsea – das kann ich mir überhaupt nicht anschauen. Trotzdem ist es nicht uninteressant, auch solche Spiele aus Sicht eines Trainers zu betrachten.

LAOLA1: Inwieweit hat Ihnen die Trainerausbildung einen anderen Horizont eröffnet?

Barisic: Es ist natürlich wichtig, dass man die Lizenz hat, die dich befähigt, Trainer zu sein. Man nimmt sehr viel mit. Trotzdem darf es nie so weit kommen, dass du aufhörst zu lernen und über den Tellerrand hinauszublicken. Das wäre für die eigene Entwicklung fatal. Es ist wichtig, immer wieder Fortbildungen zu machen bzw. wenn es die Zeit erlaubt, bei ausländischen Vereinen zu hospitieren. Das sind einfach Dinge, die dich weiterbringen.

LAOLA1: Sind viele Erkenntnisse dabei, die Sie in ihre Trainertätigkeit integrieren?

Barisic: Es sind viele dabei, die ich schon von Grund auf gemacht habe, aber nicht gewusst habe, dass sie richtig sind. Es geht auch um unbewusste Kompetenzen. Man bekommt immer wieder neue Ideen dazu. Nicht, was die Übungsauswahl betrifft, sondern was die Kommunikationsbasis in einem Team betrifft oder dass es bei dem einen oder anderen Verein eine einheitliche Philosophie von oben bis unten – angefangen vom Spielsystem bis zur Spielanlage – gibt. Es gibt viele Dinge, die man umsetzen kann.

LAOLA1: Hospitieren ist Ihnen wichtig. Was war für Sie bisher das prägendste Erlebnis in dieser Hinsicht?

Barisic: Ich war beim FC Basel, der andere Möglichkeiten hat als wir. Trotzdem kann man da einige Dinge beobachten und mitnehmen. Heerenveen legt den Fokus auf die Jugendausbildung, entwickelt Spieler wahnsinnig gut und verkauft diese um teures Geld, das wieder in Infrastruktur oder neue junge Spieler reinvestiert wird. Die haben schon einen Fluss zusammengebracht. Ich finde das sehr interessant.

LAOLA1: Also jenen Fluss, den man bei Rapid auch anstrebt.

Barisic: Wir sind dabei, wir haben natürlich unsere Philosophie, ein Anforderungsprofil für jede Position, Schwerpunkte im Training, an die sich alle halten müssen. Es ist mir sehr wichtig, dass jeder einzelne Betreuer das auch lebt und zu hundert Prozent versucht, umzusetzen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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