"So will ich gar nicht sein"

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"Dafür ist mir die Bundesliga zu wichtig"

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„Das Abenteuer Bundesliga ist kein Kindergeburtstag“, sagt Oliver Lederer.

Für den 37-Jährigen dauert dieses Abenteuer mittlerweile rund eineinhalb Jahre. In der Vorsaison hat der Trainer, der mit Walter Knaller ein Duo bildet, mit der Admira trotz widrigen Umständen die Klasse gehalten.

Auch diesmal stecken die Niederösterreicher im Kampf gegen den Abstieg. „Dass wir sehr wenig Routine in der Mannschaft haben, ist der einzige Vorwurf, den wir uns gefallen lassen müssen“, sagt er.

Lederer spricht zudem über seine Neuzugänge, sein Temperament, den Ausbildungsweg der Admira und Junge, die erwachsen werden müssen.

LAOLA1: Gehen wir zu Beginn mal Ihre Neuzugänge durch. Was erwarten Sie von Konstantin Kerschbaumer?

Oliver Lederer: Er ist ein Spieler, bei dem es normalerweise zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist, ihn zu holen – ein extremer Glücksgriff. Er hat sehr viel Qualität und diese auch schon bewiesen. Es gilt, ihm nicht zu viel Druck aufzuerlegen. Aber wir erwarten sehr viel von ihm. Man darf aber nicht vergessen, dass er noch nie Bundesliga gespielt hat.

LAOLA1: Bei Markus Blutsch hat es mich ein bisschen gewundert, dass ihn der LASK einfach so ziehen lässt.

Lederer: Das hat es uns auch (lacht). Er ist ein vielversprechendes Talent, das außergewöhnliche Fähigkeiten mitbringt. Allerdings hat er sechs Wochen Bundesheer hinter uns und wird auch die letzten vier Runden nicht zur Verfügung stehen, weil er bei der U20-WM ist. Man muss also etwas mehr Zeit anberaumen, um seine Fähigkeiten tatsächlich beurteilen zu können.

LAOLA1: Lukas Grozurek ist ein weiterer Rapidler, der zu euch gekommen ist.

Lederer: Wir haben bis jetzt immer gute Erfahrungen mit Rapid-Spielern gemacht. Ihm eilt der Ruf voraus, ein bisschen ein fauler Hund zu sein, was wir bisher nicht bestätigen können. Er ist hochveranlagt, ein richtig Guter. Aber er hat zuletzt nicht regelmäßig gespielt, was es kompliziert macht. Es wird dauern, bis er in den Rhythmus kommt.

LAOLA1: Toni Vastic ist der vierte im Bunde. Er hat auch als großes Talent gegolten, aber Ried war offenbar nicht das richtige Pflaster, oder?

Lederer: Manchmal funktioniert es einfach nicht. Vielleicht haben die Chemie, das Spielsystem, die Spielanlage nicht gepasst. Wir erhoffen uns sehr viel von ihm. Er hat Fähigkeiten, die wir bisher noch nicht in der Mannschaft hatten. Aber auch bei ihm ist es eher so, dass wir hoffen, dass er uns in Zukunft helfen kann.

LAOLA1: Zu den Abgängen: Wilfried Domoraud und Lukas Thürauer sind gegangen. Letzterer war im Herbst an acht Toren beteiligt.

Lederer: Und wir haben nur 17 gemacht, also war er fast an der Hälfte unserer Tore beteiligt. Das klingt schmerzhaft, ist es auch. Wir haben keinen Spieler seiner Qualität nachgeholt. Es gilt, diese Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir bleiben aber unsere Linie treu: Wenn ein Spieler etwas Anderes machen möchte, stehen wir dem Spieler nicht im Weg.

LAOLA1: Im Vergleich zum Herbst 2013 war es diesmal ein sehr ruhiger Herbst bei der Admira. Trügt der Schein?

Lederer: Durch diese neue Gruppe im Verein ist Ruhe eingekehrt, das kann ich nur bestätigen. Sportlich hätten wir uns erhofft, in ein ruhigeres Fahrwasser zu gelangen, durch diese zehn Spiele ohne Sieg war dem aber nicht so. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir aber auch viel Verletzungspech. Dieses sehr holprige Quartal hat uns in den Abstiegskampf katapultiert.

LAOLA1: Wie beurteilen Sie den Herbst der gesamten Bundesliga? Es ist doch ziemlich verrückt zugegangen.

Lederer: Nehmen wir den WAC her – so ist der Fußball. Die haben sich in einen Lauf gespielt, da hat alles gepasst. Bei Ried war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis Oliver Glasner das in den Griff bekommt – es war nicht abzusehen, dass die Rieder da unten bleiben. Ich erwarte, dass sie im Frühjahr noch einige Plätze aufholen. Nach vorne ist die Austria ein bisschen enttäuschend, aber mit dieser Tabellenregion werden wir im Frühjahr sowieso nicht viel zu tun haben.

"Eigentlich bräuchte ich die Coachingzone sehr"

LAOLA1: Die Jungen müssen also schneller erwachsen werden.

Lederer: Das kann man so sagen. Ich habe ja schon nach der schwierigen Vorsaison gesagt: Manchen Spielern ist in dieser Zeit ein Bart gewachsen. Einige dieser Schlüsselspieler haben uns aber schon wieder verlassen – Domoraud, Schwab, Schick. Vor allem Schwab war außerhalb des Platzes brutal wichtig für uns – er war DER Leader. Es war uns nicht möglich, das zu kompensieren. So einen Führungsspieler haben wir jetzt nicht mehr.

LAOLA1: Sie sind nun auch schon seit über einen Jahr Admira-Trainer. Wie weit sind Sie in diesen letzten Monaten als Trainer erwachsen geworden?

Lederer: Das Abenteuer Bundesliga ist kein Kindergeburtstag. Ich bin erfahrener. Die Bundesliga ist extrem anspruchsvoll und hat mich geprägt. Wobei ich ja von Walter Knaller, Michael Horvath und dem ganzen Betreuerteam große Unterstützung bekomme.

LAOLA1: Sind Sie immer noch so richtig aufgeregt vor jedem Spiel oder ist es mittlerweile Alltag geworden?

Lederer: Für mich ist jedes Spiel etwas Überragendes. Dieses Kribbeln ist schon jedes Mal da. Ich hoffe auch, dass es nie so richtig zur Gewohnheit wird. Die Bundesliga soll nie Alltag für mich werden, dafür ist sie mir zu wichtig.

LAOLA1: Sie sind das emotionalste Mitglied des Admira-Trainerteams. Erschrecken Sie manchmal, wenn Sie sich mit etwas Abstand im TV sehen?

Lederer: Ja. Ich selbst empfinde es in dieser Situation gar nicht so, aber mein Sohn oder meine Frau fragen mich dann: „Was machst du da eigentlich?“ Wenn ich dann die Bilder sehe, mache ich mir schon Gedanken. Eigentlich will ich gar nicht so sein. Ich will auch nicht so rüberkommen. Manchmal gibt es aber für mich eben keine Option, zurückzuweichen. Die Foda-Geschichte war so, weil ich mich bedroht gefühlt hatte. Das hatte auch mit Franco Foda, den ich wirklich sehr schätze, nichts zu tun. Ich arbeite aber daran, dass mir das in Zukunft weniger häufig passiert.

LAOLA1: Wie sehr ist es ein Problem, dass Sie im Spiel auf der Bank sitzen müssen, während Walter Knaller als Chefcoach die Coachingzone benützen darf?

Lederer: Die Konstellation bei uns ist mit Walter Knaller, Michi Horvath und mir in dieser Hinsicht einfach kompliziert. In der täglichen Trainingsarbeit übernehme ich sehr viel Coaching, am Spieltag muss ich mich dann sehr zurücknehmen. Eigentlich bräuchte ich diese Coachingzone sehr, habe sie aber nicht zur Verfügung. Oft habe ich das Gefühl, dass ich helfen könnte, bin aber an die Trainerbank gefesselt. Als ich zu Beginn die Coachingzone für mich hatte, hatte ich diese Aussetzer ja gar nicht. Jetzt kommen die Emotionen offenbar geballter raus, was es ein bisschen ungut macht. Hoffentlich steht mir die Coachingzone irgendwann einmal komplett zur Verfügung.

LAOLA1: Man hat im Sommer das Gefühl gehabt, die halbe Liga wolle Angriffspressing spielen. Mittlerweile scheinen fast alle wieder davon abgekommen zu sein, weil es offenbar doch nicht so einfach ist.

Lederer: Das Angriffspressing ist eine interessante Variante, von dem wir aber auch wieder ein bisschen abgekommen sind, wir praktizieren es nur in manchen Phasen. In Österreich ist es schwierig, weil man kaum Mannschaften hat, die den Spielaufbau von hinten betreiben, was das Angriffspressing komplizierter macht. Im Prinzip macht es keinen Sinn. Deshalb sind viele wieder davon abgerückt. Man hat sich vom System Red Bull beeindrucken lassen. Am Ende des Tages hatte Salzburg aber diese Qualität durch individuelle Klasse. Wir als Admira müssen einfach unseren eigenen Weg gehen.

LAOLA1: Wie sieht dieser eigene Weg aus?

Lederer: Wir arbeiten ständig daran, unsere Spielphilosophie nach außen zu tragen. Wir haben die Akademie und einen riesigen Nachwuchsapparat im Hintergrund, wo wir eine gewisse Spielphilosophie verfolgen. Da kannst du nicht in der Kampfmannschaft das komplette Gegenteil spielen. Es wäre ja kontraproduktiv zehn Jahre auszubilden und dann oben etwas komplett anderes zu spielen. Die Spielphilosophie sollte ballbesitzorientiert sein. Jeder weiß aber, dass wir uns damit extrem schwer tun, unsere Stärke das schnelle Umschaltspiel ist. Allerdings versuchen wir in jedem Training, die Ballbesitzphasen zu stabilisieren und verlängern. Ich muss aber ehrlich sagen: Viel hat man im Herbst nicht davon gesehen.

LAOLA1: Vor allem im Kampf gegen den Abstieg wird es schwierig sein, das konsequent durchzuziehen.

Lederer: Die Frage ist, ob man wegen dieses Drucks zwischen den Spielanlagen und Systemen hin- und herswitcht – das ist nicht Sinn und Zweck. Wir versuchen schon, uns festzulegen. Wir versuchen, uns zwei, drei Anzüge zu verpassen, die wir uns dann vom Gegner abhängig anziehen. Im Endeffekt sollte am Ende des Tages ohne großartig viele Experimente der Klassenerhalt stehen.

LAOLA1: Der Kader ist noch jünger und unerfahrener als im Herbst. Kann das ein Problem werden?

Lederer: Dass wir sehr wenig Routine in der Mannschaft haben, ist der einzige Vorwurf, den wir uns gefallen lassen müssen. Aber Spieler wie Windbichler, Katzer und Schösswendter können diese Lücke schon schließen. Es gab jedoch schon die Überlegung, einen routinierten Spieler ins Boot zu holen – der Markt gibt aber keinen Spieler her, der uns den Klassenerhalt garantiert.

LAOLA1: Das führt uns zum Thema UEFA-Pro-Lizenz. Wie ist der Stand der Dinge?

Lederer: Die nächste UEFA-Pro-Lizenz beginnt 2016. Die Anmeldung dazu ist im Spätherbst 2015. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es mir nicht möglich, offiziell Cheftrainer zu sein. Ich werde mich ganz normal anmelden, würde die Kriterien auch definitiv erfüllen. Ob ich Aufnahme finde, wird sich zeigen.

LAOLA1: Das Ziel ist dann, dass Walter Knaller einen Schritt zurück tritt und Sie Cheftrainer der Admira sind?

Lederer: Der Plan ist, dass Walter eine übergeordnete Rolle, die man noch genau definieren muss, übernimmt. Aber bis dahin vergeht noch sehr viel Zeit – für einen Trainer ist das ein halbes Leben. Mal schauen, ob wir das überleben. Aber es wäre mein Wunsch, bei meinem Verein offiziell Cheftrainer zu sein.

LAOLA1: Abschließend: Warum schafft die Admira am Ende relativ souverän den Klassenerhalt?

Lederer: Relativ souverän? Am Ende muss zumindest der neunte Platz stehen. Wir sind – genauso wie die neun anderen Vereine – davon überzeugt, dass wir gut arbeiten und uns klug verstärkt haben. Wir versuchen fleißig zu sein und wissen, dass wir mehr tun müssen, als manche andere.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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