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"Auch an der Spitze muss man sich weiterentwickeln"

Wien, 14.12.2012, 15:50 Uhr
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Die Saison der Rennrodler hat gerade erst begonnen, doch die Brüder Andreas und Wolfgang Linger schielen mit einem Auge schon auf die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Dort können die Tiroler das historische Triple schaffen: Noch nie gelang es einem Österreicher, dreimal hintereinander Olympia-Gold zu gewinnen.

Doppel-Olympiasieger Andreas Linger spricht im LAOLA1-Interview über Ziele, Veränderungen und die spezielle Olympia-Vorbereitung:

LAOLA1: Mit dem Sieg des Gesamtweltcups im letzten Jahr habt ihr alles gewonnen, was es zu gewinnen ist. Was motiviert euch dennoch, weiterzumachen?

Andreas Linger: Grundsätzlich motivieren uns einfach die ehrgeizigen Ziele, die wir noch haben – das sind vor allem in der nächsten Saison die Olympischen Spiele in Sotschi, wo wir als erste Österreicher das dritte Gold schaffen können.

LAOLA1: Ist es vielleicht auch umgekehrt – lassen euch die erreichten Erfolge gelassener an die Wettkämpfe herangehen?

Linger: Ganz genau. Das ist speziell in der heurigen Saison so: Natürlich haben wir auch Ziele und Saisonhöhepunkte. Trotzdem können wir nach dem Motto: „Wir haben schon, wir müssen nicht“ ganz gelassen und mit einer gewissen inneren Zufriedenheit an die Sache herangehen.

LAOLA1: Welche Erwartungen und Ziele habt ihr an die aktuelle Saison?

Linger: Ein Highlight ist für uns die WM Ende Jänner in Whistler, wo wir natürlich mit einem Medaillenanspruch hinfahren. Das Saisonfinale auf der Olympiabahn in Sotschi ist ein weiterer Höhepunkt. Dort wird ein erstes Abtasten mit der restlichen Rodelelite in Hinblick auf Olympia stattfinden. Das ist eine neue Bahn, da sieht man dann schon mal, wie man da liegt. Im Gesamtweltcup muss man erst mal abwarten, wenn die ersten Rennen richtig gut laufen, dann werden wir auch da wieder mitkämpfen.

„Wir haben schon, wir müssen nicht“
Andreas Linger

LAOLA1: Gab es im Vergleich zu den letzten Jahren Änderungen in der Vorbereitung?

Linger: Nein, keine gravierenden Änderungen. Wir haben uns einerseits auf Altbewährtes verlassen, andererseits nach dem Motto: „Stillstand ist Rückschritt“ versucht, ein paar neue Komponenten unter zu bringen. Ob auf der konditionellen Seite oder am Materialsektor – wir versuchen uns überall weiter zu entwickeln. Aber man muss auch sagen, dass wir in den vergangenen Jahren immer diejenigen waren, die den anderen Teams mit unserem Speed Rätsel aufgegeben haben. Da ist es schwierig, noch etwas zu finden. Doch auch an der Spitze muss man sich weiterentwickeln. Die anderen schlafen nicht und wissen, dass sie Aufholbedarf haben. Da können sie schnell auf die Überholspur kommen.

LAOLA1: Worin liegt euer Vorteil, warum seid ihr so viel schneller als die anderen?

Linger: Das darf ich nicht verraten, sonst wissen es ja alle (lacht). Es ist schwer zu beschreiben, da es bei uns um Feinheiten geht. Das perfekte Gesamtpaket muss individuell optimal abgestimmt werden. Gerade beim Doppelsitzer ist das sehr schwierig, weil zwei Leute auf einem Schlitten perfekt harmonieren müssen. Da sehe ich einen großen Vorteil bei uns, da wir Brüder sind. Dazu kommen unsere – mittlerweile - große Erfahrung am Materialsektor und das tolle Team, das wir im österreichischen Rodelverein um uns haben.

LAOLA1: Stichwort Olympia: Wie sehr strebt ihr den Titel-Hattrick an?

Linger: Ich glaube, der Zieleinlauf in Vancouver war zehn Minuten alt, da sind wir von Medienvertretern darauf angesprochen worden: ‚Jungs, wisst ihr eigentlich, was ihr in vier Jahren für eine Chance habt? Das hat in Österreich noch nie jemand geschafft.' Zunächst wollten wir einfach den zweiten Olympia-Sieg feiern. Nach und nach haben wir dann begriffen, um welch einzigartige Chance es geht. Wir haben ein tolles Umfeld, das uns auf dem Weg dorthin begleitet. Wir schauen, dass alles für den Moment X perfekt hergerichtet ist und den Rest muss man auf sich zukommen lassen. Mit der Brechstange ist das noch nie gegangen.

LAOLA1: Ihr habt im November auf der Olympiabahn in Sotschi trainiert. Gehörte das schon zur Olympia-Vorbereitung?

Linger: Auf jeden Fall. Auf einer neuen Bahn sind Charakter, Bahnlänge, Kurven- und Geradenanteil anders. Keine Bahn gleicht der anderen. Da zählt jeder Lauf, um vom Rhythmus und von der Materialabstimmung her das beste Gesamtpaket herauszufinden. Wir haben knapp 30 Fahrten dort absolviert und sind recht zufrieden. Das einzige, was wir erst im Februar richtig sagen können, ist, wie schnell es auf der Bahn wirklich geht. Es waren nie unter zehn Grad, da leidet die Eisqualität und somit auch die Laufzeiten.

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Wollen in Sotschi wieder schneller sein als alle anderen: Die Linger-Brüder

LAOLA1: Wie gestaltet sich eure spezielle Olympiavorbereitung?

Linger: Es geht darum, sich auf der konditionellen Seite und vom Materialsektor so gut wie möglich auf die neue Bahn einzustellen - das haben wir in den letzten Jahren immer weiter verfeinert. Ende Februar steigt das Weltcupfinale auf der Olympiabahn und im nächsten Jahr gibt es dort im Herbst eine internationale Trainingswoche. Dazu haben wir den ganzen Sommer noch vor uns und werden schauen, dass wir uns in jeglicher Hinsicht so gut wie möglich auf das Vorhaben vorbereiten.

LAOLA1: Gibt es Unterschiede zu den letzten beiden Olynmpischen Spielen – sei es von der Vorbereitung, von der Bahn oder vom Gefühl her?

Linger: Vor Turin waren wir noch relativ jung und es gab das große Ziel, einmal in der Karriere eine olympische Medaille zu holen. Gold kam für viele Außenstehende überraschend, da wir uns genau zwölf Monate zuvor auf der Olympiabahn von Turin schwer verletzt hatten. Wir haben das aber überstanden und da gewonnen. Für uns war es nicht so überraschend, da wir wussten, dass wir schnell sein können. Das Ganze war relativ druckfrei. In Vancouver gab es schon mehr Druck: Wir sind eine starke Saison gefahren und waren Titelverteidiger. Es ist uns bewusst, dass sich der Druck nun noch einmal steigern wird, aber das ist ok. Es macht ja auch einen gewissen Reiz aus. Wir werden eben schauen, dass wir an dem Tag ein bisschen schneller sind als die anderen. Ansonsten gibt es nicht allzu viele Unterschiede zu den letzten Spielen. Die Bahn ist natürlich anders. Und wenn man sieht, was in Sotschi aus dem Nichts aufgebaut wird, ist das schon beeindruckend. Ich bin überzeugt davon, dass es tolle Olympische Spiele werden.

LAOLA1: Wen schätzt du als eure größte Konkurrenz um die Goldmedaille ein?

Linger: Es sind ja noch eineinhalb Jahre bis dahin. Momentan kommen die stärksten Konkurrenten aus dem eigenen Lager: Penz/Fischler haben im letzten Jahr zwei Rennen gewonnen und sind Europameister. Dazu kommen die zwei deutschen Schlitten Wendl/Arlt und Eggert/Benecken. Das sind alles sehr junge Athleten, die noch nie bei Olympischen Spielen waren und deshalb besonders motiviert sein werden. Dazu kommt Italien mit Oberstolz/Gruber - die zwei sind etwas älter als wir und haben noch keine olympische Medaille. Und dann gibt’s die kleinen Fragezeichen wie Russland, die jedes Jahr stärker werden, und Lettland. Kanada und USA kann ich schlecht einschätzen, da sind die Jungs momentan noch ein bisschen zu weit weg, aber in eineinhalb Jahren kann viel passieren.

LAOLA1: Welcher Sieg war euer wichtigster?

Linger: Das ist schwierig, weil es so viele sind. Ein Luxusproblem, sich da fast nicht entscheiden zu können... Von der emotionalen Seite war für uns der Gesamtweltcupsieg extrem wichtig, weil er uns noch gefehlt hat und es bis zum Schluss so knapp war. Im letzten Rennen wäre es ja fast noch schief gegangen und wir haben ihn durch Schützenhilfe von unseren Mannschaftskollegen Penz/Fischler noch ins Ziel gerettet. Ansonsten ist der Olympiasieg schon etwas sehr Spezielles. Da kann ich aber nicht sagen, welcher von beiden schöner war. Jeder für sich hat seine eigene Story.

Das Interview führte Henriette Werner

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