Im Heads Up des Main Events der World Series of Poker stehen sich zwei Kontrahenten gegenüber, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Auf der einen Seite Johnny Chan, der zu seinem dritten Sieg in Folge ausholt und auf der anderen der noch recht unbekannte Phil Hellmuth Jr. aus Wisconsin.
Wenige Stunden später ist der alte WSOP-Champion entthront und ein neuer Star geboren.
Elf Bracelets
Mit nur 24 Jahren krönte sich Hellmuth damals zum jüngsten Main-Event-Sieger der WSOP-Geschichte. Ein Rekord, der erst vor zwei Jahren von Peter Eastgate (22) geknackt wurde.
Hellmuth bleibt dennoch ein Mann der Rekorde: Aktuell hält der US-Amerikaner die WSOP-Bestmarken für die meisten Bracelets (11), die meisten Final Tables (42) und die meisten Money-Finishes (79).
Vor drei Jahren sicherte er sich im 1.500 No Limit Hold'em Event sein bislang letztes Bracelet und ließ damit endgültig die Poker-Legenden Johnny Chan und Doyle Brunson in der ewigen Bestenliste hinter sich.
Nur im Hold'em top?
Ein Manko hat die Statistik des 46-Jährigen allerdings, denn alle seine Bracelets gelangen ihm in Hold'em-Events. Mit Daniel Negreanu hat Hellmuth deshalb aktuell eine Wette laufen, dass er irgendwann auch einmal einen WSOP-Sieg in einem Seven Card Stud Event holt.
2007 wurde Hellmuth in die Poker Hall of Fame aufgenommen. Mit Turniergewinnen von derzeit 11,4 Millionen US-Dollar hält er auf dem vierten Rang der ewigen Geldrangliste.
Loses Mundwerk
Der mittlerweile 46-jährige US-Amerikaner polarisiert aber auch wie kaum ein anderer. Seinem Spitznamen "Poker Brat“ und "Hell Mouth“ wird er vor allem bei Niederlagen und Suckouts stets mehr als gerecht. Viele halten ihn für den arrogantesten Profi der Szene.
Aussprüche wie "If there weren't luck involved, i guess i'd win every one", "You moved in with King Ten so please don't discuss poker with me" oder "idiot northern european player" wurden an den TV-Tischen aufgezeichnet und erfreuen sich auf Youtube großer Beliebtheit.
Beleidigte Leberwurst
Legendär: Bei einer Folge von "Poker After Dark" verließ Hellmuth den Tisch, als seine Gegner seiner Aufforderung den Mund zu halten nicht nachkamen, und drohte den Produzenten damit nie wieder in der Show anzutreten.
Abseits der TV-Kameras soll es zwischen Hellmuth und Gegenspielern auch schon öfters zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Ob Hellmuth deswegen stets mit Sonnenbrille am Tisch Platz nimmt?
Nicht mehr von Poker abhängig
Neben seiner aktiven Karriere betätigte sich Hellmuth auch als Kolumnist für das "Card Player Magazine", als Autor mehrerer Bücher, Kommentator einer Poker-Show und warb für einen Online-Poker-Anbieter und eine Sonnenbrillen-Firma.
Hellmuth betreibt mittlerweile sein eigene Verlagshaus "PhilsHousePublishing". In einem Interview mit ESPN schätzte er, dass er abseits vom aktiven Poker-Sport etwa 400 Millionen US-Dollar einnehmen könnte. Eine wortgewaltige Ansage - genau solche ist man aber von Hellmuth gewohnt.
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