Red Bull verlieh Shaun White bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver Flügel.
Aber auch ohne die Unterstützung des Dosen-Imperiums, das dem US-Amerikaner eine SuperPipe samt Schnitzelgrube exklusiv für ihn ins nur per Hubschrauber erreichbare Backcountry gebaut hat, überflügelt White, der den Sponsor-Deal nicht verlängert hat, die Konkurrenz.
Nach seiner verletzungsbedingten Absage des Slopestyle-Contests bei den Winter X Games – der Knöchel machte ihm nach einem Sturz zu schaffen – ließ der 25-Jährige die Konkurrenz einmal mehr in die Röhre schauen.
Und flog zu einer Rekord-Goldenen in der SuperPipe.
Rekorde, Rekorde, Rekorde
Denn White ist der erste Snowboarder, der fünf Mal in Folge in der SuperPipe nicht zu schlagen war.
Damit ist White der erst dritte Athlet neben Boarder-Crosser Nate Holland und Snowmobile-Driver Tucker Hibbert, der eine solche Serie bei den Winter X Games zustande brachte.
Aber damit nicht genug der Superlative: der Abräumer auf Snow- und Skateboard schaffte in seinem dritten Run 100 von 100 möglichen Punkten – und war danach überwältigt.
„Es ist so unecht, ich wollte diesen perfekten Run immer schaffen. Ich war hier auf einer Mission, aber dann konnte ich nicht im Slopestyle starten, das hat mich fertig gemacht“, erzählte White nach seinem historischen Triumph.
Ungewissheit nach Knöchelverletzung
„Ich wusste nicht, was ich tun soll. Ich habe meinen Knöchel mit Eis gekühlt und mich gefragt, ob ich überhaupt noch einmal bei den X Games starten kann.“
Mit der Wut im Bauch fuhr White, den sie wegen seiner roten Haare „Flying Tomato“ nennen, bereits im ersten Run zu 94 Punkten und also auf Platz 1.
Aber der Schweizer Iouri Podladtchikov war mit 93 Punkten nur ganz knapp hinter dem Snowboard-Superstar.
"... und dann ist es passiert!"
Im zweiten von drei Runs versuchte White seinen Frontside Double Cork 1260, konnte ihn aber nicht stehen.
Im Finale zeigte er aber dann seine besten Tricks: vom 6 Meter hohen Backside Air über einen Frontside Double Cork 1080, einen Cab Double Cork 1080, einen Frontside Stalefish 540, einen Double McTwist 1260 und zum Abschluss den Frontside Double Cork 1260, den White als erster Rider in einem Wettkampf stand.
„Beim ersten Versuch bin ich mit dem Gesicht in der Wall gelandet, aber ich habe das ausgeblendet und es noch einmal probiert – und dann ist es passiert!“
Podladtchikov ist schärfster Gegner
Podladtchikov, der sich wie White in den letzten Wochen und Monaten den Frontside Double Cork 1260 antrainiert hat, ließ den neuen Super-Trick ebenso im Köcher wie auch seine andere Geheimwaffe, den Double McTwist 1260, den er im Vorjahr in Neuseeland bereits einmal gestanden hat.
„Ich bin auch mit Silber sehr zufrieden, mein Run war sehr sauber, das hat gut gepasst.“
Nach Kevin Pearce, der im Training für die Olympischen Spiele 2010 schwer gestürzt ist und nie wieder Wettkämpfe bestreiten wird, hat Shaun White wieder einen Gegner, der ihn fordert.
Für den zweifachen Olympiasieger und jetzt bereits 12-maligen Gold-Gewinner bei X Games (Sommer und Winter, Anm.) ist das genau die Herausforderung, die er braucht, um den Snowboardsport weiter nach vorne zu bringen. „Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!“
Österreicher bleiben ohne Medaillen
Offen ist, ob der österreichische Ski-Crosser Patrick Koller im nächsten Jahr wieder zu den Winter X Games eingeladen wird.
Der Tiroler belegte im Qualifying nur den 28. und damit letzten Platz. Gold ging in Abwesenheit des verletzten Andreas Matt an den Kanadier Chris del Bosco.
Bei den Snowboard-Crossern war für Max Schairer nach einem Sturz im Halbfinale Endstation.
In der Trostrunde fuhr der ÖSV-Boarder dann auf Rang zwei. Gold ging, wieder einmal, an Nate Holland.
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