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Football

Bild: Kastler

Stolze New Yorker, stolze Giants-Fans

New York/Pittsburgh/Green Bay , 03.02.2012, 14:26 Uhr
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„Wir sind sehr stolz auf unsere Stadt.“

Amerikanische Bürger haben vieles gemein. Auch die Betonung ihrer Wertschätzung für den Ort, an dem sie leben. Und das lassen sie Auswärtige gerne wissen.

Der Stolz definiert sich nicht selten über die sportlichen Leistungen der jeweils ansässigen Teams. Das gilt für große Metropolen wie für kleinere Städte.

Nehmen wir etwa Green Bay her. Das 110.000-Einwohner-Örtchen im Käsestaat Wisconsin hat an und für sich nichts Großartiges zu bieten. Mit einer riesigen Ausnahme – den Packers.

Kleine wie große Städte

Die Spitzenfranchise ist der ganze Stolz eines Bundesstaates. Kein Wunder, sammelte „Green and Gold“ doch die meisten Titel in der NFL-Geschichte (13).

„Wir sind wirklich sehr stolz auf unser Lambeau Field“, lässt der betagte Tour-Guide mit sentimental getragener Stimme im großen Atrium des historischen Stadions wissen. Das Prunkstück, in das immer wieder investiert wird, ist eines der Markenzeichen Wisconsins.

Anderes Beispiel: Pittsburgh. Die Stahlstadt gehört ebenso nicht zu den großen Attraktionen in den USA. Nichtsdestoweniger beherbergt sie mit dem Super-Bowl-Rekordsieger Steelers und dem dreifachen Stanley-Cup-Gewinner Penguins zwei sehr wichtige US-Franchises.

Schon am Flughafen sagt uns die freundliche Dame im Fan-Shop ganz offen: „Wir lieben einfach unsere Teams.“ Der Eindruck bestätigt sich innerhalb Pittsburghs. Alleine durch die spektakuläre Einfahrt in Downtown, die tolle Blicke auf das Football- und Baseball-Stadion gewährt. Natürlichen zeigen sich auch hier die Bürger ganz klar in den Farben ihres Klubs.

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In jener Stadt, deren Einzugsbereich 2,3 Millionen Einwohner zählt, sind am Wochenende Menschen ohne Steelers-Pulli oder Penguins-Jersey eher eine Seltenheit.

New York trägt blau

Ähnliches gilt auch für die größte Stadt der USA. Seit knapp zwei Wochen trägt New York in erster Linie blau. Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Schließlich zählt doch die Kappe der New York Yankees, dem Rekordsieger der World Series, zu den mit Abstand meist getragenen im „Big Apple.“

In Tagen wie diesen haben die „Bronx Bombers“ aber einen ernstzunehmenden „Gegner“. Seit dem Einzug in die Super Bowl sind die Giants-Caps und –Jerseys allerorts gesehen.

Alleine schon die Teilnahme am Spiel der Spiele sorgte vor knapp zwei Wochen für Ausnahmezustand im „Big Apple“. Als Kicker Lawrence Tynes in der Overtime den Sieg gegen die 49ers bescherte, gab es in den Straßen von Manhattan kein Halten mehr.

„We are going to the Super Bowl”, fielen sich Fans, deren Ungläubigkeit in den Gesichtern auszumachen war, in die Arme. Aufgrund des Rematches mit New England, denen die Giants 2008 im Endspiel sensationell die Perfect Season, vermiesten, wurden Erinnerungen wach.

„Bin erst irgendwann wieder aufgewacht“

„Das war mein schönster Tag als Fan der Giants“, erzählt Victor im Siegesrausch vor einem Pub in der 3rd Avenue. „Ich habe nach dem Sieg gegen die Patriots so hart gefeiert, ich bin erst irgendwann wieder aufgewacht“, blickt der hart gesottene Puerto Ricaner, der bei Minusgraden im kurzen Giants-Leiberl aufgedreht an seiner Zigarette raucht, zurück.

Am Sonntag will Victor, dass sich die Geschichte wiederholt. Das wäre auch ganz im Sinne der New Yorker Medien. Zumindest was den Boulevard betrifft. Seit Tag eins nach den Conference-Finali rauscht es nur so im riesigen Blätterwald.

Jeden Tag gibt es acht bis zehn Seiten Kampfberichterstattung pur. New York gegen Boston bietet aufgrund der Geschichte auch genügend Brisanz (Hier geht’s zur Story).

Nebenbei wird auch schon über die Super Bowl XLVIII und die großen Herausforderungen für die Veranstalter berichtet. Das Endspiel 2014 findet dann in New Jersey statt und damit erstmals in einem Kaltwetter-Ort mit einem Stadion ohne Dach.

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Nicht auszumalen, was der Blätterwald erst dann von sich geben würde, sollten die Giants auf ihren Stadtrivalen Jets treffen…

Nicht alle New Yorker happy mit Super Bowl

Zukunftsmusik. Die Realität heißt Indianapolis sowie die New England Patriots zu schlagen und alle Bürger von NYC, das die Stadt mit den meisten Major-Titeln ist, stolz zu machen.

Wirklich alle? Das dann auch nicht. Denn eben für die Fans der Jets wäre der vierte Super-Bowl-Gewinn des Stadtrivalen ein weiterer Stich ins Herz.  Nicht nur, weil die „Gang Green“ bei einem Titel hält. Auch weil seit Jahrzehnten das Stadion geteilt wird, seit 2010 auch das neue in den New Meadowlands.

Dafür müssen die Anhänger in den ganz sauren Apfel beißen und sogar zum eigentlichen Rivalen helfen. Die Patriots sind für die Jets der große Konkurrent in der AFC East.

„Diese Super Bowl ist für einen Jets-Fan der größte Albtraum. Ich hasse es zu sagen, aber ich muss New England unterstützen. Denn wenn die Giants gewinnen, dann wäre es wieder wie im alten Stadion, wo wir als zweitklassiger Bürger Miete zahlen“, meint etwa Ken.

Die Jets-Fans, die die beiden vergangenen Jahre kurz vor dem Super-Bowl-Einzug enttäuscht wurden, sind an diesem Wochenende kaum zu sehen. „Big Blue“ steht wieder einmal im Vordergrund. Und letztlich auch New York.

Eine der stolzesten Städte der Welt, deren Bürger einmal mehr stolz gemacht werden wollen.

 

Aus New York berichtet Bernhard Kastler

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