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Football

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Die Verlierer unter den Verlierern

Wien, 23.01.2012, 15:33 Uhr
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Es sind Geschichten wie diese, aus denen eines Tages die Legenden der „Hättiwaris“ gesponnen werden.

„Kannst du dich erinnern? Hätte damals der X nicht Y gemacht, dann hätten wir ganz bestimmt…“

Solche Mister X gab es in den beiden Championship Games der NFL in diesem Jahr gleich deren drei.

Ein Trio, das mit seinen Fehlern – womöglich - den Einzug ihres Teams in die Super Bowl im Alleingang verhindert hat. Ein Trio, das den größten Traum eines jeden Footballers platzen und ihre Fans in tiefe Tristesse verfallen ließ.

Wieder einmal zeigte sich, wie eng Sieg und Niederlage im Sport zusammenliegen. Wo strahlende Helden, da auch klägliche Versager.

Da die beiden Gewinner, die New York Giants und die New England Patriots, bis zur Super Bowl XLVI am 5. Februar in Indianapolis ohnehin noch genügend Schlagzeilen schreiben werden, widmet sich LAOLA1 noch einmal den Verlierern unter den Verlierern: Kyle Williams, Billy Cundiff und Lee Evans.

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KYLE WILLIAMS (San Francisco 49ers)

Minuten nach der bitteren 17:20-Overtime-Pleite der San Francisco 49ers gegen die Giants hallte der alte Klassiker „Don’t stop believin‘“ von Journey durch die Lautsprecher des Candlestick Parks. In jener altehrwürdigen Arena, in der gut eine Woche zuvor nach dem epischen Triumph gegen New Orleans noch so viele Freudentränen geflossen waren, regierten diesmal Frust, Niedergeschlagenheit und Fassungslosigkeit. Auf diese Art und Weise zu scheitern – das konnte in der Tat kaum jemand glauben. Der Song der in San Francisco gegründeten Band erschien übrigens 1981 wenige Woche vor dem allerersten Super-Bowl-Triumph der 49ers. Darin heißt es: „Payin‘ anything to roll the dice just one more time. Some will win, some will lose. Some are born to sing the blues.“

Niners-Returner Kyle Williams hatte erstens an diesem bittersten Abend seiner noch jungen Karriere sicher den Blues und hätte zweitens sicher einiges springen lassen, damit in diesem NFC-Finale die Würfel noch einmal rollen. Denn mit seinen beiden Fumbles ebnete er dem Kontrahenten aus New York den Weg zum Sieg. Kann der letztlich spielentscheidende Ballverlust in der Overtime jederzeit passieren, fiel jener im vierten Viertel unter die Kategorie schwer verzeihlicher Anfängerfehler. Wäre er weit genug vom Ball weggeblieben, hätte dieser nicht sein Knie berührt, und es wäre genau gar nichts passiert. So nutzten die Giants ihre gute Feldposition und erzielten einen Touchdown. Im Prinzip resultierten zehn der 20 New Yorker Punkte aus Williams‘ Patzern. Der erst 23-Jährige ging mit der „Erfahrung“ von erst sechs NFL-Punt-Returns in dieses wichtigste 49ers-Match seit einer Ewigkeit, er musste für den verletzten Ted Ginn einspringen.

Während einige Fans jegliche Grenze des Anstands und der Moral sprengten und Williams via Twitter gar Morddrohungen zukommen ließen, stellte sich der Sündenbock tapfer den Medien: „Es war eine dieser Situationen, die den denkbar schlechtesten Ausgang nehmen. Es ist hart derjenige zu sein, wegen dem ein Spiel mit dieser immensen Bedeutung so endet.“ Seine Mitspieler nahmen den Youngster indes in Schutz. Quarterback Alex Smith gab viel mehr sich selbst und seiner ineffektiven Offense die Schuld am Ausscheiden. „Er tut mir wahnsinnig Leid. Er ist noch jung in der Liga, und das wird der Spielzug sein, mit dem ihn viele Leute verbinden. Wir müssen ihm jetzt viel Zuwendung geben. Die Niederlage ist nicht sein Fehler. Es war nur ein Spielzug von vielen“, versuchte Safety Donte Whitner tröstende Worte zu finden. Mit Tackle Joe Staley ergänzte einer der Teamleader: „Ich fühle mich schlecht für ihn, weil er ein großartiger Mitspieler ist. Wir haben heute alle Spielzüge abgeliefert, die wir gerne zurückhätten.“ Zu spät, die Würfel sind auf die New York Giants gefallen.

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BILLY CUNDIFF (Baltimore Ravens)

Wer in den Minuten nach der 20:23-Niederlage der Baltimore Ravens bei den New England Patriots auf der Facebook-Seite von Billy Cundiff vorbeischaute, erlebte ein wahres „Posting-Inferno“. Im Sekundentakt wurden zahlreiche Nachrichten auf seiner Pinnwand platziert – mal dankbar-freundlich (meist Patriots-Fans), mal hämisch (auch meist Patriots-Fans), mal wütend-verzweifelt (meist Ravens-Fans), bisweilen auch Mut zusprechend (meist neutrale Beobachter plus einige Ravens-Fans). Die Zahl seiner „Fans“ stieg jedenfalls binnen kürzester Zeit von rund 2500 auf über 8000. Wer derartige Emotionen hervorruft, muss ein ganz besonderes Kunststück vollbracht haben – aus seiner Sicht leider ein denkbar negatives. In einem Championship Game wenige Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit beim Stand von 20:23 ein Field Goal aus 32 Yards zu verkicken, fällt angesichts der Bedeutung der Begegnung unter die Kategorie Super-GAU. „Es ist ein Kick, den ich in meiner Karriere wahrscheinlich schon 1000 Mal gemacht habe. Diesmal habe ich ihn nicht verwertet“, meinte Cundiff zerknirscht.

Die Position des Kickers kann bekanntlich undankbar sein. Trifft man, ist es normal. Begeht man den spielentscheidenden Fehler, ist man der Buhmann schlechthin. Cundiff reiht sich nahtlos in die Reihe der zahlreichen Opfer ihrer eigenen Nerven ein, die bis heute vom „Gottvater aller Kicker-Versager“ angeführt wird: Buffalos Scott Norwood scheiterte 1991 in der Super-Bowl gegen die Giants beim Spielstand von 19:20 acht Sekunden vor dem Spielende. Die Bills warten bis heute auf eine Vince-Lombardi-Trophy, der ob dieses groben Missgeschicks auf Lebzeiten mit Häme bedachte Norwood leidet immer noch unter den Folgen seines Blackouts.

So schlimm wird es für Cundiff hoffentlich nicht werden. Head Coach John Harbaugh hat ihm schon Mut zugesprochen („Ich habe ihm gesagt, es geht ok. Er ist ein großartiger Kicker, jeder hat mal einen schweren Moment“), Ravens-Legende Ray Lewis verstieg sich in der Kabine gar zu einer wahren Brandrede, um den 31-Jährigen zu verteidigen. Dass er den bereits 36-jährigen Chef des Teams enttäuscht hat, setzte Cundiff merklich zu: „Ich denke, bis zu diesem Punkt habe ich den Jungs viele Gründe gegeben, an mich zu glauben. Die größte Enttäuschung ist, dass ich meine Kollegen im Stich gelassen habe. Es ist ein Team-Sport. Ray gibt sein Letztes, er ist im Herbst seiner Karriere, er hat nicht mehr viele Jahre zu spielen. Ihn hängen zu lassen, ist extrem hart.“

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LEE EVANS (Baltimore Ravens)

Cundiff muss als Symbolfigur von Baltimores Pleite herhalten, dabei hätte er die Ravens eigentlich nur in die Verlängerung kicken können. Nur wenige Sekunden davor hatte Lee Evans indes schon den Sieg der „Raben“ in Händen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der 30-Jährige fing einen schönen Pass von Quarterback Joe Flacco in der Endzone, konnte den Ball jedoch nicht lange genug kontrollieren, schließlich wurde er ihm von Patriots-Cornerback Sterling Moore noch aus der Hand geschlagen. Kann der Wide Receiver das Spielgerät festhalten, steht es 27:23 und New England hätte nur noch ein mittleres Brady-Wunder retten können. Evans, einst in Buffalo phasenweise ein 1000-Yard-Receiver, aber in Baltimore seit seiner Verpflichtung vor dieser Saison nicht wirklich ein Faktor, wusste genau, was er angestellt hatte: „Das war unsere Möglichkeit, zur Super Bowl zu fahren, und ich habe es vermasselt.“

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ihn diese Erkenntnis ein Leben lang begleiten wird. Der perfekte Zündstoff für eine „Hättiwari-Legende“…

Peter Altmann

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