Kraft mit perfektem Timing und einem Wunsch

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Der Zeitpunkt hätte günstiger nicht sein können.

Stefan Kraft, in dieser Saison oft nah dran am Stockerl, am Ende aber immer daran vorbei gesprungen, schaffte ausgerechnet bei der Heim-Skiflug-Weltmeisterschaft am Kulm vor 25.000 begeisterten Fans die Premiere.

Hinter Weltmeister Peter Prevc (SLO), der mit 244 m erneut den Schanzenrekord einstellte, und dem Norweger Kenneth Gangnes landete der Salzburger auf dem dritten Platz und gewann - wie im Vorjahr bei der Nordischen WM in Falun - die Bronzemedaille.

Kraft: "Es ist ein Traum"

„Es ist ein Traum“, schwärmte der 22-Jährige, der in der laufenden Saison bereits dreimal mit dem undankbaren vierten Platz vorlieb nehmen musste. „Ich bin sehr, sehr glücklich, dass es jetzt passiert“, freute sich der Tournee-Sieger der letzten Saison über das perfekte Timing. „Daheim ist das etwas ganz Besonderes.“

Die Absage des vierten Durchganges aufgrund des immer stärker werdenden Windes tat der Freude bei allen drei Medaillengewinnern keinen Abbruch, kristallisierten sie sich doch klar als stärkstes Trio heraus. Der viertplatzierte Johann Andre Forfang, der bei 240 Metern stürzte und um seinen Einsatz am Sonntag bangt, hatte 27,2 Punkte Rückstand auf Edelmetall.

Kuttin ist erleichtert 

Auch ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin war die Erleichterung nach dem Gewinn der Bronzemedaille anzusehen. „Es war unglaublich“, sprach er die außergewöhnliche Qualität der Top-Springer an. Dabei hatte er beim Flug von Kraft zunächst große Zweifel. „Als er wegfuhr, habe ich am Funk gesagt, er hat überhaupt keine Chance.“

Kraft zog es allerdings knallhart durch und wurde dafür belohnt - der herrschende Seitenwind konnte ihm nichts anhaben.

Damit fällt auch eine gehörige Portion Last von den Schultern des rot-weiß-roten Teams, das eine Medaille als Ziel ausgab. „Wir wussten, dass dieses Ziel sehr hoch ist. Jetzt haben wir es erreicht, das tut uns allen gut und gibt Selbstvertrauen“, blickte Kuttin bereits der Teamkonkurrenz am Sonntag entgegen.

Fettner bleibt im Team

Dort geht der ÖSV mit demselben Quartett an den Start wie in den letzten Tagen. Heinz Kuttin zog zunächst in Erwägung, Philipp Aschenwald ins Aufgebot zu berufen, nach Rücksprache mit seinen Co-Trainern Alexander Diess und Andreas Widhölzl nahm er von dieser Idee wieder Abstand.

So wird Kraft als Startspringer ins Rennen gehen, gefolgt von Manuel Poppinger, Manuel Fettner und Schlussspringer Michael HayböckDabei kristallisierte sich ein Sorgenkind heraus, das der Kärntner klar ansprach. „Wir hatten heute drei Super-Leute, Fetti müssen wir mitziehen.“

Mit wem sich die Österreicher möglicherweise um eine Medaille matchen, ist ihm dabei völlig egal. Norwegen scheint aber außer Reichweite, auch die Slowenen präsentierten sich mannschaftlich außerordentlich stark.

Kraft war sich dessen bewusst und gab zu Protokoll, dass diese beiden Nationen „ganz schwer zu biegen“ sein würden. „Wir springen um Silber und Bronze mit. Vielleicht werden wir ja ein Ländermatch mit Deutschland haben, das wäre cool. Wir sind bereit!“

Christoph Nister

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