Kraft: "Der ganze Skisprung-Zirkus flippt aus"

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Stefan Kraft setzte mit seinem Weltrekordflug auf 253,5 m in Vikersund den nächsten Meilensten in seiner Karriere. 

Nach dem Adrenalin-Schub gab es für den Doppel-Weltmeister Gratulationen und Schulterklopfer im Überschuss. "Ich habe mir gar nicht gedacht, dass es da so rund geht, wenn man Weltrekord fliegt. Es ist ein Rummel und jeder freut sich mit einem mit. Der ganze Springer-Zirkus flippt aus", sagt Kraft, der noch nie zuvor einen Weltrekord-Flug live miterlebt hatte.

Im Interview mit der APA spricht der 23-Jährige außerdem über seine Gefühle bei seinem 253,5-m-Rekordflug, wo er diesen Erfolg einordnet und auch über die vermeintliche Berührung mit seinem Gesäß bei der Landung.

Frage: Beschreiben Sie das Gefühl, als Sie heute sozusagen schon in die Ebene geflogen sind.

Stefan Kraft: Schwierig, nach so einem Flug ist man total aus dem Häuschen. Da bekommt man einen vollen Adrenalinstoß und man muss sich dann mal hinsetzen. Echt voll geil. Während des Fluges habe ich mir gedacht, als ich oben rausgehüpft bin, dass der sehr gut war. Ab 100, 150 m checkst du dann, dass es richtig dahin geht und da habe ich gewusst, das ist jetzt meine Chance: Wenn ich den stehe, dann habe ich Weltrekord. Dann denkst nur noch: 'Den muss ich jetzt stehen, stehen, stehen!

Frage: Sie haben gesagt, nach so einem Sprung muss man sich hinsetzen. Fast hätten Sie sich ja schon bei der Landung hingesetzt. Wie war es jetzt wirklich, haben Sie touchiert?

Kraft: Ich habe gemerkt, dass ich etwas berührt habe und ich glaube, dass es der Ski war, weil der Anzug war komplett trocken und nirgends nass. Ich habe extra geschaut, dass ich sehr schmal hinhupfe.

Frage: Hat es einen besonderen Mut erfordert, das so durchzuziehen, oder ist man es schon so gewöhnt, dass man an die Grenzen geht?

Kraft: Ja, man muss sich schon überwinden, dass man vorne bleibt, bis unten Spannung macht und Maciej Kot zum Beispiel hätte wahrscheinlich auch die Chance gehabt und der hat ein bisserl nachgegeben und war dann 244 m weit. Die meisten bleiben sicher voll drauf, aber wenn du einen Reflex hast, dass du aufmachst, kann man auch keinem böse sein.

Frage: Der gesamte Bewerb war besonders hochklassig. Was sagen Sie zu dem Niveau dieses Skifliegens?

Kraft: Ja, ich habe schon gesagt, dass war glaube ich das coolste Skifliegen, das ich jemals gesehen habe und bei dem ich überhaupt dabei war. So viele weite Flüge und doch alles unter Kontrolle von der Jury, dann als wir noch einmal neu gestartet sind.

Frage: Wie ordnen Sie den Skiflug-Weltrekord in ihrer Karriere und ihrer tollen Saison ein?

Kraft: Es ist schwer zu sagen. Alles hat seine eigenen Emotionen. Der Vierschanzentournee-Sieg, Doppel-Weltmeister und Weltrekord. Ich habe mir gar nicht gedacht, dass es da so rund geht, wenn man Weltrekord fliegt. 

Frage: Nachdem immer weiter geflogen wird: Glauben Sie, dass es tatsächlich auch noch einmal in Richtung 300 m gehen könnte?

Kraft: Schwierig, aber wenn man die richtigen Schanzen dazu hat. Ich würde mir nichts denken, wenn du da noch 20, 30 Meter weiter fliegen würdest. Ich glaube nicht, dass das nicht möglich wäre. Da werden sich die Architekten langsam herantasten (lacht).

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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