"So hat es bei den Superadlern auch angefangen"

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„Gerade bei den Mädls waren wirklich ein paar Talente dabei.“

Daniela Iraschko-Stolz machte sich beim Finale des Superadler-Schulwettbewerbs gemeinsam mit Thomas Morgenstern auf die Suche nach den Überfliegern von morgen.

Ob jemand die Anlagen für eine Profi-Karriere hat, erkennt Österreichs beste Skispringerin auf den ersten Blick. „Wenn man Talent hat, macht man gewisse Bewegungen automatisch richtig, man vertraut auf seinen Instinkt. Das ist beim Skispringen wichtig. Man ist vor allem in der Luft den Kräften ausgesetzt und wenn du da Probleme bekommst und nicht instinktiv das richtige machst, geht es meistens nicht gut aus“, erklärt die Steirerin, seit 1995 Skispringerin.

Ihr Talent wollte anfangs niemand so recht fördern, sie musste für ihren Traum vom Skispringen einiges an Überzeugungsarbeit leisten. 

„Ich wollte das schon immer machen, aber es hat immer geheißen, das dürfen nur Burschen. Dann habe ich Fußball gespielt, das durfte ich aber auch nur bis zu einem gewissen Alter. Ich bin dann in die Skihauptschule gegangen und habe fest darum gebettelt, dass ich Skispringen darf“, erzählt die 32-Jährige, die in Eisenerz „mit einer Schanze vor der Haustüre“ aufgewachsen ist, gegenüber LAOLA1.

„Dann hat es Gott sei Dank geklappt und alle waren hellauf begeistert von mir. Als sie gesehen haben, dass ich es gut mache und Talent habe, hatte ich nur noch Fans…“, grinst Iraschko-Stolz. Heute ist sie das Aushängeschild schlechthin im österreichischen Damen-Skispringen und somit auch Vorbild für den Nachwuchs.

"Gerade in der heutigen Zeit ist Sport einer der wenigen Bereiche, in denen es funktioniert, dass verschiedene Nationen in einem normalen Umgang miteinander leben."

„Mir ist meine Vorbildfunktion sehr wichtig. Gerade in der heutigen Zeit ist Sport einer der wenigen Bereiche, in denen es funktioniert, dass verschiedene Nationen in einem normalen Umgang miteinander leben. Beim Sport lernt man fürs Leben. Man muss sich an Regeln halten und sich in gewissen Spielräumen bewegen. Witzigerweise verstehen das im Sport viel mehr Menschen als im normalen Leben.“

Umso wichtiger sei es, Kinder zum Sport zu bringen. Im Gegensatz zu damals, als Iraschko-Stolz ihre ersten Sprünge wagte, ist es für junge Mädchen heute wesentlich einfacher, Skispringerin zu werden.

Die gleichen Möglichkeiten wie Männer

„Wenn man seine Leistung bringt, stehen einem alle Möglichkeiten offen. Es gibt viele Schulen, die Skispringen anbieten, danach kann man zur Polizei oder zum Zoll gehen. Wir haben in Österreich die gleichen Möglichkeiten wie die Herren“, versichert die Gesamtweltcupsiegerin.

Sie und ihre Teamkolleginnen präsentierten sich in der abgelaufenen Saison mannschaftlich stark, auch wenn die große Kristallkugel, die Iraschko-Stolz im Vorjahr erstmals gewinnen konnte, an die Japanerin Sara Takanashi verloren ging. Dennoch zeigte das Team von ÖSV-Chefcoach Andreas Felder mit insgesamt 17 Podestplätzen ordentlich auf.

"Bevor es die „Superadler“ gab, haben die Männer auch nur Insider gekannt.“

"Wir haben ein starkes Team, sind erfolgreich und auch immer mehr in den Medien", begrüßt Iraschko-Stolz das steigende Interesse am Damen-Skispringen. "So hat es auch bei den Burschen angefangen. Bevor es die "Superadler" gab, haben die Männer auch nur Insider gekannt."

Trotz der guten Ergebnisse und dem Aufschwung im Team ortet Iraschko-Stolz für den kommenden Winter Verbesserungspotenzial. "Es hat jeder von uns ein wenig zu kämpfen gehabt. In dieser Saison war der Rückstand auf Sara schon am Anfang groß, da sind alle ein bisschen nervös geworden", erzählt die 32-Jährige.

Sie selbst hatte im Herbst mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, auch die Materialumstellung bereitete der Steirerin Schwierigkeiten. "Bei mir ist es am Anfang der Saison eigentlich überhaupt nicht gelaufen. Die Umstellung bei den Schuhen hat mir schon getaugt, aber ich hatte einfach nicht dieses spezielle Feeling. Ich bin gut skigesprungen, aber ich habe es einfach nicht so gespürt", erklärt Iraschko-Stolz, die auch Fehler in der Vorbereitung einräumt.

"Genießen, so lange es noch geht"

"Ich darf nicht so spät mit dem Training anfangen und dann so viele Sprünge in kurzer Zeit machen. Das hat mir Schmerzen im Knie bereitet", so die Blondine, die sich 2013 bei einem Sturz das Kreuzband sowie beide Menisken im linken Knie riss.

"Im Großen und Ganzen wird es vom Knie her aber besser als schlechter. Aber in Oslo hatte ich z.B. Glück, da habe ich echt eine blöde Landung hingelegt und es hätte wieder etwas kaputt sein können. Dann ist es in meinem Fall wahrscheinlich vorbei mit der Karriere. Deshalb genieße ich es, solange es noch geht", sagt Iraschko-Stolz.

In der warmen Jahreszeit spielt neben dem Skispringen auch der Fußball eine große Rolle im Leben der Steirerin. "Das befreit mich im Kopf und ich bekomme so Abstand zum Skispringen. Das hat nebenbei immer super funktioniert und daher werde ich auch nichts ändern, was das betrifft."

Angriff auf den Roboter

Solange es die Gesundheit noch zulässt, will die Silbermedaillen-Gewinnerin von Sotschi 2014 aber weiter auf höchstem Niveau Skispringen. In der kommenden Saison lautet das Motto daher: Voller Angriff auf Sara Takanashi. "Ich denke schon, dass sie zu schlagen ist. Wenn sie Druck spürt, macht sie Fehler", weiß die Österreicherin.

"Bei Sara ist heuer einfach alles zusammengelaufen. Sie ist sehr gut gesprungen und das Material hat auch gepasst, ähnlich wie bei Peter Prevc. Die beiden haben einen extremen Sprungstil und haben etwas die Technik verändert, da gilt es nun wieder aufzuholen", sagt Iraschko-Stolz.

Leicht dürfte es die Japanerin dem Rest der Springerinnen aber auch in der kommenden Saison nicht machen. "Sara investiert so viel in den Sport. Sie ist ein Roboter. Sie streitet es zwar vehement ab und behauptet, sie ist ein Mensch, aber sie ist ein Roboter", meint Iraschko-Stolz mit einem Lächeln.

Daniela Kulovits

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