ÖSV kontert Kritik an WM 2013 mit Studie

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Nach der vernichtenden Kritik des Rechnungshofes an den knapp 250 Millionen Euro hohen Subventionen für die Ski-WM 2013 in Schladming versucht sich der ÖSV nun mit einer selbst in Auftrag gegebenen Studie zu rechtfertigen.

Diese erklärt, dass sich die jährliche Wertschöpfung aus dem Winter-Tourismus in Österreich auf rund 23 Mrd. beläuft. Darüber hinaus kommt sie zu dem Schluss, dass ohne den ÖSV in seiner jetzigen Form dies um 880 Mio. Euro weniger wären.

Konkret geht es um mehr als 65 Millionen Wintersportnächtigungen im Jahr und um hohe Milliardeneinnahmen. Das wäre nicht so viel, gäbe es den ÖSV nicht, schlussfolgert die vom ÖSV bezahlte Studie.

Der Rechnungshof hatte die Ski-WM-Schladming 2013 als zu teuer kritisiert. Damals wurden insgesamt mehr als 400 Mio. Euro dafür ausgegeben.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel ist immer noch empört über die Kritik. Das Geld habe ja nicht der Skiverband bekommen. Gleiches gelte auch für andere Investitionen: "Wenn man eine Schanze baut, ist das keine Förderung des Skiverbands", sagte er am Donnerstag. Und im übrigen sei der Beitrag, den der ÖSV pro Jahr für die Wirtschaft in Österreich leiste, doppelt so hoch wie die Summen, die in Schladming investiert worden seien.

"Offensichtlich vorteilhaft Verwendung"

Die von steiner+partner unter Univ.Prof Michael Steiner erstellte und am Donnerstag in Wien vorgelegte Studie gibt einen Abriss der volkswirtschaftlichen Effekte der touristischen Wintersaison und des Skisports ganz allgemein - und zur "wirtschaftlichen Seite des ÖSV" im besonderen.

Eine der Fragestellungen: Mit welchen Verlusten wäre zu rechnen, wenn es den ÖSV nicht gäbe? Eine weitere: Sind die öffentlichen Gelder in den ÖSV in volkswirtschaftlicher Hinsicht gut investiert?

Das Ergebnis: Wäre der ÖSV so nicht da, ginge die Wertschöpfung um 880 Mio. Euro pro Jahr zurück, schreiben die Autoren. Und wörtlich: "Das bedeutet für die von der öffentlichen Hand getragenen Kosten (als Investitionen in die Effektivität des ÖSV) eine offensichtlich vorteilhafte Verwendung öffentlicher Budgetmittel." Die Rückflüsse aus solchen Förderungen "übertreffen noch im laufenden Jahr die getätigten Ausgaben."

"Expertengespräche" als Quelle

Schröcksnadel beziffert die jährlichen Subventionen für den ÖSV mit 5 Prozent des Budgets von 60 Mio. Euro. Das seien maximal 3 Mio. Euro. Kolportierte mittlere zweistellige Millionensummen nennt er "Schwachsinn". Der ÖSV sei zu 95 Prozent eigenfinanziert. "Wir sind froh über die fünf Prozent vom Bund", sagte er. "Aber wir sind nicht abhängig."

Mehr als 300 internationale Wettkämpfe veranstaltet der ÖSV in Österreich pro Jahr. Am bekanntesten sind die alpinen Weltcuprennen. Man setzt auf Werbewirksamkeit der Spitzensportler, Weltcup- und Skiflugbewerbe, TV-Übertragungen, Printmedienreportagen, Werbung und Sponsoren. Ein gutes Drittel des Jahres wird in allen Medien ausführlich über die Skisportler berichtet.

In der Studie werden "Expertengespräche" als Quelle angeführt, wonach der auf die ÖSV-Aktivitäten zurückführende Werbeeffekt für die Wintersportdestination Österreich in einer Bandbreite von 1 bis 7 Prozent des Nächtigungsvolumens eingeschätzt werde. Wäre der ÖSV "weniger effektiv" als er es sei, würden weniger Leute Wintersport betreiben, schreiben die Autoren.

Für ausländische Gäste wichtig

"Ein solcher Rückgang wäre mit rund 2 Prozent der Nächtigungen von inländischen Wintersportgästen zu veranschlagen", hat steiner+partner mithilfe der Synthesis-Datenbank ausgerechnet. Auf Basis der Zahlen der Wintersaison 2012/13 hätte es 300.000 weniger Inländer-Übernachtungen gegeben.

Noch deutlicher würde die Lücke bei ausländischen Wintertouristen klaffen: Mit Blick auf die Destinationsentscheidung von ausländischen Gästen "wäre der Effekt mit 6 Prozent der Nächtigungen dieses Personenkreises zu veranschlagen", hier gäbe es demnach 3 Millionen Nächtigungen weniger.

In Summe "gingen der österreichischen Tourismusbranche rund 3,3 Millionen Nächtigungen verloren."

Zusätzliche Nutzen

Ein Rückgang der Wertschöpfung würde auch viele Jobs kosten: Und zwar laut Studie rechnerisch 15.600 ganzjährige Vollzeitstellen. Nach Köpfen fänden - weil viele in Teilzeit bzw. auf Saison arbeiten - doppelt bis dreimal so viele arbeitsuchende Menschen keine Beschäftigung.

Ein Großteil träfe Hotels und Gastgewerbe und Nahversorger, aber auch Baufirmen und Transportwirtschaft (Lifte, Seilbahnen, Busse etc). Für Betroffene rechnet die Studie damit Einkommensverluste von 317 Mio. Euro im Jahr hoch.

Der Wintersport sei Hauptquelle einer "Kernsaison" der Tourismuswirtschaft, heißt es in der vom ÖSV in Auftrag gegebenen Studie vom heurigen Oktober. Er sei aber kein Selbstläufer, sondern brauche weiter Impulse. Selbst der Sommertourismus in den Alpen baue auf die Infrastruktur vom Wintersport auf, werde damit "quersubventioniert".

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