Vonn: "Ich habe alle eines Besseren belehrt"

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Die letzte Mohikanerin.

Nach Anna Fenningers Verletzung und Tina Mazes Auszeit ist Lindsey Vonn der einzig verbliebene Superstar des Damen-Skizirkus.

Dementsprechend groß ist der Rummel um die „Grande Dame“. Auch beim Weltcup-Auftakt in Sölden, wo ihre Entscheidung, ob sie beim Saison-Start antritt oder nicht, mit Spannung erwartet wurde.

Zu eisig für das erste Rennen

Schließlich verkündete die US-Amerikanerin, zwei Monate nach ihrem im August erlittenen Knöchelbruch am Rettenbachferner nicht an den Start zu gehen. „Es war ein tolles Gefühl, zurück auf Schnee zu sein. Ich bin frei gefahren und habe in den Toren trainiert. Es war nichts angeschwollen und hat nicht weh getan“, beschreibt sie das erste Schnee-Training nach der Verletzungspause.

Die pickelharte Piste habe aber gegen ein Antreten gesprochen: „Die eisigen Bedingungen auf dem Hang kombiniert mit der Tatsache, dass der Knöchelbruch erst zehn Wochen zurückliegt, waren ausschlaggebend. Wenn die Verhältnisse anders gewesen wären, hätte meine Entscheidung vermutlich anders ausgesehen.“

„Zudem ist es klüger, wenn ich im Stadium meiner Karriere auf Nummer sicher gehe“, fügt sie mit einem Augenzwinkern an.

„Habe sie eines Besseren belehrt“

Dass sie so kurz nach der Fraktur überhaupt zurück auf Schnee sein würde, habe ihr niemand zugetraut. „Meine Ärzte hätten nicht gedacht, dass ich es so schnell zurückschaffen würde“, so Vonn. „Natürlich habe ich sie eines Besseren belehrt, wie fast immer. Spaß beiseite, ich habe wirklich hart gearbeitet.“

Sogar mit Schiene am Bein schwitzte sie beim Krafttraining. Gar nicht immer leicht, die passenden Übungen zu finden. „Ich musste kreativ sein – weil ich zwar vieles machen konnte, aber nicht alles. Ich konnte zum Beispiel nicht springen, ich habe aber mit meiner Physiotherapeutin Wege gefunden. Ich bin in starker Verfassung.“

Wie stehen die Chancen auf die große Kugel?

Wie stark sie wirklich ist, wird sich beim Riesentorlauf in Aspen Ende November zeigen. Dann steigt die zweifache Weltmeisterin in den Weltcup ein.

Auswirkungen auf den Kampf um den Gesamtweltcup befürchtet sie auch nach dem automatischen „Nuller“ in Sölden nicht. „Ich will den Abfahrts- und Super-G-Titel verteidigen. Es wäre cool, wenn ich zudem noch die kleine Kugel für die Super-Kombination holen könnte“, nennt Vonn ihre Saisonziele.

„Auch im Gesamtweltcup habe ich eine gute Chance. Ich will einfach so viele Rennen wie möglich gewinnen, wie jede andere Läuferin. Am besten alle Rennen. Dazu will ich immer Spaß haben, egal ob ich gewinne oder verliere. Ich kann mich glücklich schätzen, das zu tun, was ich liebe. Ich werde jedenfalls alles geben, hoffentlich macht mein Sprunggelenk keine Probleme.“

„Ich warte auf Anna“

In der Tat sollte sie im Kampf um die große Kugel gute Chancen haben. Mit Tina Maze und Anna Fenninger fehlen die zwei bestimmenden Läuferinnen der letzten beiden Saisonen.

Die Verletzung der Österreicherin habe selbst eine gestandene Fahrerin wie Vonn mitgenommen: „Es ist wirklich schade, dass sie sich so knapp vor der Saison so schwer verletzt hat. Nicht nur für sie, sondern für den Skisport. Sie ist ein großer Star und hatte in den letzten Jahren viel Erfolg.“

Es ist frustrierend. Ich weiß aber, dass sie eine Kämpferin ist. Sie ist so eine starke Frau, sie wird zurückkommen. Ich warte auf sie.

Vonn über Fenninger

An ein Karriereende der Salzburgerin glaubt die Olympiasiegerin von Vancouver 2010 keinesfalls. „Ich kenne das Gefühl, bei mir ist es vor den Olympischen Spielen in Sotschi passiert. Es ist frustrierend. Ich weiß aber, dass sie eine Kämpferin ist. Sie ist so eine starke Frau, sie wird zurückkommen. Ich warte auf sie“, macht sie Fenninger Mut.

Jedes Hindernis überwinden

Vonn weiß, wovon sie spricht. Verletzungen haben sie ihre ganze Karriere lang begleitet. Ans Aufgeben dachte sie aber nie.

Auch nicht, nachdem sie sich im August beim Sommertraining in Neuseeland den Knöchelbruch zuzog. „Wann immer sich mir Hindernisse in den Weg stellen, will ich sie überwinden. Das mache ich irrsinnig gerne“, untermauert sie ihr Kämpferherz.

Beweisen müsste sie jedoch niemandem etwas. Mit 67 Weltcupsiegen hält sie den Rekord als erfolgreichste Skifahrerin der Geschichte. 19 Weltcup-Kugeln sind ebenfalls absolute Bestmarke.

„Saison ohne Großereignis ist leichter“

Warum lehnt sich Vonn also nicht einfach zurück und genießt das Leben? Ganz einfach: Es ist die Liebe zum Skisport, die sie nach wie vor in den Bann zieht: „Ich liebe alles am Skifahren. Ich strahle bis über beide Ohren, wenn ich am Berg bin. Ich mache das, seit ich zweieinhalb Jahre alt bin. Es wird niemals fad, ich will einfach Gas geben. Die Leidenschaft ist nach wie vor ungebrochen.“

Aus „ihrer“ Generation sind nicht mehr viele Läuferinnen im Weltcup unterwegs. Im Sommer beendeten wieder einmal mehrere Athletinnen ihre Karrieren. Oftmals wurde als Grund der fehlende Großevent in der kürzlich begonnenen Saison genannt.

Für die US-Amerikanerin kein Grund, die Ski in den Keller zu stellen – auch wenn sie zugibt, dass eine Saison ohne Großereignis „ein bisschen leichter“ sei: „Die Saison ist etwas lockerer, du bekommst immer die nächste Möglichkeit, zu gewinnen. Hoffentlich kann ich ein paar Titel holen.“

Es wirkt also so, als würde Vonn noch lange nicht an ein baldiges Karriere-Ende denken. Somit wird sie wohl noch für einige Zeit die "Grande Dame" des Damen-Skisports bleiben.

 

Matthias Nemetz

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