Puelacher: "Habe ich etwas falsch gemacht?"

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"Ich bin jetzt 27 Jahre Trainer. Habe ich was falsch gemacht? Ich weiß es nicht."

Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher rätselt nach den neuerlichen Ausfällen in Kitzbühel über die Ursachen für die Verletzungsserie im ÖSV. 

"Aber ich finde keine Struktur in den Verletzungen. Wenn man sagt, alle reißen sich das Kreuzband, weil wir zu tief in der Position sind. Dann sage ich: Hallo, haben wir skitechnisch irgendetwas übersehen."

Die ÖSV-Herren mussten in dieser Saison bereits acht Ausfälle hinnehmen.

Fahrer Verletzung
Matthias Mayer (sechster und siebenter Brustwirbel gebrochen)
Max Franz (Verletzungen am linken Hand-, Knie- und Sprunggelenk)
Georg Streitberger (Kreuzband-, Innenband- und Seitenbandriss)
Florian Scheiber (Kreuzbandriss)
Joachim Puchner (Patellasehnenverletzung)
Thomas Mayrpeter (Kreuzbandriss)
Markus Dürager (Schien- und Wadenbeinbruch)
Daniel Danklmaier (Kreuzbandriss, Meniskusverletzungen)

Fast täglich musste er in Kitzbühel Rennläufern beim Stürzen und Verletzen zusehen, in der Reihenfolge Max Franz, Florian Scheiber, Georg Streitberger und Hannes Reichelt.

Vielleicht müsse man die Trainer austauschen, versuchte es Puelacher mit Galgenhumor. Auf die Frage, wie schmerzvoll der Blick auf die Kaderliste sei, meinte er geknickt. "Haben wir noch eine? Wenigstens braucht ihr jetzt nicht mehr spekulieren, wen wir aufstellen. Auf unserer Liste stehen fast nur noch Trainer oben. Und da fehlt auch schon einer", verwies er auf Speed-Coach Martin Sprenger, der sich ebenfalls in Kitzbühel Bänderrisse in beiden Knien zugezogen hatte.

Keine Struktur in den Verletzungen

Die Hahnenkamm-Abfahrt 2016 wird von schweren Stürzen überschattet. Die Abfahrts-Bilder: © GEPA
Zahlreiche Stürze überschatten die Hahnenkamm-Abfahrt. Hannes Reichelt fliegt nach dER Hausbergkante ins Netz. © getty
Den Sieg sichert sich Peter Fill vor den Schweizern Beat Feuz und Carlo Janka. © getty
Nach Hannes Reichelt fliegt auch Abfahrtsweltcup-Leader Aksel Lund Svindal nach der Hausbergkante ins Netz ab. © getty
Auch Georg Streitberger wird diese Stelle zum Verhängnis. Der Salzburger reißt sich wie auch Svindal das Kreuzband und den Meniskus. © GEPA
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Hannes Reichelt © GEPA
Otmar Striedinger stürzt ins Ziel. © getty
Otmar Striedinger mit ausgelöstem Airbag © getty
Aksel Lund Svindal © getty
Steven Nyman mit harmlosem Sturz am Hausberg © getty
Steven Nyman
Peter Fill © GEPA
Arnold Schwarzenegger feiert mit Sieger Peter Fill © GEPA

Im ÖSV hat man sich nach nunmehr zehn verletzungsbedingten Ausfällen, das Gros aus dem Speedteam, längst auf Ursachenforschung begeben. "Aber ich finde keine Struktur in den Verletzungen. Wenn ich eine Struktur finden würde, irgendwo. Wenn man sagt, alle reißen sich das Kreuzband, weil wir zu tief in der Position sind. Dann sage ich: Hallo, haben wir skitechnisch irgendetwas übersehen und nicht ganz richtig gemacht? Aber den einen drückt es nach vorne, den anderen drückt es nach hinten", erläuterte Puelacher.

Jeden Unfall sei man in den vergangenen Wochen und Tagen ganz genau durchgegangen, Struktur habe sich keine gefunden. "Den Streitl drückt es nach hinten rein, warum auch immer. Den Hannes schaufelt es nach vorne drüber. Otmar war vielleicht ein bisschen zu unkonzentriert. Im letzten Teil der Abfahrt war vielleicht in bisschen Schnee (Neuschnee; Anm.) drinnen. Es hat ihm den Ski etwas verschnitten", beschrieb Puelacher den Kitz-Sturz von Otmar Striedinger, der ins Ziel stürzte und unverletzt blieb.

Dass jemand seiner Läufer angesichts des Heimrennens und der Tatsache, dass es in der Saison noch keinen Abfahrtsieg für Österreich gegeben hat, zu viel wollte, glaubt Puelacher nicht. "Man will auf der schnellen Linie Skifahren, übermütig war keiner. Die wissen genau, dass das nicht die einfachste Abfahrt ist."

"Nachher ist man immer gescheiter"

Und beim Besichtigen habe nichts darauf hingewiesen, dass die Stelle vor der Einfahrt in die Schrägfahrt so ein Problem werden könnte. "Wir rutschen alle runter. Auch ich, nicht nur die Jury. Ich könnte reklamieren, aber es ist nicht aufgefallen. Für mich war es klar fahrbar", sagte Puelacher. "Aber wie es sich dann entwickelt hat.... nachher ist man immer gescheiter."

Dass die vielen Stürze nicht spurlos an seinen noch aktiven Läufern vorübergehen, weiß auch Puelacher. Angedacht werde derzeit vieles, auch ob man psychologische Hilfe in Anspruch nehmen werde. "Aber man muss das individuell mit jedem einzelnen Läufer besprechen. Ich traue mich da jetzt nicht zu viel zu sagen, aber es wird schon Gedanken auslösen."

So auch beim derzeit verletzten Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer, der Puelacher besorgt angerufen hatte. "Er hatte richtig Angst, als er gesehen hat, wie der Vinz oben runterfährt und gehofft, dass er das unten überlebt", erzählte Puelacher. Schließlich war im unteren Teil jene Passage, die Streitberger, Reichelt und dem Norweger Aksel Lund Svindal zum Verhängnis geworden war. Vincent Kriechmayr kam als bester Österreicher als Siebenter gesund ins Ziel.

Diskussion um Renn-Abbruch

Kriechmayr sei einer, der "am Limit" fährt, meinte Puelacher. Und die Limit-Linie war am Samstag eine Fahrt auf Messers Schneide. Reichelt wie Svindal hatten sie gewählt. "Ich habe mir überlegt, wen ich nach den ersten 30 von meinen Leuten noch runterschicke. Wir haben, was die Linie betrifft, gesagt, dass wir einen Meter reinrücken. Da ist es ruhig."

Das Rennen wurde nach 30 Läufern wegen immer schlechterer Sicht abgebrochen, was nicht bei allen Trainern auf Verständnis stieß. FIS-Chef-Renndirektor Markus Waldner hatte mit seinem Kollegen Hannes Trinkl die Entscheidung aus Sicherheitsgründen gemeinsam getroffen, man habe die Verantwortung für die jungen Starter nicht mehr übernehmen können, wurde argumentiert.

"Er ist kein Idiot, er ist ein Experte", verteidigte Waldner den Oberösterreicher Trinkl. Aufgrund der Wortwahl darf man annehmen, dass es im Vorfeld der Mannschaftsführersitzung durchaus heftige Diskussionen zwischen Trainern und Jury gegeben hat.

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