LAOLA1-Scout Freimüller erklärt die Arbitration

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Die Salary Arbitration ist mittlerweile das Hornberger Schießen der NHL.

25 Schiedsgerichtsverhandlungen zur Festsetzung des Gehalts waren heuer anberaumt, keine einzige davon wurde zu Ende geführt. Ein Blick auf die Regeln dieses fast schon toten Rechts für Klubs und Spieler, das aber doch auf Umwegen zum Ziel führt:

Bei Colorado-Defender Tyson Barrie – dem letzten der heurigen Fälle – durfte der Richter sich wenigstens die beiden Seiten anhören. Zwei Tage danach - allerdings noch knapp vor dem Urteil - einigten sich Team- und Spielerseite über einen neuen Vierjahres-Vertrag (22 Mio. Dollar).

Die anderen 24 Fälle kamen gar nicht vor Gericht. Im Vorjahr kamen bei ebenfalls 25 Fällen wenigstens drei Schiedssprüche zustande, heuer keiner. Ein Blick auf ein Kapitel des NHL-CBAs, das offenbar seinen Zweck auf indirektem Weg erfüllt.

Wie kommt es zur Salary Arbitration?

Sowohl Spieler als auch Teams können darum ansuchen, wenn es zu keiner Einigung in Gehaltsfragen kommt. Während dies von Teamseite eher selten verwendet wird, suchen Spieler darum weit häufiger an. Nur Restricted Free Agents dürfen diesen Weg gehen und die haben im Unterschied zu Unrestricted Free Agents eigentlich nur diesen Vorteil im Vertragspoker.

Welche Spieler können darum ansuchen? Und wann?

Der Spieler ist wie gesagt ein RFA, kein UFA. Aber mit kleinen Einschränkungen: Spieler, die ihren ersten NHL-Vertrag vor ihrem 21. Geburtstag unterschrieben haben, müssen vier Jahre darauf warten, ältere drei Jahre oder weniger. Der Spieler kann dieses Recht danach immer nach Ablauf seines Vertrag ausüben, sprich, er könnte sich theoretisch jeden Sommer über Salary Arbitration einen neuen Vertrag aushandeln, bis er UFA (meist ab 27 Jahren) ist. Für die NHL-Österreicher Michi Grabner, Michi Raffl und Thomas Vanek ist dieses Schiff also schon abgesegelt. Der Spieler muss bis 5. Juli um dieses Recht ansuchen, die Verhandlungen sind dann für Ende Juli/Anfang August anberaumt.

Wer ist der Schiedsrichter und worüber entscheidet er? 

Neutrale Richter (keine Eishockeyfachleute), die vor der Saison von der NHL und der Spielergewerkschaft abgesegnet werden. Beide Teams bringen Gehaltsvorschläge ein, meist entscheidet der Richter irgendwo in der Mitte, könnte aber theoretisch auch jede x-beliebige Zahl aus dem Hut ziehen.

Welche Argumente können die beiden Seiten einbringen?

Die sind durch den CBA genau geregelt – ein Auszug:

  • Am wichtigsten: Statistiken, allerdings nur die offiziellen der NHL, der Klubs oder der Spielergewerkschaft. Seit die Liga aber auch „Enhanced Analytics“ aufgenommen hat (wenn auch unter anderen Namen als „Corsi“ oder „Fenwick“), gelten auch diese neben alten Heulern wie Toren, Assists oder Plus/Minus. Natürlich werden sich beide Seiten nur die Zahlen aus dem Konvolut heraussaugen, die sie gut dastehen lassen und hoffen, dass ungünstigere unter den Tisch fallen.

  • Verletzungen und Krankheiten während seiner NHL-Karriere

  • „Special Qualities of Leadership or Public Appeal“ – gewinnt ein Spieler etwa den NHL-Preis als fairsten Spieler der Liga („Lady Byng“)  oder ähnliche klubinterne Auszeichnungen, kann sein Anwalt das für ihn verwenden

  • Vergleiche mit ähnlichen Spielern bezüglich der Statistiken und deren Gehältern (siehe unten)

Im Umkehrschluss nicht zugelassen:

  • „Selbstgestrickte“ Statistiken

  • Videos, Zeitungsberichte und wahrscheinlich auch Empfehlungsschreiben der Großmutter

  • Hinweise auf die Gehaltssituation des Teams („Wir stoßen an der Gehaltsobergrenze an“ oder „Die haben doch eh noch so viel Geld frei“)

  • Spielerstatistiken und –gehälter von Spielern, die keine RFAs, sondern UFAs sind. Du hast die letzten beiden Saisonen besser gescort als Thomas Vanek mit seinen 6, 5 Mio. Dollar pro Jahr? Schön für dich, Vanek ist aber ein UFA und daher irrelevant. Nur logisch: Das Team sucht sich zum Vergleich sicher einen Spieler mit ähnlichen Stats aus, der unterbezahlt ist, die Gegenseite einen Spieler mit einem Riesenvertrag.

Wie läuft das Verfahren ab?

Beide Teams müssen einander und dem Schiedsrichter vor dem Verfahren ihre Argumente schriftlich zukommen lassen. Die Verfahren selbst dauern dann 90 Minuten ohne Schlussplädoyers, alle mündlich aussagenden Parteien können von der Gegenseite einvernommen werden. Das Urteil ergeht schriftlich und ist bindend – kein Nachverhandeln mehr möglich.

Tommy Salo weinte sich auf der Toilette aus
Foto: © getty

Der Schiedsrichter fällt sein Urteil – was dann?

Das Team hat vor dem Verfahren schon festgelegt, ob es einen Ein- oder Zwei-Jahres-Deal anstrebt. Dieses Urteil ist für beide Seiten verpflichtend. Mit einer Ausnahme: Bei hohen Gehältern (mehr als ungefähr 3,5 Mio. pro Jahr) kann das Team dieses Urteil ablehnen. Der Vorteil für den Spieler: Er gilt danach sofort als UFA, kann daher unterschreiben, wo er will.

Und die Fälle, wo nicht der Spieler, sondern das Team ein Verfahren anstrebt?

Diese kommen selten vor, heuer war von den 25 Fällen nur einer (Detroit-Goalie Petr Mrazek) ein solcher. Ein Spieler kann nur einmal in seiner Karriere dazu vergattert werden und er kann nach einem solchen Urteil nicht weniger als 85 Prozent seines Vorjahresgehaltes verdienen. Für Mrazek ist dieses Kapitel seiner Karriere durch Detroits Bestreben – auch wenn es zu keiner Verhandlung kam – für immer erledigt. Ein NHL-Team kann pro Sommer nur zwei Spieler so beurteilen lassen. Die Teams hoffen in diesen seltenen Fällen natürlich, dass ein geringeres Gehalt herausschaut als bei einer normalen Verhandlung.

Wozu aber die ganzen Regeln, wenn dann ohnehin meist nicht verhandelt wird?

Es ist eine Eigenheit nicht nur des US-amerikanischen Profisports, sondern der allgemeinen Gegebenheiten dort: Wo Gewerkschaften involviert sind (also überall), braucht es eine Deadline. Wir kennen das ja schon von den CBA-Verhandlungen: Erst wird ewig Zeit vergeudet, wenn dann der Hut brennt, setzen sich die Streitparteien ernsthaft miteinander an den Tisch.

Der Vorteil dieser (angesetzten) Schiedsgerichtsverhandlungen?

Beide Seiten wissen, dass es zu einem Vertrag kommt und zwar bis Anfang August. Die früher gängige Vorgangsweise, dass Spieler beim Trainingsstart ohne Vertrag zu Hause blieben, wurde damit seltener. Außerdem ist das ein ausverhandeltes Zuckerl der Gewerkschaft für einen Teil ihrer Spieler.

Und die Nachteile?

Da sich beiden Seiten meist ohnehin einigen, fallen die heutzutage oft unter den Tisch. Doch im Fall der Fälle kann viel verbrannte Erde zurückbleiben. Schließlich muss das Team ja vor Gericht argumentieren, dass der Spieler eigentlich nicht viel wert ist, um so den Preis zu drücken. Unvergessen hier die Story von Islanders-Goalie Tommy Salo, der sich die Attacken seines GMs Mike Milbury – er nimmt sich ja nie ein Blatt vor den Mund – so zu Herzen nahm, dass er den Saal verlassen musste und sich in der Toilette ausweinte.

Aber auch amikalere Verhandlungen können einen üblen Nachgeschmack hinterlassen. So zerrten die Canadiens vor zwei Jahren Starverteidiger P.K. Subban vors Schiedsgericht. Die ganze Stadt zitterte, ob Montreal dann ein zu hohes Urteil nicht goutieren und Subban zum UFA machen würde.

Nun, die beiden Seiten einigten sich nach der Anhörung doch außergerichtlich über einen langfristigen Vertrag (acht Jahre/72 Mio). Allerdings sehen viele Experten diese Arbitration als einen von mehreren Gründen dafür an, dass das Verhältnis zwischen den Canadiens und dem ziemlich flamboyanten Defender so den Bach runter ging, dass er heuer für Shea Weber nach Nashville getradet wurde.


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