Das 1. NHL-Saisonviertel unter der Lupe

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Es ist Anfang Dezember, die ersten beiden Monate der NHL-Saison 2015/16 sind bereits wieder Geschichte.

Alle Teams haben bereits über 20 Spiele absolviert, das erste Viertel der Saison liegt also hinter uns. Zeit, Bilanz zu ziehen.

Wer überraschte positiv, wer sorgte für Negativ-Schlagzeilen? Wie erging es den drei Österreichern in der besten Eishockey-Liga der Welt? LAOLA1 hat die Antworten:

TOPS UND FLOPS

Die Youngsters: Jaja, die "jungen Wilden" machen richtig Spaß. Jahrhundert-Talent Connor McDavid legte einen furiosen Start hin und begeisterte die Edmonton-Fans in seinen ersten 13 Spielen mit 12 Scorerpunkten. Unglücklicherweise wurde er von einem Schlüsselbein-Bruch gestoppt, er soll in der Genesung aber gute Fortschritte machen und könnte im Dezember oder Jänner zurückkehren. Seit seinem Ausfall sorgt ein anderer Youngster der Oilers für Furore: Der Deutsche Leon Draisaitl glänzte mit 18 Punkten in nur 14 Partien. Auch der Nummer-2-Pick des Drafts, Jack Eichel, überzeugte mit 12 Punkten (8 Tore) für die Buffalo Sabres. Der Weg zur Calder-Trophy für den besten Rookie der Saison scheint aber über Artemi Panarin zu laufen. Der Russe bildet bei den Chicago Blackhawks gemeinsam mit Patrick Kane eines der gefährlichsten Offensiv-Duos der Liga. Auch die Jungspunde der Arizona Coyotes, Max Domi und Anthony Duclair, sowie Dylan Larkin (Detroit), Oscar Lindberg (NY Rangers) oder Defender Colton Parayko (St. Louis) sorgen für Aufsehen.

Strauchelnde Top-Favoriten: Wer hätte das gedacht? Die Anaheim Ducks liegen nach dem ersten Saisonviertel mit einer negativen Bilanz weit außerhalb der Playoff-Plätze. Und das, obwohl die Kalifornier vor Saisonstart als eines der komplettesten Teams der Liga galten. Selbes gilt im Osten für die Tampa Bay Lightning, die trotz zahlreicher Offensiv-Künstler Probleme haben, Tore zu erzielen. Die Pittsburgh Penguins blieben lange Zeit hinter den (hohen) Erwartungen zurück, haben sich mittlerweile aber erfangen. Noch haben die Favoriten Zeit, in die Spur zu finden. Spätestens in Dezember sollte das Ruder aber herumgerissen werden, sonst wird es mit der Postseason eng.

Patrick Kane: Wow! Dass Patrick Kane einer der absoluten Top-Stars ist, war schon länger bekannt. In dieser Saison spielt er aber wie von einem anderen Stern. 37 Scorerpunkte in 24 Spielen, zudem verbuchte er in seinen letzten 19 Spielen immer mindestens ein Tor oder einen Assist. Damit stellte er einen Rekord für US-Amerikaner auf. Auf den Allzeit-Rekord von Wayne Gretzky, der 1983/84 in 51 aufeinanderfolgenen Spielen scorte (153 Punkte) fehlen ihm zwar noch einige Partien, aktuell ist er aber das Maß aller Dinge.

Sidney Crosby: "Das Maß aller Dinge" - lange Zeit war er es. In Tagen wie diesen muss die Frage erlaubt sein: Ist Sidney Crosby nicht mehr der beste Eishockeyspieler der Welt? Wenn es nach den Zahlen geht, dann nicht. Lediglich fünf Tore und zehn Assists lieferte der Kanadier in den ersten 23 Spielen ab - 15 Punkte bedeuten in der Scorerwertung nur Rang 85. Und das, obwohl im Sommer mit Phil Kessel extra ein Star-Flügelstürmer verpflichtet wurde, der perfekt zu Crosby passen sollte. So gut harmonieren die beiden dann scheinbar doch nicht. Zu alt kann der Center im Alter von 28 Jahren noch nicht sein, dennoch hat er es aktuell mehr als schwer. Ungewohnt, den zweifachen MVP nicht in so gut wie jedem Spiel punkten zu sehen. Bitter, wenn man ihn in seinem Fantasy-Team an Nummer eins gewählt hat. Weltuntergang ist es jedoch keiner - eher menschlich. Selbst der große Wayne Gretzky hatte kurze Phasen, in denen nicht alles nach Wunsch lief. Am Ende der Saison wird Crosby wohl ohnehin wieder mindestens unter den Top 10 der Topscorer liegen.

Jaromir Jagr: Wieder einmal beweist Jaromir Jagr, dass Naturgesetzte für ihn nicht gelten. Mit 43 Jahren ist er eigentlich zu alt, um in der NHL zu spielen, geschweige denn erfolgreich zu sein. Für den tschechischen Altmeister scheint das Alter aber wirklich nur eine belanglose Zahl zu sein, 18 Scorerpunkte in 21 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Ob das alles an der Rückkehr seines Vokuhilas liegt? Zur Erklärung: In jüngeren Jahren begeisterte Jagr mit dem "mullet", wie ihn die Amerikaner nennen, ehe er die langen Locken am Hinterkopf 1999 abschneiden ließ. Nun bringt er die weltweit bekannt Frisur zurück. Unlängst wurde die lebende Legende auf ein mögliches Karriereende angesprochen. "Ich will, dass die Zeit zwischen Eishockey und meinem Tod so kurz wie möglich ist", sinnierte Jagr daraufhin. "Wenn ich spielen kann, bis ich tot bin, mache ich das. Was sollte ich sonst tun? Wenn du zurücktrittst, musst du immer noch trainieren - vielleicht sogar härter - weil du nicht dick und hässlich werden willst. Ich will das zumindest nicht." Klingt also nicht so, als würde sich der Panthers-Stürmer bald aus der NHL verabschieden. Eine der besten Nachrichten des ersten Saisonviertels!

ÖSTERREICHER WATCH

Thomas Vanek: 19 Punkte in 22 Spielen, davon zehn Tore. Thomas Vanek beweist einmal mehr, dass er Österreichs Aushängeschild ist. Obwohl er - bis auf eine kurze Zeit in den letzten Wochen nach Zach Parises Ausfall, als er in der ersten Linie auflief - zumeist nur in der dritten Linie aufläuft, scort er am laufenden Band. Zum Vergleich: Sein 10. Saisontor erzielte er in der letzten Saison am 1. Februar 2015 - im 49. Saisonspiel! Nun liegt der Steirer bereits nach 22 Partien im doppelten Bereich. Zu Saisonbeginn erreichte er zudem mit seinem 300. Treffer einen bemerkenswerten Meilenstein. Vanek wirkt auf dem Eis etwas agiler als 2014/15 und schießt öfter - mögliche, positive Auswirkungen seiner Leisten-OPs im Sommer. Unter Coach Mike Yeo hat er dennoch nicht immer den besten Stand. Obwohl er in der Top-Linie überragenden Leistungen zeigte, musste er nach Parises Rückkehr in die dritte Linie zurück. Minnesota versucht mit allen Mitteln, drei Scoring-Linien auf das Eis zu schicken. Mit Center Charlie Coyle und Flügelstürmer Justin Fontaine harmoniert Vanek aber ohnehin gut - vor einem möglichen Einbruch muss man sich also nicht fürchten. In Toren pro Eiszeit liegt der 31-Jährige hinter Jamie Benn, Leon Draisaitl, Vladimir Tarasenko und Mike Hoffman ligaweit sogar an der fünften Stelle! Für Minnesota lief es nach dem hervorragenden Saisonstart zuletzt nicht mehr nach Wunsch, noch liegen die Wild aber auf einem Playoff-Platz.

Michael Grabner: 22 lange Spiele wartet Michael Grabner nun schon auf seinen ersten Saisontreffer. Die Chancen zum Tor hatte er mit einigen Breakaways zwar immer wieder, verwerten konnte der Villacher noch keine. Dennoch gab es zuletzt Lob von Star-Coach Mike Babcock: "Er ist wirklich gut im Penalty-Killing, gut gegen Top-Linien." Da sich Grabner in seinem letzten Vertragsjahr befindet, sollte er jedoch schnellstmöglich die Tor-Flaute überwinden. Zwar sollte er auch mit einer unterdurchschnittlichen Saison mit wenigen Scorerpunkten ein Team finden, müsste aber wohl auf einige Millionen Dollar Gehalt verzichten. Der Kärntner bewies immer wieder, dass er gerne "heiß läuft". Gut möglich, dass mehrere Treffer folgen, wenn ihm einmal der Knopf aufgeht. Mit seinem überragenden Speed ist er für so gut wie jedes Team eine Bereicherung. Die Maple Leafs tun sich wie erwartet schwer. Zwar sind die Ahornblätter in fast keinem Spiel richtig chancenlos, die nötigen Siege fehlen trotzdem. Die Playoffs scheinen, wie erwartet, außer Reichweite.

Michael Raffl: So hat sich Michael Raffl den Start in die Saison wohl nicht vorgestellt. Zu Beginn in der ehemaligen Erfolgslinie mit seinem "Buddy" Claude Giroux und Jakub Voracek, danach immer wieder in der dritten oder vierten Reihe. Aktuell läuft der Villacher neben Giroux und Brayden Schenn auf. Vom Glück ist Raffl aber keinesfalls verfolgt. Nur ein Tor und zwei Assists hat er bislang auf dem Konto. 2014/15 hatte der 26-Jährige nach 24 Partien übrigens bereits neun Tore und eine Vorlage auf der Habenseite. Bei den Fans ist der ÖEHV-Legionär zwar nach wie vor ob seines Spielstils beliebt, das fehlende Selbstvertrauen merkt man ihm aber an. Bei de Flyers wechseln sich Licht und Schatten ab, im Moment rangieren die Mannen aus der "City of Brotherly Love" im unteren Mittelfeld der Eastern Conference. Eine Serie mit deutlich mehr Siegen als Niederlagen sollte her, um die Chancen auf die Postseason intakt zu halten. Sein Bruder Thomas ist nach überstandener Rippenverletzung wieder fit und läuft für die Manitoba Moose in der AHL auf. In vier Spielen wartet er jedoch noch auf seinen ersten Scorerpunkt in Nordamerika.

DAS HIGHLIGHT-VIDEO

Zugegeben, ein bisschen schauen wir hier durch die rot-weiß-rote Brille. Dieser Move war dennoch einer der Leckerbissen der bisherigen Saison. Wer das Traumtor von Thomas Vanek noch nicht gesehen hat: Anschauen! Wer es schon gesehen hat: Nochmal anschauen! Man kann es nicht oft genug sehen.

ZAHLENSPIELE

3 - Über drei Tore in einem Spiel freut sich jeder Spieler. Arizona-Stürmer Mikkel Boedker gelang dieses Kunststück in dieser Saison schon zweimal, beide Male waren die Ottawa Senators der Gegner. Ob er beim nächsten Duell mit den Kanadiern den nächsten Hattrick nachlegt?

1000 - Patrick Marleau verbuchte am 22. November gegen die Pittsburgh Penguins seinen 1000. Scorerpunkt in der NHL. Dennoch ranken sich Trade-Gerüchte um den Angreifer der San Jose Sharks. Gut möglich, dass er bald für ein anderes Team auf Punktejagd geht.

5 - Am 21. November hielten fünf Torhüter (Tuukka Rask, Craig Anderson, Ben Bishop, Antti Niemi und Devan Dubnyk) ihren Kasten sauber. Fünf Shutouts an einem Tag gab es in den letzten drei Jahren nur ein weiteres Mal zu sehen.

14 - Mit 308 Toren liegt Thomas Vanek in der ewigen NHL-Torjägerliste auf Rang 14 unter den aktiven Spielern. Noch vor Henrik Terrerberg, Pavel Datsyuk, Jeff Carter oder Jason Spezza.

19 - Wie bereits erwähnt, verbuchte Chicago-Stürmerstar Patrick Kane in 19 aufeinanderfolgenden Spielen zumindest einen Scorerpunkt. Rekord für einen in den USA geborenen Spieler!

 

Matthias Nemetz

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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