Wechseln Grabner und/oder Raffl nach Las Vegas?

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Auf die Vegas Golden Knights warten wichtige Tage: Beim Expansion Draft, dem Verfahren der Liga-Aufstockung, wird der Grundstock des 31. NHL-Teams festgelegt.

Wir werfen einen Blick darauf, was in Las Vegas in den nächsten Tagen passieren könnte und wie die anderen 30 Teams davon beeinflusst werden.

Der Expansion Draft ist kein einmaliges Ereignis, sondern teilt sich in mehrere Daten und Deadlines auf. Spannend wird es dabei auch für die Villacher Michael Grabner (29) und Michael Raffl (28).

Samstag, 17. Juni, 21 Uhr (MESZ): Ab sofort dürfen die 30 Teams nicht mehr untereinander traden, einzig Deals mit den Golden Knights sind weiter zugelassen.

17 Juni, 23 Uhr (MESZ): Die Teams müssen ihre "Protected Lists" abgeben. Die meisten dieser Teams werden sieben Stürmer, drei Verteidiger und einen Torhüter beschützen, die Variante mit acht Feldspielern und einem Goalie wird eher seltener vorkommen.

Spieler mit "No-Movement-Clauses" müssen automatisch beschützt werden, einzig Pittsburgh-Goalie Marc-Andre Fleury konnte dazu bewegt werden, seine NMC aufzugeben und so einem eventuellen Wechsel nach Las Vegas zuzustimmen. Ottawa-Defender Dion Phaneuf dagegen lehnte es ab, seine NMC zu waiven und brachte sein Team damit in Schwierigkeiten. Spieler mit "No-Trade-Clauses" haben keine Handhabe gegen einen Move in die Spieler-Metropole.

Am Sonntag, 18. Juni, um 16 Uhr (MESZ) sollten die Listen dann von der NHL veröffentlicht werden.

18. bis 21. Juni: Die Golden Knights können mit allen Restricted und Unrestricted Free Agents, die nicht von ihren Teams beschützt wurden, Vertragsgespräche führen.

Sollten sie einen solchen Spieler auswählen oder im Fall eines UFAs unter Vertrag nehmen, ist der Expansion Draft für sein bisheriges Team erledigt, es braucht keinen weiteren Spieler mehr abzugeben. Theoretisch könnte Tomas Vanek also hier von den Knights verpflichtet werden, die Florida Panthers würden dann keinen weiteren Spieler mehr verlieren. Vegas-GM George McPhee rechnet damit, dass er im Rahmen dieser "Exclusive Free Agency" einige Spieler erwerben wird.

Mittwoch, 21. Juni, 16 Uhr (MESZ): Las Vegas muss seine Selektionen bekanntgeben: Ein Spieler pro Team, mindestens drei Torhüter, neun Verteidiger und 14 Angreifer. Mindestens 20 Spieler unter Vertrag für die Saison 2017/18 müssen ausgewählt werden, der Rest könnten Free Agents ohne Vertrag sein.

Die NHL gibt die von Vegas ausgewählten Spieler im Rahmen ihrer Awards Ceremony am gleichen Abend bekannt. Danach gilt für alle 31 Teams wieder "Business as usual" mit dem Entry Draft (23. Juni) und der am 1. Juli beginnenden Free Agency.

Werden Michael Grabner und Michael Raffl beschützt oder nicht?

Bei den New York Rangers dürfte alles klar sein – im System 7-3-1 sollten die beschützten Angreifer Rick Nash (NMC), Derek Stepan, Chris Kreider, J. T. Miller, Mats Zuccarello, Mika Zibanejad und Kevin Hayes sein, auch wenn es um Derek Stepan noch Tradegerüchte gab. Michael Grabner und Matt Puempel blieben dann als die beiden ungeschützten Stürmer über.

Bei den Philadelphia Flyers ist die Sache nicht ganz so einfach. Als sicher beschützte Stürmer gelten Claude Giroux. Valterri Filppula (beide NMC), Jakub Voracek, Brayden Schenn, Wayne Simmonds und Sean Couturier. GM Ron Hextall ist ein großer Fan von Pierre-Edouard Bellemare, daher würde es nicht überraschen, wenn er der siebte Angreifer auf dieser Liste wäre. Das würde dann bedeuten, dass Michael Raffl ebenso unprotected bliebe wie Matt Read oder Dale Weise.

Grabner und Raffl auf dem Weg nach Las Vegas?

Immer mit der Ruhe - sicher gehören die beiden Villacher zu den reizvollen Optionen für Vegas, doch es gibt einiges zu beachten.

Die Knights sind nicht darauf aus, 30 NHL-taugliche Spieler zu holen. Das würde auch keinen Sinn ergeben, schließlich können überhaupt nur 23 Cracks gleichzeitig im Kader stehen und die Knights haben bereits Free Agents (KHL-Star Vadim Shipachyov!) unter Vertrag bzw. werden noch weitere erwerben bzw. am Trade Markt zuschlagen.

Die von der NHL angeordnete Gehaltsuntergrenze für den Expansion Draft (ca. 44 Mio. Dollar) wird Las Vegas ohne Probleme erreichen, von der Obergrenze von ca. 73 Mio. Dollar werden sie aber weit entfernt sein.

Die diversen Mock Drafts im Internet sind daher in den meisten Fällen nicht ernstzunehmen, gehen sie doch davon aus, dass Vegas jeweils den besten Spieler auswählt. Das wird allerdings nicht passieren – die Gründe dafür:

"Stay-away-Deals": Einige Teams bieten McPhee Zuckerln an, damit er einen gewissen Spieler auswählt bzw. von anderen absieht. Diese Zuckerln können oft Picks für den Entry Draft sein, auch wenn dieser heuer nicht gerade eine tolle Auswahl bietet. Ein Team kann aber auch Spieler anbieten, die beim Expansion Draft nicht zur Diskussion standen, also Prospects, die bis jetzt noch nicht unter Vertrag standen oder sich im ersten oder zweiten Jahr ihrer Entry-Level-Verträge befinden.

Solche Spieler haben für die Knights natürlich einen hohen Wert, werden diese doch in der kommenden Saison vor allem entweder nur über Draft Picks von 2017 oder eben ältere Spieler verfügen. Billige Spieler am Anfang ihrer Karriere werden zur Kader-Auffüllung oder für das Farmteam Chicago Wolves benötigt.

"Pre-determined Deals": Vegas kann grundsätzlich keine Spieler auswählen und sie sofort an ihr altes Team zurücktraden bzw. sie per Buyout gleich wieder loswerden.  Aber es würde nichts dagegen sprechen, dass sie etwa Michael Raffl holen, ihn aber umgehend an das Team X weitergeben, von dem sie bereits eine vor dem Draft ausgemachte Kompensation bekommen.

Ein Blick in die Zukunft: Die Knights müssen natürlich über den Sommer 2017 hinausdenken. Einerseits würde es keinen Sinn ergeben, zu viele Spieler zu holen, deren Verträge etwa zeitgleich im nächsten Jahr auslaufen. Umgekehrt wird GM McPhee auch nicht sonderlich daran interessiert sein, noch ewig lange Verträge bei Spielern mit abfallenden Leistungskurven zu übernehmen. Also gilt es, die Vertragsenden zu streuen bzw. nicht zu viele oder zu wenige RFAs oder UFAs unter Vertrag zu haben.

Es ist also zu erwarten, dass die Golden Knights nach dem Expansion Draft mit einigen zusätzlichen Draft Picks für die kommenden Entry Drafts und (den Rechten für) einige junge NHL-Cracks dastehen. Umgekehrt werden einige von ihnen ausgewählte Spieler nur nach Las Vegas kommen, wenn sie dort eines Tages einen Urlaub buchen.

Um nochmals auf Grabner und Raffl zurückzukommen: Weder die Rangers noch die Flyers werden aus den oben genannten Gründen von den Knights in einem Vakuum gesehen, alle Picks werden von den Optionen der restlichen Teams beeinflusst.

Wie sehen die möglichen Pläne des Vegas-Managers McPhee aus?

Rangers: Goalie Anti Raantta ist natürlich eine interessante Option – ein sehr guter Backup, nur ein Jahr unter Vertrag und das zu einem vernünftigen Preis (1 Mio. Dollar). McPhee könnte etwa Raanta als einen von mehr als nur den drei vorgeschriebenen Goalies holen, die Qualität ist auf dieser Position sicher am besten. Raanta hätte dann in einem anschließenden Trade guten Wert, etwa mit den stets mit Goalie-Problemen behafteten Winnipeg Jets. Oscar Lindberg und Jesper Fast wären auch zwei RFAs, mit denen sich McPhee befassen könnte.

Für Grabner sprechen sein starkes Comeback-Jahr und ein überschaubarer Vertrag sowohl in puncto Höhe (1, 6 Mio. Dollar) als auch Länge (bis 2018).

Flyers: Wie bei den Rangers gibt es kaum interessante Optionen in der Defensive, aber im Angriff dafür einige: Jordan Weal, ab Sommer ein UFA, hatte ein gutes Saisonende und spielte bis jetzt um einen Spottpreis (650.000 Dollar). Ebenfalls von Interesse: Matt Reid, Dale Weise oder der ungleich billigere RFA Scott Laughton. Im einzigen NHL-Trade am Freitag schickte Hextall Nick Cousins, den er auch nur ungern ohne Gegenwert verloren hätte, nach Arizona.

Michael Raffl wäre ein NHL-erfahrener Spieler, der im Lineup rauf und runter spielen kann. Cracks wie ihn braucht jedes Team, allerdings gibt es da natürlich auch reichlich Auswahl unter gleichwertigen Spielern. Hextall bangt um einige dieser Spieler, ein "Stay-Away-Deal" würde daher nicht überraschen.

Viele Szenarien und Optionen also, die heuer für zusätzliche sommerliche Gedanken-Spiele in und rund um die NHL sorgen. Erst am 21. Juni werden wir ein Stückchen schlauer sein, denn dann wird das Team der Vegas Golden Knights in weiten Zügen ersichtlich sein…

Textquelle: © LAOLA1.at

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