"Wir werden einige Zeit brauchen"

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Nach den herben Enttäuschungen bei der Olympia-Qualifikation für 2018 kündigt der neue ÖEHV-Präsident Gernot Mittendorfer Konsequenzen an.

Als erste Maßnahme sollen Verteidiger und Torhüter besonders gefördert werden, wie er im Interview mit der APA erklärt.

Über die von Teamchef Alpo Suhonen kritisierte Punkteregelung in der EBEL will er mit den Vereinsvertretern über eine vernünftige Regelung reden.

"Unser Ziel muss sein, in die Top 12 zu kommen und uns dort zu etablieren", so Mittendorfer.

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Frage: Wie fällt Ihr Resümee nach Ihrem ersten Turnier als Verbandspräsident aus?

Mittendorfer: "Wir sind hier sicherlich unter unserem Wert aufgetreten. Es tut mir leid für die Mannschaft und die Hockey-Fans. Das ist die Basis, von der wir jetzt beginnen."

Frage: Österreich war lange Jahre eine 'Aufzugsmannschaft'. Zuletzt wurde der WM-Aufstieg verpasst, nun die Olympia-Qualifikation - sind wir auf dem Weg zu einer B-Nation?

Mittendorfer: "Ich glaube nicht, dass wir auf dem Weg zu einer B-Nation sind. Wir haben bei der B-WM Aufsteiger Italien geschlagen, wir können auch in dieser Ranggruppe mithalten. Man sieht aber hier gegen etablierte A-Teams, dass uns da ein bisschen was fehlt."

Frage: Was wollen Sie ändern?

Mittendofer: "Wir haben hier fast das stärkste Team aufgeboten. Ich glaube, sie können mehr. Wir werden uns zusammensetzen, auch mit Spieler-Vertretern, und in Ruhe analysieren, woran es gelegen ist, und die Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind."

Frage: Sie sind für vier Jahre gewählt worden. Wo wollen Sie Verband in vier Jahren - oder mit längerfristiger Perspektive - sehen?

Mittendorfer: "Wir haben schon eine längerfristige Perspektive, aber das soll nicht mit meiner Person zusammenhängen. Für uns muss das Ziel sein, in die Top 12 zu kommen und uns dort zu etablieren. Es ist natürlich nicht einfach, wenn man sich die Grundvoraussetzungen anschaut, die wir in Österreich haben. Aber ich glaube, dass alle, sowohl Vereine, Funktionäre als auch alle am österreichischen Eishockey Beteiligten eine starke Nationalmannschaft wollen."

"Es kann nicht sein, dass wir nur ein, zwei Torhüter in Österreich haben, die an Nummer-1-Position spielen."

Frage: Wo wollen Sie den Hebel ansetzen?

Mittendorfer: "Wenn man sich ad-hoc die Situation anschaut, dann werde wir im Verband ein spezielles Förderprogramm für Torhüter und Verteidiger entwickeln. Es kann nicht sein, dass wir nur ein, zwei Torhüter in Österreich haben, die an Nummer-1-Position spielen. Auch bei den Verteidigern müssen wir eine breitere Basis bekommen. Das müssen wir dann gemeinsam mit den Vereinen umsetzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Vereine im Moment enorm unter Druck sind und vor enormen Herausforderungen stehen. Das Thema Auslagerung des Profi-Betriebs in Kapitalgesellschaften, die Anforderungen von der Liga, professioneller zu werden - da müssen wir auch Rücksicht nehmen in den Entwicklungsschritten, dass wir nicht zu viel auf einmal wollen und die Vereine überfordern. Die Nachwuchsarbeit haben wir in den letzten Jahren schon verbessert und eine Basis gelegt. Jetzt geht es darum, unsere Nachwuchsspieler und U20-Teamspieler ins Erwachsenen-Eishockey heranzubringen."

Frage: Das sind sehr langfristige Pläne - wann glauben Sie, wird man etwas ernten können?

Mittendorfer: "Es ist so, dass wir da in den letzten Jahren viel verloren haben. Das gilt es jetzt aufzuholen. Je schneller, desto besser, aber wir werden einige Zeit brauchen. Wir werden die eine oder andere Enttäuschung, wie wir sie hier erlebt haben, verdauen müssen, wir werden uns aber nicht von diesem Weg abbringen lassen. Ich bin zuversichtlich, weil ich ein gutes Gesprächsklima mit den EBEL-Vereinen habe, dass alle das unterstützen werden. Keiner ist glücklich, wenn wir uns nicht für Olympia qualifizieren. Jeder hat das Kommitment für das Nationalteam abgegeben, das ist das Premiumprodukt des österreichischen Eishockey und es muss als Premiumprodukt auch andere Ergebnisse erzielen können, als wir sie derzeit erzielen."

Frage: Die Zusammenarbeit zwischen Verband und Liga hat nicht immer gut funktioniert. Ende der Saison läuft nun der Lizenz-Vertrag aus. Sie sind Verbandspräsident, Präsident des Austrian Hockey Board und Sponsorenvertreter - In welche Richtung wollen Sie gehen?

Mittendorfer: "Das AHB ist eine Institution, die noch nicht verändert wurde, weil da eine Vertrauensbasis geschaffen worden ist, die wir brauchen werden, um in Zukunft die notwendigen Veränderungen herbeizuführen. Es ist jetzt der falsche Zeitpunkt, etwas in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Wir werden uns nach dieser Olympia-Qualifikation mit allen Beteiligten zusammensetzen und diskutieren, woran es gelegen ist und wie wir es besser machen in der Zukunft. Es braucht ein Kommitment von allen Beteiligten, ich weiß, dass es das geben wird."

Frage: Ein Thema war immer die Punkteregelung bzw. die Thematik, wieviele Legionäre wir haben wollen. Wie sehen Sie das?

Mittendorfer: "Die Punkteregelung ist ja nicht eine Regelung, die ausschließt, dass Österreicher in der Liga spielen. Die Punkteregelung schafft, dass wir eine relative Ausgeglichenheit in der Liga haben. Das ist wichtig, dass wir eine Meisterschaft haben mit spannenden Spielen und knappen Ergebnissen. Man muss unterscheiden zwischen Punkteregelung und Transferkartenspielern. Wir werden uns mit den Vereinsvertretern hinsetzen und schauen, dass wir zu einer vernünftigen Regelung kommen und auf Sicht mehr österreichische Spieler in unserer Top-Liga zum Einsatz bringen."

Frage: Können Sie Zahlen nennen?

Mittendorfer: "Wir haben in den letzten Jahren in den Nachwuchs investiert. Wir müssen aber mehr Kinder zum Eishockey bringen, wir brauchen eine breitere Basis. Nur mit einer breiteren Basis werden wir eine breitere Spitze bekommen. Heute auf Zahlen festlegen hat nicht viel Sinn. Das wesentliche ist, dass alle eine Entwicklung mittragen, an deren Ende ein Ergebnis steht. Ob es dann fünf pro Verein sind oder sechs ... Es muss das Niveau hoch sein, damit wir bei solchen Turnieren wie hier bei diesem Tempo mithalten können."

"Wir können uns einen hauptamtlichen Spitzen-Trainer und einen Sportdirektor und einen Nachwuchsleiter nicht leisten."

Frage: Die Verträge von Sportdirektor, Teamchef und Nachwuchschef laufen nach dieser Saison aus. Wie schaut die Planung aus, wird es z.B. einen hauptamtlichen Teamchef geben?

Mittendorfer: "Das ist eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Der ÖEHV ist kein gesegneter Verband wie manch anderer. Wir können uns einen hauptamtlichen Spitzen-Trainer und einen Sportdirektor und einen Nachwuchsleiter nicht leisten. Wir müssen da eine vernünftige Balance finden. Die Etablierung eines Sportdirektors war ein sehr wichtiger erster Schritt, auch die Etablierung eines Nachwuchsleiters ist, wie wir sehen, für die Zukunft enorm wichtig. Wahrscheinlich werden wir eine Kombination mit dem Nationalteam-Trainer oder einem Club-Trainer, der das Nationalteam betreut, forcieren.

Frage: Sie sind auch Vertreter des Sponsors von Liga und Verband. Bringt das Vorteile, weil man dort und da mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat?

Mittendorfer: "Aufgrund der jetzigen Funktion halte ich mich bei diesen Entscheidungen der Erste Group komplett heraus und überlasse die Verträge den Marketing-Kollegen. Das würde auch nicht gehen, weil das ist ein Interessenskonflikt, den ich nicht haben möchte. Es ist natürlich so, dass die Erste Group als Sponsor Interesse an der Entwicklung des gesamten österreichischen Eishockey hat. Und da versuchen wir auch, diesen Interessensausgleich zu unterstützen. Das kann schon helfen in der einen oder anderen Frage, wo die Interessenslagen unterschiedlich sind."

Frage: Hier in Riga steht eine wunderschöne Halle für 12.000 Zuschauer. Mit der Infrastruktur gibt es in Österreich Probleme. Welche Initiativen gibt es bei dieser Thematik?

Mittendorfer: "Uns geht es nicht nur darum, dass wir wieder einmal eine A-WM-taugliche Eishalle bekommen, es geht generell um Eishallen, um die Nachwuchsentwicklung, Kinder und Jugendliche zum Eishockey zu bringen. Es muss möglich sein, dass man in einem vernünftigen Abstand zu einer Eishalle zum Trainieren kommt. Da haben wir in allen Bereichen Defizite aufgebaut in den letzten Jahren. Wenn man Städte wie Riga besucht und so eine Halle sieht, fragt man sich, warum man so etwas nicht in Wien haben kann. Konzepte gibt es, Ideen haben wir. Wenn wir uns international etablieren wollen, eine Top 12-Nation werden wollen, dann ist das auch ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung."

Textquelle: © APA Zum Seitenanfang»
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