Die ÖEHV-Damen und die grausame Mathematik

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Österreichs Damen-Eishockey-Nationalteam fehlte nur ein Sieg auf den Aufstieg in die A-Gruppe, Japan war im Entscheidungsspiel mit 1:4 aber eine Nummer zu groß.

Die Österreicherinnen beklagten allerdings nicht zu Unrecht den unglücklichen Spielverlauf. Vor dem Tor im ersten Drittel glücklos, lag die Heimmannschaft nach 24 Minuten bereits 0:3 zurück.

“Vielleicht hat wirklich die Kaltschnäuzigkeit gefehlt”, vermutete Eva Maria Beiter-Schwärzler.


Eishockey ist Mathematik

Im Kern ist Eishockey eine simple Angelegenheit: Wer mehr Tore schießt, gewinnt.

Im Kern ist Eishockey auch eine grausame Angelegenheit: Wer weniger Tore schießt, verliert.

Wenn man nun wie Österreichs Damen-Nationalteam gegen Japan vorne gute Chancen auslässt, selbst aber schnell vier Gegentore kassiert, dann ist Eishockey eben grausam.

Wenn das dann noch im Entscheidungsspiel vor heimischem Publikum im Grazer Bunker passiert, wird die Situation nicht einfacher.

Wenn die Scheibe nicht rein geht...

Die rot-weiß-roten Leistungsträgerinnen waren nach dem Spiel dementsprechend enttäuscht, aber gefasst. “Wenn am Anfang ein, zwei Tore reingehen, schaut es anders aus”, sagte Janine Weber. Denise Altmann sah das praktisch ident: “Wenn wir im ersten Viertel ein paar Tore schießen, geht es schon ein bissl leichter.”

Die Schuldige war also leicht gefunden: die Chancenverwertung. Bis zum Ehrentreffer in der 36. Minute schien das Tor vernagelt, im zweiten Drittel rissen die flinken Japanerinnen das Spiel mit dem Rückenwind der 2:0-Führung völlig an sich. 13 Torschüssen standen zwei österreichische Versuche gegenüber, im ersten Abschnitt lautete die Schussstatistik noch 9:8 für Österreich.

Es war nicht alles schlecht

Wer so nah dran ist, hat aber vor allem Positives abgeliefert. “Ich glaube, wir waren noch nie eine so gute Einheit wie gegen Japan, wir haben noch nie so gut zusammengespielt”, sagte Beiter-Schwärzler.

Weber strich die in der Tat bemerkenswerte Moral hervor: “Wir haben trotzdem weitergekämpft und bis zum Ende daran geglaubt, dass wir es schaffen können.” Nach dem 0:4 kämpften sich die ÖEHV-Damen zurück ins Spiel und hätten im Finish gut und gerne weitere Tore drauflegen können. “Ein bissl mehr kämpfen vorm Tor, um die Scheibe reinzudrücken, sie ist ja oft genug dort gelegen”, forderte Altmann.

Starke Japanerinnen

Dennoch: Nach vier von fünf Spielen der Heim-WM stehen drei Siege und eine Niederlage gegen den Turnierfavoriten zu Buche. Und dieser spielte eben auf einem hohen Niveau, gegen Österreich noch mehr als zuvor: “Sie haben noch einen Gang zugelegt”, meinte Beiter-Schwärzler.

Nippons Eishockey-Damen entsprechen Klischees: “Sie kombinieren gut, sind schnell, spielen schnell nach vor, geben gute Pässe”, so Weber. “Die sind halt gut, da muss man auch erst mal dagegenhalten”, gab sich Altmann pragmatisch.

Favorit 2018?

Japan ist nun aufgestiegen, damit haben die österreichischen Mädels all jene Teams geschlagen, die ihnen auch nächstes Jahr im Kampf um einen Platz bei der A-WM gegenüberstehen werden. In diesem aller Voraussicht nach nicht mitmischen - zum Vorteil der Teams der B-Gruppe - wird Tschechien, der eigentliche Absteiger aus der Top-Division.

“Wenn alles durchgeht, dann kommt Tschechien nicht herunter. Japan kommt rauf und Tschechien würde oben bleiben”, beschreibt Weber das nächstjährige Szenario.

Grund dafür ist ein Beschluss des Council des internationalen Eishockeyverbandes, der die Aufstockung der Top-Division von acht auf zehn Teams vorsieht. Folglich gibt es heuer und nächstes Jahr keinen Absteiger, sehr wohl aber jeweils einen Aufsteiger. Lediglich die offizielle Bestätigung auf dem Kongress im Mai steht dem noch im Wege.

Österreich wäre nach den gezeigten Leistungen in Graz damit 2018 wohl der Top-Favorit auf den Aufstieg, wie auch Altmann selbstsicher meint: “Wenn Japan nicht dabei ist, sollten wir es schaffen.”

Etwas zurückhaltendere Töne schlägt NWHL-Legionären Janine Weber an: “Da klappt es dann hoffentlich, auch wenn natürlich alles wieder bei Null anfängt.”

Es geht aufwärts

So oder so: Unbestritten ist der Fakt, dass das österreichische Damen-Eishockey in den letzten Jahren eine äußerst positive Entwicklung genommen hat. Zum dritten Mal in Folge wird man nur einen Sieg vom Aufstieg ins Konzert der Großen entfernt sein. Ein Aufstieg, der wohl nur mehr eine Frage der Zeit ist, davon ist auch Teamchef Pekka Hämäläinen überzeugt.

“Es kommen junge Spielerinnen nach, die in Graz nicht dabei sind. Ich denke also, dass Österreich eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat”, gibt sich der Finne äußerst zuversichtlich.

Diese Zuversicht wird auch durch die nur minimale Leistungsdifferenz zu den hinteren A-Nationen genährt.

“Der Unterschied zwischen den letzten Teams der A-Gruppe und der ersten Teams der B-Gruppe ist sehr klein. Wir haben Deutschland letzte Saison geschlagen und heuer sind sie bei der A-WM Vierter geworden. Ähnliches gilt auch für die Schweiz und Tschechien.”

Versöhnlicher Abschluss gewünscht

Doch das ist alles noch theoretische Zukunftsmusik. Die Gegenwart im Kampf um die Silbermedaille heißt Dänemark.

Die Nordeuropäerinnen halten nach Siegen über Norwegen und Frankreich bei sechs Punkten und könnten den heimischen Cracks den zweiten Platz mit einem Dreier noch streitig machen.

“Die sind auf keinen Fall zu unterschätzen, sie spielen defensiver als wir. Wir müssen einfach schauen, dass wir da durchkommen. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber wenn wir ein paar Tore schießen, ist das ganz ein anderes Spiel”, gibt Weber die simple Marschroute vor.

Damit könnte man nicht nur sich selbst zum Abschluss belohnen, sondern auch die heimischen Fans, die gegen Japan für eine sehr gute Stimmung sorgten.

“Das Publikum war ganz großartig, und einfach auch die Rückmeldungen von allen, von der Familie. Es ist einfach ganz toll, wenn wir das Damen-Eishockey promoten können”, zeigt sich Beiter-Schwärzler von der Heim-Weltmeisterschaft begeistert.

Am Ende ist Eishockey dann eben doch mehr als grausame Mathematik.

Textquelle: © LAOLA1.at

Rafael Rotter über Nationalteam-Absage und Kritik an ÖEHV

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