Das sind Österreichs größte Eishockey-Talente

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Ein sensationeller zweiter Platz beim Heimturnier für die U20, der (erwartete) Abstieg bei der U18: Die heurigen Weltmeisterschaften brachten für Österreichs Nationalteams unterschiedliche Resultate. Doch wie steht es um den Nachwuchs allgemein? Welche Jahrgänge sind die besten? Und wer sind die größten Talente?

Die heurigen Ergebnisse beweisen, wie stark die Nationalteams von ihren jeweiligen Jahrgängen abhängig sind. Die Kombination der sehr starken Jahre 1996 und 1997 sorgten für den Erfolg in Wien, die 97-er Generation – ein Paradejahrgang – schaffte schon im letzten Jahr den souveränen Aufstieg aus der C-Gruppe.

Die 1998 geborenen Cracks sind nach allgemeiner Meinung der schwächste Jahrgang der näheren Zukunft, kein Wunder also, dass die Hälfte des U18-Teams schon aus den talentierteren (aber auch kleingewachsenen) 99-ern bestand.

Doch große Vorfreude vermitteln die daran anschließenden Jahrgänge: Sowohl 2000 als auch 2001 können mit herausragenden Talenten aufwarten...

Wohin geht die Reise?

Für die Spieler des Jahrgangs 1996 (scheiden aus dem Juniorenbereich aus) gilt es jetzt natürlich, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mario Huber – dessen Talent unumstritten ist – muss einfach seine Gewichtsprobleme in den Griff bekommen, egal ob in Übersee oder in Europa, um nicht zu einem zweiten Heimo Lindner zu werden. Ebenfalls vor der Entscheidung, auf welcher Seite des Ozeans seine Zukunft liegt: Dominic Zwerger.

Für andere Cracks ist die Vereinszugehörigkeit für nächste Saison geklärt, nicht aber die Frage der Eiszeit: Erik Kirchschläger kann ohne Zweifel in Linz zu einem soliden EBEL-Defender werden, bei Vereinskollegen Stefan Gaffal sind nicht die Hände, sondern die Beine und die körperliche Verfassung die Fragezeichen. Er sollte die Saison aber unter den ersten zwölf Stürmern beginnen.

Beim leichtfüßigen Dominic Hackl bleibt zu hoffen, dass er von Verletzungen (zuletzt sogar ein Autounfall) verschont bleibt, für regelmäßige Eiszeit in Wien ist er auf jeden Fall reif. Ali Wukovits, heuer lange Zeit mit einer schweren Gehirnerschütterung out, muss ebenfalls den Übergang ins Senioreneishockey schaffen, auch er könnte ohne Probleme EBEL spielen. Bei Verteidiger Daniel Jakubitzka und Stürmer Alexander Lahoda dürfte die unmittelbare Zukunft INL mit Salzburg heißen, hoffentlich mit stetem Kontakt zum EBEL-Team. Der Übergang zwischen der Akademie in Salzburg und der Kampfmannschaft soll in Zukunft jedenfalls durchlässiger gestaltet werden…

Für alle diese Cracks gilt: Die Schwelle vom Junioren- zum Senioreneishockey ist eine wesentlich größere als die von der EBEL ins Nationalteam. Die (zeitweise überzogene) Verjüngung beim ÖEHV der letzten Jahre läßt zumindest in den Vorbereitungsspielen schon fast jeden EBEL-Crack am Nationalteam schnuppern.

Was fällt beim Betrachten der Jahrgänge 1997 bis 2001 (=Jahrgänge mit ÖEHV-Nationalteams) auf?

Die Kombination von 1998 & 1999 könnte auch für die U20-WM in zwei Jahren ein großes Problem darstellen. Umgekehrt verspricht das U18-Team 2000/2001 ein tolles Team – da wäre die WM im April 2018 fast aufgelegt für das erste Heimturnier seit Amstetten 2004.

Viele Cracks verdingen sich im Ausland, vor allem die Schweiz ist eine beliebte Destination. Yannic Pilloni (1998), Julian Payr, Benjamin Baumgartner (beide 2000) sowie Marco Rossi (2001) sind hier die bemerkenswertesten Spieler, die diese Route in Anspruch nehmen. Allerdings produzierte dieser Ausbildungsweg mit Stefan Ulmer nur einen herausragenden Spieler, von NHL-Drafts ganz zu schweigen. Auf die in Europa wohl beste Jugendausbildung in Schweden setzen Nationalspieler Lukas Haudum (1997, Södertälje), Niklas Würschl (1999, Rögle) sowie David Maier (2000, Södertälje).

Der KAC stellt nicht nur relativ wenige, sondern auch keineswegs herausragende Auswahlspieler in den nächsten Jahren. Das fiel vor Jahren noch weniger auf, da der Rekordmeister bei Berufungen lange bevorzugt behandelt wurde – ehemalige U20-Nationalspieler wie Landan Viveiros, Nicolas Paul, Mihael Filipic oder Patrick Berr spielen heute gar nicht mehr Eishockey! Auch in den nächsten Jahren wird der KAC wohl auf zugekaufte Nachwuchscracks wie Johannes Bischofberger oder Nikolaus Kraus zurückgreifen müssen oder darauf hoffen, dass ausgewanderte Cracks (Niklas Würschl, David Maier) wieder zurückkommen.

Im Gegensatz dazu kann sich Lokalrivale VSV auf die bärenstarke 2000er-Generation (Alexander Schmidt, Bernhard Lanzinger, Peter Sivec, Benedikt Wohlfahrt, Florian Sertschnig) freuen, die nächsten Jahrgänge sind aber auch für die Villacher etwas zäh. Bei den 99ern haben die Caps mit Alexander Maxa, Fabio Artner und Philipp Maurer die Nase vorne.

Die Verteidigermisere der letzten Jahre besteht weiter, vor allem wenn es um spielerisch starke Defender mit etwas Größe geht. Auch auf der Goalieposition sieht es inklusive 99er nicht allzu gut aus.

Die größten Talente der einzelnen Jahrgänge:

1997:

Lukas Haudum (Flügel/Center, Södertälje): Mit WM-Debüt in Katowice. Kompletter Angreifer, körperlich stark, gute Hände, ausgezeichnetes Spielverständnis. Professionelle Einstellung auf und neben dem Eis. Sollte nächste Saison Senioreneishockey spielen.

Florian Baltram (C/F, Salzburg): Kam aus CHL gestärkt zurück, überzeugte sowohl bei U20-Team als auch bei Salzburg. Ausgezeichnete Arbeitsmoral, Speed hat deutlich zugenommen, Offensivpotential größer als erwartet. Hat sich Stammplatz in EBEL verdient.

Christof Kromp (F, VSV): Sprang zwischen Teams und Ligen herum, kam nach Verletzung erst in Villach zu Ruhe. Bereits gute Zweikampfbehauptung, Offensive (sehr genauer Schuss!) sollte in den nächsten Jahren ausbrechen. Eislaufen braucht aber Upgrade.

Bernd Wolf (Verteidiger, Bern Junioren): Intelligenter Defender, nicht groß, aber in Zweikämpfen mit Durchsetzungsvermögen. Guter Puckmover, aber Schuss ist keine große Bedrohung. Reif für Senioreneishockey und bald auch fürs Nationalteam.

Daniel Wachter (F, Salzburg Farmteam): Klein, giftig, schnell, hat Zeug zu Publikumsliebling. Mangel an Größe ist kein Vorteil, kann dies aber durch Beinarbeit wettmachen. Hat mehr Offensivpotential als der ähnliche agierende Christian Jennes (VSV). Beide sind „disruptive players“.

Dario Winkler (C/F, Everett – WHL): Smarter Komplementärspieler mit noch offenem Offensivpotential. Muss körperlich zulegen, aber nach Verletzungen wieder im Kommen.

Weiters am Radar: Dominic Divis (Tor, Linz), Lucas Birnbaum (V, Salzburg Farmteam), Gerd Kragl (V, Linz), Felix Maxa (C, Capitals), Philipp Pöschmann (C, Salzburg Akademie)

1998:

Yannic Pilloni (C/F, Davos Junioren): Gutes Spielverständnis, nicht groß, aber solide in Zweikämpfen. Verspricht keine großen Scorerzahlen, aber professionelles Spiel.

Paul Sztatecsny (V, Salzburg Akademie): Versprach solider Defender zu werden, bevor ihn schwerer Skiunfall (Oberschenkelbruch) aus der Bahn warf. Bei völliger Gesundung stabiler Defensivverteidiger mit Leaderqualitäten.

Daniel Obersteiner (C, KAC): Zuletzt stagnierende Entwicklung vor allem aufgrund mangelnder Explosivität. Aber gutes Spielverständnis, Potential zu solidem Zwei-Weg-Center.

Kele Steffler (D, Okanagan Academy): Spielstarker Defender, kann Angriffe auslösen. Guter Puckmover, genauer Schuss. Muss an Muskelkraft drastisch zulegen, dadurch könnte auch notwendige Dynamik kommen.

Weiters am Radar: Jakob Holzer (T, KAC), Jonas Kofler (V, Salzburg Akademie), Thomas Winkler (V, VSV), Simon Wolf (V, Troja – Schweden), Dennis Sticha (F/C, Feldkirch), Samuel Witting (F, Salzburg)

1999:

Fabio Artner (C/F, Capitals): Gute Hände, smartes Spiel mit Scheibe, zeitweise dynamisch. Auch aufgrund von Verletzungen mit etwas stagnierender Entwicklung.

Lukas Schreier (V, Salzburg Akademie): Spielstarker Defender, verspricht Offensive. Sehr spätes Geburtsdatum (24. Dezember), kleingewachsen, muss körperlich zulegen, um Akzente setzten zu können.

Niklas Würschl (V, Rögle – Schweden): Österreichisch-schwedischer Doppelstaatsbürger, gebürtiger Klagenfurter. Mobil, gutes Spielverständnis, offensives Upside.

Julian Pusnik (C, VSV): Sehr gute Größe, gutes Spielverständnis, ansatzloser Schuss. Viel zu schätzen an ihm bis auf die Beinarbeit...

Weiters am Radar: Max Haselbacher (T, Omaha Lancers – NAPHL), David König (F, Lustenau), Philipp Maurer (F, Capitals), Alexander Maxa (F, Capitals), Marcel Zitz (F, Salzburg Akademie)

2000:

Benjamin Baumgartner (F, Davos Junioren): Dynamisch, gute Hände, gute Puckbehauptung im Verkehr, sowohl Torschütze als auch Vorbereiter. Ragt auch gegen starke Nationen heraus. Aufregendes Offensivpotential.

Julian Payr (V, Davos Junioren): Wie ein schwedischer Defender – groß, sehr gute Beine, ruhig an der Scheibe, Schuss nicht scharf, aber immer „on target“. Einzig zweimalige Absage an U18-Nationalteam Ansatz zur Sorge.

Benjamin Lanzinger (F, VSV): Verspricht Goalgetter zu werden – hat Präsenz ums Tor herum und ansatzlosen, scharfen Schuss. Größe sollte auch kein Problem sein. Ungeklärte Krankheit setzte ihn heuer lange außer Gefecht. Beinarbeit mit Potential zur Verbesserung.

David Maier (V, Södertälje – Schweden): Smart, große Ruhe am Puck, wenig Panik im Spiel. Kein großer Offensivbringer, kann aber Spielzüge im gegnerischen Drittel am Leben erhalten.

Benedikt Wohlfahrt (F, VSV): Energiespieler, hält Beine dauernd in Bewegung, ausgezeichnete Arbeitsmoral. Gute Ergänzung in Scorerlinie.

Alexander Schmidt: (T, VSV): Ausgezeichnete Beinarbeit, sehr gute laterale Bewegung, wenig Löcher in seinem Körper. Noch ziemlich klein, aber Größe in Familie läßt gutes Wachstum erwarten.

Weiters am Radar: Benjamin Rattensberger (V, Salzburg Akademie), Peter Sivec (V, VSV), Jacob Wetzelsberger (V, HPK Hämeenlinna – Finnland), Paul Huber (F, Salzburg Akademie), Max Rebernig (F, Salzburg Akademie), Fabian Sertschnig (F, VSV)

2001:

Marco Rossi (C, GCK Lions Junioren): Ausgezeichnetes Spielverständnis, wunderbare Hände, kann Puck über Sekunden gegen starke Gegner behaupten. Großes Offensivpotential. Größe ist einziges Fragezeichen.

Adem Kandemir (C/F, Salzburg Akademie): Gutes Spielverständnis, gute Hände, kann Offensive kreieren. Ebenfalls noch am kleineren Ende der Skala.

Tim Harnisch (C/F, Salzburg Akademie): Dynamisch, gebraucht seinen Speed sehr gut, kann 1-1-Duelle gewinnen.

Domink Unterweger (F, GCK Lions Junioren): Großgewachsen, hat Vorteile an Bande mit Körper und Reichweite, sehr guter Teamplayer.

Jacob Pfeffer (V, Salzburg Akademie): Kleingewachsener, aber spielstarker Defender, kann Scheibe unter Druck behaupten. Überdurchschnittliches Offensivpotential. Wie Würschl auch mit schwedischer Staatsbürgerschaft.

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