NHL? "Dachte, ich würde gedraftet werden"

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Der Traum lebt.

Konstantin Komarek glaubt daran, eines Tages in der NHL aufzulaufen. "Aufgeben darf man den Traum nie - solange man nicht über 30 Jahre alt ist schon gar nicht. Ich bin jetzt 23, ein paar Jahre halte ich den Traum am Leben", zeigt sich der Angreifer im LAOLA1-Interview kämpferisch.

Die NHL ist (möglicherweise) die Zukunft, die Gegenwart heißt EBEL. Und zwar EBEL-Finale. Mit Red Bull Salzburg kämpft der Wiener gegen den HC Znojmo um den seinen dritten Titel in Folge. In der "best of seven"-Serie steht es nach zwei Spielen 1:1. "Wir müssen die Strafen reduzieren und über die ganze Partie konstant spielen", nennt er das Erfolgsrezept, denn: "Wenn wir über 60 Minuten unser Spiel durchziehen, sind wir die bessere Mannschaft."

>>> EBEL-Finale: Spiel 3 zwischen EC Red Bull Salzburg und HC Orli Znojmo am Dienstag, 5.4., ab 19:30 Uhr im LIVE-TICKER<<<

Warum er trotz der besten Saison seiner Karriere mit sich hadert, er als Teenager überzeugt war, im NHL-Draft gezogen zu werden, bereits mit einem NHL-Team gesprochen hat, wie sein sensationelles Traum-Tor im Viertelfinale möglich war und ob er eine Ausstiegsklausel für sein erklärtes Ziel (Ausland) hat, verrät Konstantin Komarek im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: In der Finalserie gegen Znojmo steht es nach zwei Spielen 1:1. Wie lautet das erste Zwischenfazit?

Konstantin Komarek: Im ersten Spiel haben wir zwei recht gute Drittel – das erste und das zweite – abgeliefert. Im dritten haben sie schnell zwei Tore geschossen, das waren eigentlich zwei Eigenfehler von mir. Dann haben wir zum Glück im Powerplay noch das Siegtor geschossen. Auswärts haben wir in den ersten zwei Dritteln auch gut gespielt und hätten noch genug Möglichkeiten auf eine höhere Führung gehabt. Im dritten Drittel waren wir nicht gut genug – wir haben nachgelassen und waren zu passiv. Znojmo ist eine gute Mannschaft, hat das ausgenutzt, vier Tore in Serie geschossen und das Spiel gewonnen.

LAOLA1: Wie du angesprochen hast, habt ihr beide Male einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben. Purer Zufall oder gibt es eine Erklärung?

Komarek: Wir müssen einfach konstanter spielen. In den zwei Spielen waren wir zu inkonstant, wenn wir in Führung waren. Gegen Villach habe wir das – bis auf ein Spiel – sehr gut gemacht. Da haben wir mit der Führung im Rücken defensiv sehr gut gespielt, den Gegner nach außen gedrängt und nur wenige, ungefährliche Schüsse zugelassen. Wir müssen es über 60 Minuten durchziehen und nicht nur über 40.

LAOLA1: Wird Znojmo mit dem Rücken zur Wand gefährlicher?

Komarek: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben beide Male nachgelassen, in Spiel zwei zu viele Strafen genommen. Das hilft in so einer Situation auch nicht. Wir müssen die Strafen reduzieren und über die ganze Partie konstant spielen. Wenn wir über 60 Minuten unser Spiel durchziehen, sind wir die bessere Mannschaft.

LAOLA1: Ist so eine Niederlage auch ein mentaler Knicks?

Komarek: Nein, das sind die Playoffs. Keiner erwartet, die Serie mit 4:0 zu gewinnen. Jetzt haben wir auswärts verloren, das Heimrecht haben wir aber noch. Das nächste Spiel kommt schon wieder.

LAOLA1: Stichwort nächstes Spiel: Spiel 3 wird bei 1:1 oftmals als vorentscheidend betrachtet, wie siehst du das?

Komarek: Für uns ist es wichtig zu gewinnen, weil wir den Heimvorteil nicht aus der Hand geben wollen. Eine Vorentscheidung ist es nicht, wir waren gegen Villach auch mit 1:2 hinten. Es ist ein sehr wichtiges Spiel, jedes Heimspiel ist noch einmal mehr wert. Wenn wir unser Spiel durchziehen und die Strafen reduzieren, sind wir im 5 gegen 5 die bessere Mannschaft.

LAOLA1: Kommen wir zu deinen Leistungen. Wie würdest du diese in den zwei Finalspielen beurteilen?

Komarek: Eher mager, ich habe noch nicht so gut gespielt. Wie gesagt, die zwei Tore im ersten Spiel habe ich verschuldet, in der zweiten Partie war ich unauffällig. Offensiv war ich fast nicht vorhanden. Ich will der Mannschaft helfen und offensiv sowie defensiv etwas beitragen, in Wahrheit zählt der Sieg. Wenn wir als Mannschaft gut spielen und gewinnen, ist es mir ziemlich egal, ob ich gut oder schlecht spiele. Natürlich willst du als Spieler immer die bestmögliche Leistung abrufen, in den Playoffs ist es aber oberste Priorität, dass das Team gewinnt. Das ist es immer, in der Playoffs aber noch eine Spur mehr. Bis jetzt bin ich aber sehr unzufrieden mit mir selbst.

LAOLA1: Unzufrieden wirst du beim Blick auf den Grunddurchgang und die Playoffs aber sicher nicht sein, oder? Mit 17 Toren und 40 Punkten in nur 42 Spielen hast du in der Regular Season neue persönliche Bestmarken aufgestellt.

Komarek: Nein, es hat gepasst. Die erste Playoff-Serie war auch stark, in der zweiten habe ich nichts getroffen, hatte aber Chancen. Die Saison passt sehr gut, im Finale hat es bislang noch nicht geklickt. Solche Ups und Downs hat man eben manchmal.

LAOLA1: Würdest du die laufende Spielzeit als beste Saison deiner Karriere bezeichnen?

Komarek: Ich denke schon, dass ich den größten Sprung hingelegt habe. Ich habe den nächsten Schritt gemacht, im Powerplay viel Vertrauen bekommen und mich weiterentwickelt. Damit bin ich sehr zufrieden.

LAOLA1: Es war eine aufregende Saison, du warst immer wieder in den Schlagzeilen. Ende Jänner hast du gegen Znojmo den schnellsten Hattrick der Liga-Geschichte erzielt. Hast du das schon im Spiel mitbekommen?

Komarek: Während der Partie habe ich nur beim dritten Tor gewusst, dass ich einen Hattrick erzielt habe (lacht). Dass der so schnell war, habe ich nicht mitbekommen. Es war cool für mich, das geschafft zu haben, aber im Großen und Ganzen hat es nichts gebracht, weil wir das Spiel 6:7 verloren haben. Es war super, einiges hat in dieser Saison gut funktioniert.

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LAOLA1: Zum Beispiel dein Treffer im Viertelfinale gegen den KAC, als du dir die Scheibe hinter dem Tor auf die Schaufel gelegt und getroffen hast. Geplante Aktion oder spontane Eingabe?

Komarek: Dazu muss die perfekte Situation kommen. In dem Fall war es ideal, ich hatte etwas Speed, das Eis war noch gut, weil es noch früh im Drittel war. Dazu ist der Verteidiger nicht bei der Stange gestanden, also war der Weg für mich frei. Deswegen habe ich es gemacht. So etwas passiert – wenn man es erzwingt, geht es meistens nicht auf. Dann sieht es blöd aus. Einmal ist es mir davor schon gelungen. Wenn die Situation wieder so gut passt, könnte es schon nochmal funktionieren. Es ist eigentlich nichts, worüber ich nachdenke. Hoffentlich geht es noch einmal auf (lacht).

LAOLA1: Die Frage ist nur, für welchen Verein es dir in Zukunft gelingt. Bei vielen Sportlern gilt das Motto: „Das Ziel jedes Österreichs ist es, im Ausland zu spielen.“ Wie sieht das bei dir aus, willst du nochmals den Sprung ins Ausland wagen?

Komarek: Natürlich, es wäre schön, wieder einmal ins Ausland zu gehen. Ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich das Zeug dazu hätte. Jetzt wird man sehen, ob sich etwas öffnet und ob es das Richtige ist. Dann würde ich den Schritt schon gerne machen.

LAOLA1: Das ultimative Ziel eines jeden Eishockey-Spielers ist die NHL. Hast du diesen Traum noch im Hinterkopf?

Komarek: Der Traum ist es, irgendwann einmal in der NHL zu spielen. Aufgeben werde ich diesen Traum noch nicht. Man sieht es bei Thomas (Raffl/Anm.), er hat aus der österreichischen Liga einen One-Way-Vertrag mit 28 oder 29 Jahren bekommen. Ein Wahnsinn, wie viel Verletzungs-Pech er in dieser Saison hatte. Aber man sieht, dass man den Traum nie aufgeben sollte. Wenn man hart arbeitet, kann es immer passieren. Wenn eine Mannschaft genau das sucht, was du bist, kann es passieren – das bisschen Glück gehört dazu. Wenn man die Chance im Ausland bekommt, wird es „leichter“. Du hast mehr Leute und Scouts, die zusehen. Deswegen bekommt man eher einen NHL-Vertrag, wenn man in Schweden oder in Finnland spielt als in Österreich. Dafür ist es schwerer, dort zu spielen. Die Chance auf Nordamerika wird größer, wenn du in einer europäischen Top-Liga spielst.

 

LAOLA1: Wenn ich das richtig heraushöre, ist so eine „Zwischenstation“ bei einer europäischen Top-Liga dein nächstes Ziel, oder?

Komarek: Ja, das wäre mein nächstes Ziel. Schweden wären zum Beispiel super.

LAOLA1: Vor einigen Jahren warst du knapp an der NHL dran. Als Teenager hast du in Schweden bei Lulea aufgezeigt und wurdest in den Draft-Rankings geführt. Hast du damals damit gerechnet, gedraftet zu werden?

Komarek: Ja. Ich muss zugeben, dass ich damit gerechnet habe. Ich habe die Saison in der Kampfmannschaft und vor allem die Playoffs sehr gut gespielt. Dafür habe ich viel Anerkennung im Verein bekommen. Dann habe ich mit einem NHL-Team geredet. In den Rankings war ich in Europa um Rang 50, auch mein Manager hat die Signale gegeben, dass es funktionieren sollte. Es hat alles darauf hingedeutet, dass es funktionieren sollte. Das hat es nicht, die Saison darauf war verkorkst. Ich bin gut gestartet, am Ende der Saison habe ich nicht mehr viel gespielt und mich verletzt, dann hat es auch nicht geklappt.

LAOLA1: Aber du hättest den Schritt nach Nordamerika, zu den Juniors oder in die AHL, gewagt?

Komarek: Wenn ich gedraftet worden wäre, weiß ich nicht, ob sich meine Karriere großartig verändert hätte. Es ist schwer zu sagen, wie das gewesen wäre. Das NHL-Team ist ja dann für dich verantwortlich. Dadurch, dass ich in Schweden in der ersten Liga gespielt habe, denke ich nicht, dass mich ein NHL-Team zu den Juniors oder die AHL geschickt hätte. Ich wäre mit Sicherheit in Schweden geblieben. Gedraftet zu werden, wäre schön gewesen, es war ein Traum von mir. Leider hat es nicht funktioniert. Aufgeben darf man nie, vielleicht funktioniert es so.

LAOLA1: Du hast zuvor bereits angesprochen, dass Thomas Raffl sich über die EBEL für die NHL empfohlen hat. Machen dir auch andere Spieler wie Michael Raffl und Derek Ryan, die es über Zwischenstationen in die beste Liga der Welt geschafft haben, Mut?

Komarek: Genau. Michael ist in die zweite schwedische Liga gewechselt, hat sehr gut gespielt und dann in Philadelphia unterschrieben. Er hat sich hinaufgekämpft, kürzlich einen Bomben-Vertrag unterschrieben und ist einer der Fan-Lieblinge. Aufgeben darf man den Traum nie - solange man nicht über 30 Jahre alt ist schon gar nicht. Ich bin jetzt 23, ein paar Jahre halte ich den Traum am Leben.

LAOLA1: Dein Vertrag bei Red Bull Salzburg läuft noch bis 2017. Hast du dennoch die Option im Vertrag, schon im Sommer den Schritt ins Ausland zu wagen?

Komarek: Ja, diese Option würde es geben.

 

Das Gespräch führte Matthias Nemetz

 

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Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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