Abrechnung vor der heißen EBEL-Phase

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Fünf Monate, 324 Spiele – und dennoch startet die EBEL-Saison erst jetzt aufs Neue richtig durch.

Die Playoff-Teilnehmer stehen fest, für vier Teams endet der Weg an diesem Punkt. Die großen Überraschungen blieben aus, doch so eine spannende und enge Angelegenheit war die Liga noch selten!

LAOLA1 nimmt sich das Ende der Zwischenrunde zum Anlass, gemeinsam mit ServusTV-Experte Gregor Baumgartner einen Blick auf die Performance eines jeden EBEL-Vereins zu werfen – und Haltungsnoten zu vergeben. Wer hat die Erwartungen erfüllt? Wer hat enttäuscht?

RB Salzburg

Bewertung:

Salzburg wurde seiner Favoritenrolle gerecht, ohne restlos zu überzeugen. Der Kampf um den Grunddurchgangs-Sieg war für die Bullen gegen Linz ein härterer als erwartet, auch der Top-Pick wurde erst durch etwas Schützenhilfe gegen die Capitals abgesichert. Es steht jedoch außer Zweifel, dass der Liga-Krösus mit seinen Möglichkeiten die große Nummer in den Playoffs ist, die schwer viermal hintereinander zu schlagen sein wird.

Gregor Baumgartner: „Ganz so dominant wie 2014/15 schienen die Bullen nicht. Insbesondere die Performance in der eigenen Halle war auffällig, dort setzte es mehr Niederlagen. Trotzdem: Der Meister wird in den Playoffs schwer zu schlagen sein. Salzburg hat vier Linien zur Verfügung, zur Not auch noch eine fünfte. Das ist ein Vorteil, über den die anderen Teams nicht verfügen. Dazu ist Salzburg konditionell top. In den wichtigen Spielen gegen die besten Gegner ist man voll da.“


HC Znojmo

Bewertung:

Die Tschechen spielten ihre beste Saison in der EBEL. Einem starken Start in das Jahr, mitbedingt durch den früheren Vorbereitungsbeginn, folgten konstant gute Leistungen. Besonders offensiv wussten die Südmähren zu überzeugen, 157 Treffer markierten hinter Salzburg den zweithöchsten Wert im Grunddurchgang. Gekrönt wurde das Jahr schon jetzt – mit Platz zwei in der Pick Round und der Qualifikation für die Champions Hockey League.

Gregor Baumgartner: „Besonders auffällig war für mich die Steigerung jener Spieler, die sie bereits zur Verfügung hatten. Der gesamte Verein hat sich gut weiterentwickelt. Die punktuellen Verstärkungen haben voll eingeschlagen. Aber oft passiert es, dass Znojmo vom Spiel-Konzept abweicht, besonders, wenn etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Da entstehen gefährliche Situationen, und dann kassiert man viele Gegentore.“


Vienna Capitals

Bewertung:

Die Saison 2015/16 glich für die Vienna Capitals wie das Vorjahr einer Achterbahnfahrt. Um die Pick Round mussten die Wiener bis zuletzt kämpfen. Zwischenzeitliches Verletzungspech sorgte für wechselhafte Leistungen, die mit einer starken Phase zu Beginn des neuen Kalenderjahres (sechs Siege am Stück) vergessen gemacht werden konnten. Und die gute Form wurde in die Pick Round mitgenommen, die Caps waren bis wenige Minuten vor Ende des letzten Spiels auf dem Weg zum Top-Pick.

Gregor Baumgartner: „Aus dem Potenzial wird nicht immer alles rausgeholt. Wenn alle fit sind, ist die Truppe gut aufgestellt. Gerade in dieser Saison wurden Verletzungen aber zum Faktor. Die großen Fragezeichen sind für mich die Defensive und Torhüter Nathan Lawson, der schnell aus der Fassung gebracht wird. Dass man so zugelegt hat, könnte sich in den Playoffs bemerkbar machen. Ein paar Spieler haben in letzter Zeit steigende Tendenz gezeigt, besonders Matt Dzieduszycki, der mehr Output liefern konnte.“


HC Bozen

Bewertung:

Die Südtiroler sind die Überraschung der Saison. Erst zwei Wochen vor Liga-Start wurde ein Kader zusammengewürfelt, Vorbereitungsspiele gab es keine. Dementsprechend war mit einer katastrophalen Vorstellung zu rechnen – es kam anders. Die Füchse flogen auf konstant hohem Niveau unter dem allgemeinen Radar, in der Pick Round wechselten sich Sieg und Niederlage aber ab. Prognosen für die Playoffs sind daher schwer zu tätigen.

Gregor Baumgartner: „Der Kader wurde spät zusammengestellt, trotzdem konnte man mit allen Teams mitspielen und die Pick Round erreichen. Sie haben körperlich gute Spieler, die eisläuferisch gut aufgestellt sind. Das macht Bozen schwer zu bespielen. Dazu agieren die Südtiroler einigermaßen diszipliniert und führen aus, was Tom Pokel vorgibt. Das Hin und Her – Spielen sie? Spielen sie nicht? – ist aber negativ. Außerdem kommt der richtige Zuschauer-Zuspruch erst in den Playoffs auf.“


Black Wings Linz

Bewertung:

Lange Zeit waren die Black Wings härtester Salzburg-Verfolger, in der Pick Round folgte die Ernüchterung. Man rutschte aus den Top vier und vergab so das Heimrecht für das Viertelfinale. Es bleibt abzuwarten, ob den Stahlstädtern wieder in der finalen Phase der Meisterschaft etwas die Luft ausgeht. Sollte man auf Salzburg treffen, wäre aber eine spannende Serie garantiert – kein anderes Team konnte den Meister so beständig ärgern.

Gregor Baumgartner: „In der Zwischenrunde ist aufgefallen, dass in Linz der gleiche Fehler gemacht wurde, wie in den vergangenen Jahren. Viele Leistungsträger wurden einfach ‚überspielt‘. Die Abgänge wurden gut ersetzt, zudem konnte Andrew Kozek in die Bresche springen. Ich glaube trotzdem, dass die Offensive auf zu wenigen Spielern aufgebaut ist. Wenn ein Spieler in über 50 Partien nur zehn Treffer verbucht, ist sein Beitrag überschaubar.“


Dornbirner EC

Bewertung:

Für die Vorarlberger ist die Saison 2015/16 schon vor dem Playoff-Start als Erfolg zu bewerten. Im vierten EBEL-Jahr wurde erstmals die Pick Round und damit die direkte Qualifikation für die K.o.-Phase geschafft, und die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Viertelfinal-Aus von 2013/14 diesmal getoppt wird.

Gregor Baumgartner: „Wenn man mit so vielen Legionären in die Saison geht, müsste man eigentlich davon ausgehen, es fix in die Playoffs zu schaffen. So gesehen ist die erste Teilnahme an der Pick Round keine Überraschung für mich. Der Schlüssel war die stark verbesserte Defensive, auch die bereits vorhandenen Spieler haben hier einen Schritt nach vorne gemacht. Vermutlich hat Dave MacQueen besonderes Augenmerk darauf gelegt.“


VSV

Bewertung:

Der VSV war das Team der zweiten Saisonhälfte. Mit Greg Holst ersetzte der ehemalige Meister-Coach den glücklosen Hannu Järvenpää und lenkte die Adler ab Mitte November in die richtige Richtung. Just ein kurzer Durchhänger im Jänner, als vier Spiele hintereinander ohne Sieg beendet wurden, kostete den Villachern die Teilnahme an der Pick Round. In der Zwischenrunde ließ Blau-Weiß aber nichts mehr anbrennen, die Qualification Round wurde zum krassen Gegenteil der Pre-Playoff-Performance 2014/15, als man alle zehn Partien verlor.

Gregor Baumgartner: „Man hat vielleicht schon im Vorfeld gewusst, dass die Zeit von Hannu Järvenpää abgelaufen ist, aber nicht früher agiert. Die Rückkehr von Greg Holst ist positiv zu bewerten. Er setzt sehr auf junge Spieler, das ist für die ganze Liga gut. Man scheint immer mit seiner Arbeit zufrieden gewesen zu sein, nur hat sich vieles ‚abgelebt‘, das ist normal. Bei einem neuen Stamm scheinen die Motivationskünste wieder zu funktionieren.“


KAC

Bewertung:

„Willkommen in der Eishockeyhauptstadt!“, lautet die Begrüßung auf der KAC-Homepage. Diesem Selbstanspruch wurde man in Klagenfurt erneut nicht gerecht. Verstärkt wird die sportliche Krise durch die Unruhen im Umfeld samt Fanprotesten. Der Rekordmeister gab in Sachen Leistungen und Ergebnisse die Diva der Liga. Die Playoffs sind aber eine eigene Jahreszeit, und man darf fast davon ausgehen, dass die Rotjacken ein anderes Gesicht zeigen werden.

Gregor Baumgartner: „Der KAC spielte launisch, daher dürften viele Faktoren eine Rolle gespielt haben, die nicht auf das eigentliche Eishockey zurückzuführen sind. Mit einer homogenen Truppe hätte man die Probleme abschirmen können. Bei den Spielern gibt es verschiedene Typen, zum Beispiel die Meinungsführer – und wenn die gut drauf sind, wird eben gut gespielt. In den Playoffs kommt es oft zu einer Änderung, das Team will etwas gewinnen. Darum ist der KAC für die Playoffs wieder gefährlich. Trotz allem konnte man wie in den Jahren zuvor die Saison halbwegs retten.“


HC Innsbruck

Bewertung:

Der HC Innsbruck machte einen vermeintlichen Schritt nach vorne und durfte sich trotz des üblichen Abschneidens im Grunddurchgang noch berechtigte Hoffnungen auf den Playoff-Platz machen. Zieht man die Tatsache in Betracht, dass die Ambitionen vor dieser Saison in die Höhe geschraubt und Investitionen getätigt wurden, blieb das Abschneiden aber eine Enttäuschung. Für nächstes Jahr darf man sich auf einen neuerlichen Umbruch einstellen.

Gregor Baumgartner: „Man hat das Gefühl, dass es keine Entwicklungsrichtung gibt. Immer nur im hinteren Feld herumzugurken, kann nicht Zweck der Sache sein. Man hat in Innsbruck noch keine Mischung aus jungen Spielern und Legionären gefunden. Es wurde mehr Geld in die Hand genommen, aber das Resultat hat sich nur geringfügig verbessert. Die Legionäre wurden einfach ‚überspielt‘. Wenn man die ganze Saison mit zweieinhalb brauchbaren Linien agiert, kann man selten über 60 Minuten mithalten.“


Fehervar AV19

Bewertung:

Der östlichste EBEL-Klub rutschte binnen eines Jahres vom Pick-Round-Teilnehmer zum Nachzügler ab. Nach einer schlechteren Phase wurde Coach Rob Pallin durch den beim VSV entlassenen Hannu Järvenpää ersetzt. Besserung setzte keine ein. In der Qualification Round verschwanden letzte Playoff-Hoffnungen, was bei Fehervar nur das Fazit einer verkorksten Saison zulässt. Bezeichnend war, dass Andrew Sarauer – Topscorer der Liga 2014/15 – auch verletzungsbedingt nicht einmal auf ein Drittel seiner Tor- und Punkte-Bilanz aus dem Vorjahr kam.

Gregor Baumgartner: „Das Problem war der Leistungsabfall jener Spieler, die 2014/15 den Unterschied ausgemacht haben. Abgesehen davon war oft genug eine gewisse Lustlosigkeit zu spüren. Das resultierte im Trainerwechsel, aber es war nicht notwendig, wegen einer Schwächephase alles umzuwerfen. Positiv ist hingegen, dass auch in Ungarn das Ausländerkontingent limitiert gehalten wird. Ich denke, dass 2015/16 ein Ausrutscher war.“


Graz99ers

Bewertung:

Die Graz99ers verbauten sich die Chance durch Inkonstanz selbst. Eine Pleitenserie Anfang Oktober wurde Todd Björkstrand zum Verhängnis, unter Neo-Coach Ivo Jan setzte nur ein kurzzeitiger Trainereffekt ein. Ein Aufbäumen in der Qualification Round kam zu spät. Positiv: Die Verträge mit Trainer und Torhüter Sebastian Dahm, dänischer Nationalspieler und EBEL-Top-Goalie, wurden vor kurzem verlängert. Zusammen mit der nun angehenden Hallenrenovierung eine erste Weichenstellung für eine bessere Saison 2016/17.

Gregor Baumgartner: „Auch in Graz hat man nicht das Gefühl, dass ein Konzept vorhanden wäre. Es wird ‚vor sich hin gearbeitet‘: Einen Monat nach Beginn der Saison wurden erste Spieler ausgetauscht. So kann kein Gefüge entstehen. Vielleicht bräuchte es einen Neustart mit Vision und Personalien, die strategische Schritte setzen. Mit Ivo Jan zu arbeiten, ist ein guter Anfang. Er kann gut mit jungen Spielern und hat Zugang zu ihnen. Jetzt braucht es eine sportliche Leitung, mit der er zusammenarbeiten kann.“


Olimpija Ljubljana

 Bewertung:

Die Performance in dieser Saison wird vom chronischen Schlusslicht in Zukunft nur schwer zu unterbieten sein. 25 Punkte, 17 weniger als der Vorletzte Innsbruck, verbuchten die Slowenen in den ersten 44 Spielen. In sämtlichen relevanten Team-Statistiken finden sich die „Drachen“ am Ende wieder – leider auch beim Zuschauerschnitt, der es nicht in den vierstelligen Bereich schaffte. Früh machten sich Meldungen breit, dass Ljubljana mit Gehältern schwer im Verzug sei, zu mancher Auswärtspartie trat man nur mit einer Rumpftruppe an.

Gregor Baumgartner: „Man agiert mit Spielern, die kein Geld bekommen, keine Zuschauer in der Halle haben und vermutlich auch in Sachen Ausrüstung sehr knappe Gegebenheiten vorfinden. Trotzdem kämpfen sie herzhaft. Daher müsste man ihnen fast die Höchstnote geben. Positiv hervorzuheben ist Ex-Trainer Fabian Dahlem. Denn wie motiviere ich Spieler, die kein Geld sehen? Man muss sich die Frage stellen, ob Ljubljana abseits des Sportlichen EBEL-tauglich ist. Ich würde mir eine Kooperation mit Jesenice wünschen.“

 

Johannes Bauer


LAOLA Meins

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