Vier Eishockey-Spiele unter der Experten-Lupe

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Keiner ist am österreichischen Eishockey näher dran als Bernd Freimüller.

Der LAOLA1-Scout nahm in den vergangenen Tagen drei EBEL-Spiele und ein INL-Match genauer unter die Lupe.

Die Expertise und Einschätzung von Teams und Spieler.

 

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HC Znojmo – RB Salzburg (17.11., 4:1)

 
Selten habe ich Salzburg so lull und lall gesehen. Znojmo, obwohl auch nicht in Hochform, kam zu einem ungefährdeten Sieg. Natürlich hatten die Gäste fünf Ausfälle, das erklärt aber nicht, warum sie überhaupt nicht eisliefen. Bezeichnend: Dominique Heinrich, wegen dem eigens ein NHL-Scout aus Schweden angereist war, hatte keinen einzigen seiner patentierten Rushes im Angebot.
 
Wie so oft schwach: Legionär Benn Ferriero. In der AHL bis zu seiner Verletzung in der Vor-Saison ein Speedster mit gutem Motor und Arbeitseinstellung, hier kann er sich in Zweikämpfen kaum durchsetzen. Bleibt abzuwarten, ob er der Anmeldung von Luciano Aquino zum Opfer fällt, die Salzburger haben derzeit 57 Punkte verbraucht. Die Sonderregelung, dass ein Spieler, der sich beim Nationalteam verletzt hat, ohne Tauschvorgang ersetzt werden kann, greift hier nicht: Zwar träfe das auf Konstantin Komarek (fällt noch bis Mitte Dezember aus) zu, doch die Punktedifferenz zwischen ihm als Nullpunkter und einem Legionär käme trotzdem zum Tragen.
 
Durch die Verletzungen profitiert Center Marco Brucker inklusive Fixplatz und mehr Eiszeit: Ein verlässlicher Zwei-Weg-Spieler mit guten Pässen, etwas mehr Dynamik wäre ihm zu wünschen. Ihm würde ein Tapetenwechsel nach der Saison gut tun, er könnte bei  jedem EBEL-Team einen soliden Dritt-Linien-Center abgeben. Eine offensive Explosion wie bei Fabio Hofer traue ich ihm nicht zu, eine Leistungssteigerung ist aber auf jeden Fall noch drin.
 
Florian Baltram und Peter Hochkofler kamen in Ermangelung eines vierten Centers nur zu einer Handvoll Shifts, zeigten aber trotzdem gutes Upside. Baltram sollte bei der Junioren-WM in Wien eine Stütze sein, bei Hochkofler ist eine Karriere im Nationalteam leider noch vier Jahre entfernt. Der gebürtige Italiener bekam erst im Sommer den österreichischen Pass, spielte zuvor einige Junioren-WMs für Italien.
 
Znojmos Jan Lattner läuft neuerdings als Center auf, hat es damit geschafft, alle Feldspieler-Positionen in der EBEL einzunehmen. Sein österreichisches Pendant: Mario Fischer von den Caps.

 

HC Znojmo – HC Innsbruck (20.11., 5:2)

Nach einem Zwischenspurt im zweiten Drittel mit zwei Powerplay-Toren innerhalb von 44 Sekunden war die Partie für Znojmo eigentlich entschieden. Ärgerlich hier die zweite Strafe für Innsbruck: Ondrej Sedivy, ohnehin ein Hasenfuß, dreht sich aus Angst mit dem Rücken in Nick Ross hinein, Bandencheck war eine dubiose Auslegung dieser Szene durch Head Ladi Smetana. Er riss wie immer im Duo das Ruder an sich, der dänische Gastreferee Jonas Reimer war meist nur Beiwagerl. Zu Recht, denn im Sonntagspiel in Wien zeigte sich Reimer dann völlig überfordert.

Wie fiel Hunter Bishops Debüt aus? Ziemlich gut – er zeigte seinen exzellenten Antritt, war immer für Pässe bereit und trug den Puck auch ins Angriffsdrittel. Im Abschluss (zwei gute Chancen) waren seine Hände noch nicht auf Spieltempo.

Einer der vielen Unterschiede in der Eishockey-Kultur zwischen Tschechien und Österreich: Während bei uns von Triplepacks geredet wird, fand sich bei David Bartos Hat-trick-Treffer sogar eine Kappe auf dem Eis wieder. Eine schöne Tradition, wenn auch im Sparmodus…

Es wird viel von Znojmos Tempo und Talent geschwärmt, die Tschechen kommen wie in diesem Spiel aber auch durch viele Weitschüsse – ob abgefälscht oder nicht – zum Erfolg. Lubomir Stach, Antonin Boruta und Jakub Stehlik sind drei durchaus schussstarke Defender. Dazu kommt noch Libor Sulak, groß und gleichzeitig einer der dynamischsten Verteidiger der Liga. Ein Rush führte fast zu einem Breakaway, außerdem hat er die Mobilität, um sich schnell von der Seitenbande zur Mitte der blauen Linie zu orientieren. Defensiv leidet er noch ab und zu unter Orientierungsproblemen, tendiert auch dazu, sich durch übermäßiges Pokechecking im Vornüberbeugen zu sehr auf die Vorderfüße zu stellen und dadurch bei 1-1-Duellen verwundbar zu sein. Die Positiva überwiegen aber bei weitem, Sports Manager Rossi Docekal entdeckte ihn beim tschechischen Aufsteiger Chomutov.

Znojmo sollte den Playoff-Einzug ohne Probleme schaffen, ob es dort mehr als zum jährlichen Erstrunden-Ausscheiden reicht? Wer sah, wie Goalie Patrik Nechvatal bei den beiden Gegentreffern seinen Körper weit öffnete, muss Bedenken haben…

Kapfenberg  - Bregenzerwald (21.11., 3:2 n. P.)

Ein Abstecher in die INL, durch sehr interessante Lineups schmackhaft gemacht: Beide Teams mit Unmengen von Spielern, die in den letzten Jahren oder heuer in der EBEL spielten oder dort zumindest auf Kaderblättern angeführt wurden. Bei Bregenzerwald logisch, sind sie doch Dornbirns Farmteam. Christoph Duller, Georg Waldhauser, Philipp Kreuzer, Philip Putnik und Florian Kurath sammeln hier Spielpraxis, solange sie in der EBEL nicht gebraucht werden. Von diesem Quartett hat der kräftige Duller die besten Profi-Voraussetzungen. Fehlerlos im Tor bei seinem ersten Einsatz: KAC-Leihgabe Thomas Stroj, für den es noch um einen Platz im Aufgebot für die Junioren-WM geht.

Kapfenberg, nach dem finanziellen Chaos der Vorsaison unter neuer, bemühter Führung, ist das Auffangbecken für Spieler, die ebenfalls Spielpraxis brauchen oder schon ganz aus der EBEL gepurzelt sind. Goalie Dominik Frank, Mario Petrovitz und Leon Konecny sind Graz-Leihgaben, ebenfalls ausgeliehen: Philipp Cirtek vom KAC und Sascha Bauer von den Capitals.

Von all diesen Youngsters am interessantesten: Stefan Trost, bis jetzt auch bester Kapfenberger Torschütze. Ein 96-er mit durchaus brauchbarer Physis und guten Puck-Skills. Ab und zu mit zu wenig Übersicht, aber torgefährlich und mit einem guten Schuss ausgestattet. Im Junioren-Nationalteam nur auf Abruf, aber er könnte zumindest auf Probe für EBEL-Teams ein Thema sein.

Der größte Unterschied zwischen der EBEL und der INL? Vor allem der Raum, den die Spieler haben, der Druck auf den Puck-Führenden erfolgt eben weiter später oder gar nicht. Dadurch kommen die Spieler auf längere Puck-Besitzzeiten, allerdings versanden viele Rushes auch aufgrund von mangelnder Übersicht oder technischen Mängeln. Vor allem zu Beginn muss man ab und zu nachzählen, aber auch wenn es nach 4-4-Hockey aussieht, herrscht schon Vollbestand am Eis. Das Tempo ist aber durchaus annehmbar, vor allem aufgrund der Jugend der meisten Akteure. Auch bemerkenswert: Kapfenberg kommt ganz ohne Legionäre aus, Bregenzerwald hatte aufgrund von Verletzungen nur Stürmer Linus Lundström an Bord und der war ein reiner Mitläufer. Eventuelle EBEL-Tiefenspieler finden sich hier sicher, größere Beiträge würde ich aber kaum jemandem zutrauen.

Vienna Capitals – Fehervar AV19 (22.11., 2:3)

Sechs Siege en suite, fünf davon nach der Pause – man könnte meinen, Fehervar agiert in Überform und schöpft aus dem Vollen. Weit davon entfernt: Die Ungarn sind verletzungsgebeutelt wie kein anderes Team der Liga, machen aber daraus nicht so viel Aufhebens. So fehlten am Freitag gegen den KAC bereits sechs Cracks, am Sonntag kamen dann noch zwei dazu. Und nicht irgendwelche Hinterbänkler: Mit Frank Sarauer, Istvan Bartalis, Chris Francis und Ladislav Sikorcin die Center eins bis vier (was für eine Achse eigentlich!). Dazu Oldboy Franky Banham (gebrochener Knöchel), Ryan Kinasewich sowie die Defender Arnold Varga und Bence Sziranyi, der am Spieltag erkrankte.

Mit fünf Defendern und zehn Stürmern war in Wien eine Wagenburg-Taktik angesagt, vor allem im ersten und letzten Drittel mussten sich die Ungarn auf einen überragenden Goalie Miklos Rajna verlassen. Die Marsch-Route von Coach Rob Pallin: Den ersten Schuss zulassen, aber alle Rebounds und Deflections wegnehmen. Rajna, Glück und eine Reihe von Fahrkarten der Caps-Stürmer sicherten den Sieg, allerdings waren die Ungarn in Breaks stets gefährlich. Zum aufopfernden Kampfgeist und dem vielarmigen Goalie kam auch noch eine Reihe von taktischen Tricks: Die Wechselzeiten wurden ausgedehnt und flexibel gestaltet, Rajna dann noch mit einem zufälligen Ausrüstungsmangel – alles auf Kosten des Spielflusses, alles mit gütiger Duldung der Refs, alles sehr clever gemacht.

Können die Ungarn noch die Top-6 schaffen? In voller Besetzung wären sie ein Fixkandidat, aber die letzten Wochen müssen doch viel Kraft gekostet haben. Allerdings sollten zumindest Francis und Sziranyi bis zum nächsten Roadtrip in den Westen zurückkehren, Bartalis und Sikorcin dann eine Woche später.  

Überragend bei Fehervar: Kevin Wehrs, einer der mobilsten Defender der Liga. Er kann unter Druck „reversen“, sprich die Scheibe abdecken und den Aufbau neu beginnen. Ein sehr guter „Four-Way-Skater“ mit der Kraft der zwei Herzen, einzig im Powerplay sollte man ihn nicht mit einer zu großen Rolle betreuen. Für einen Spieler, den Pallin aus Rumänien holte, eigentlich sensationell…

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Bernd Freimüller

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