Eberhard: "Die nächsten Tage werden hart"

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Jubel, Trubel, Heiterkeit.

25.000 Zuschauer pilgerten zum Holmenkollen, um sich die Herren-Staffel bei der Biathlon-WM nicht entgehen zu lassen.

Schlussendlich wurden sie dafür mit einem spektakulären Rennen belohnt, das Gastgeber Norwegen die Goldmedaille bescherte.

Ole Einar Björndalen, Tarjei und Johannes Thingnes Boe sowie Emil Hegle Svendsen verwiesen Titelverteidiger Deutschland und Sensationsteam Kanada auf die weiteren Medaillenränge.

Im Lager der Österreicher herrschte Traurigkeit, am Ende blieb nur der undankbare vierte Platz. Fans der rot-weiß-roten Loipenjäger erlebten ein Wechselbad der Gefühle, wie LAOLA1 mithilfe der vier Beteiligten - Sven Grossegger, Simon Eder, Julian Eberhard und Dominik Landertinger - noch einmal skizziert.

GROSSEGGER VERHINDERT DAS SCHLIMMSTE

Startläufer Sven Grossegger wurde zuletzt im Einzel geschont, nachdem ihm die Müdigkeit nach einer langen Saison spürbar anzumerken war. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn läuferisch war der Salzburger wieder auf der Höhe.

Am Schießstand lief es zunächst wie gewünscht, der 28-Jährige blieb liegend fehlerfrei und kam gemeinsam mit den Top-Nationen zum Stehendanschlag. Dort ließ er das Herz aller Beteiligten höher schlagen, denn nur zwei von fünf Schüssen fanden das Ziel. Frühzeitig schien alles vorbei, doch Grossegger behielt die Nerven und ließ mit seinen drei Nachladern die Scheiben doch noch fallen.

„Ich sollte in Schlagdistanz bleiben, das habe ich geschafft“, resümierte er, nachdem er als 15. mit 32,1 Sekunden Rückstand übergab. Klar war aber auch, dass es „schön gewesen wäre, wenn ich stehend die Nachlader nicht gebraucht hätte.“

Als Ursache dafür machte er „brutale Positionskämpfe“ aus. Der Salzburger läuft gerne in seinem Rhythmus, kam aber auf den ersten beiden Runden nicht dazu. „Das war ein katastrophales Laufen, aber generell war mein Rennen okay.“

EDER MIT FURIOSER AUFHOLJAGD

Simon Eder, nach Einzel-Bronze voller Selbstvertrauen, knabberte Sekunde um Sekunde vom Vorsprung ab. Liegend musste er von einem Nachlader Gebrauch machen, stehend gelang ihm eine sensationelle Serie mit fünf Treffern.

Der 33-Jährige hielt sich auch in der 2,5 Kilometer langen Loipe mit Tausenden Zuschauern, die für richtig Alarm sorgten, schadlos und brachte das ÖSV-Team wieder auf Tuchfühlung mit den Medaillenrängen.

„Das Rennen hat super gepasst, da war nicht mehr rauszuholen“, erklärte der Saalfeldener, nachdem er mit nur 7,3 Sekunden Rückstand als Vierter an Julian Eberhard übergab. Dabei hatte er ein Missgeschick zu verdauen, das Zeit kostete. „Meine Skispitze ist gebrochen, ich bin wohl irgendwo dagegen gefahren. Zugleich erklärte Eder, dass es am Schießstand nicht leicht war. „Es ist dort beinhart, auch für mich.“

EBERHARD UND DAS SPIEGELBILD

Die ÖSV-Taktik, Eder auf Position zwei zu bringen, ging voll auf, das Rennen startete sozusagen noch einmal neu. Eberhard war in der Loipe die erwartete Bank und hielt das Tempo seiner Vorderleute problemlos.

Am Schießstand hieß es dann zittern, denn der 29-Jährige hat ebendort regelmäßig seine Probleme. Liegend kam er mit zwei Nachladern durch, doch stehend konnte er die Strafrunde nicht verhindern. Mit einer famosen Schlussrunde machte er zwar wieder jede Menge Zeit auf Deutschland und Kanada gut, doch die Lücke zu den Medaillenrängen war nun beträchtlich und betrug 34 Sekunden.

„Ich bin schlecht in den Rhythmus gekommen und hatte von Anfang an Probleme“, merkte der geknickte ÖSV-Athlet an. Die letzte Runde sei er mit einer Menge Wut im Bauch gelaufen. Schlussendlich war es ein Spiegelbild der Saison, wie er anmerkte, „inklusive meiner Strafrunde. Das war einfach zu wenig, um eine Medaille zu holen.“

Von den Kollegen gab es keine Vorwürfe, denn jeder einzelne von ihnen weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, eine Strafrunde zu drehen, Eberhard wird dennoch eine Weile daran zu knabbern haben. „Natürlich war das nicht optimal. Ich habe mein Bestes gegeben, das wissen alle, aber die nächsten Tage werden hart für mich. Das gehört aber auch zum Sport dazu.“

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LANDERTINGER HOLTE DAS MAXIMUM RAUS

Mit 1:08 Minuten Verspätung wurde Dominik Landertinger ins Rennen geschickt. Die Medaillen waren zwar weit weg, doch im Biathlon weiß man, dass bis zum letzten Schießen so gut wie alles möglich ist.

Insofern machte der Einzel-Vize-Weltmeister mit dem Tschechen Michal Slesingr gemeinsame Sache und wechselte sich in der Tempoarbeit bei der Verfolgungsjagd regelmäßig ab. Mit der Waffe bewies er einmal mehr Präzision, liegend blieb er fehlerfrei, stehend kam er mit einem Nachlader durch.

Da jedoch auch die führenden Nationen Norwegen, Deutschland und Kanada keine Schwäche zeigten und einen richtig starken Tag erwischten, war für den Tiroler nicht mehr drin als der vierte Platz, den er im Zielsprint gegen Slesingr behauptete.

„Mein Rennen hat gut gepasst. Slesingr hat sich echt gewehrt, aber ich habe ihn zum Glück geputzt“, fasst er seinen Auftritt zusammen. Der Ärger über das verpasste Edelmetall mag groß gewesen sein, doch der 27-Jährige bewies echte Charakterstärke und fand ausschließlich lobende Worte für die überraschend starken Kanadier.

„Sicher wäre eine Medaille schön gewesen, aber die anderen waren einfach besser. Ich vergönne es den Kanadiern voll, sie hatten noch nie eine Staffel-Medaille. Das ist einfach cool, weil die auch richtig hart arbeiten. Sie haben ein gutes Team und heute ging ihnen eben alles auf, da muss man fair gratulieren.“

Im abschließenden Massenstart am Sonntag, in dem auch Simon Eder seinen letzten WM-Auftritt in Oslo absolvieren wird, will er aber nicht anderen gratulieren, sondern wie am Donnerstag Glückwünsche der Konkurrenz entgegen nehmen.

Aus Oslo berichtet Christoph Nister

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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