Floimair: "Umfeld ist professioneller geworden"

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Knapp drei Wochen nach Alexander Antonitsch feiert eine weitere österreichische Tennis-Größe vergangener Tage ihren 50. Geburtstag.

Judith Floimair (vormals Wiesner), ehemalige Nummer zwölf der Welt, fünffache WTA-Turniersiegerin und zweifache Major-Viertelfinalistin, wird ihren Ehrentag am Mittwoch (2.3.) mit ihrem Mann in Südafrika verbringen.

Floimair urlaubt jedes Jahr im Winter etwas nördlich von Kapstadt nahe Stellenbosch, diesmal gleich zwei Monate lang.

Im Gespräch mit der APA spricht die Salzburgerin über das Tennis damals und heute, die österreichische Mentalität, sich nur für Sportarten zu interessieren, in denen Rot-weiß-rot erfolgreich ist, und die damit verbundene Wichtigkeit des Aufstiegs von Dominic Thiem.

Floimair spielt seit Jahren kein Tennis mehr, und ist diesem Sport nur noch als Turnierbotschafterin des WTA-Turniers in Bad Gastein verbunden. In den vergangenen Jahren hat sie wieder zu ihrer zweiten sportlichen Leidenschaft, dem Golf, zurückgefunden.

Frage: Wenn Sie sich an ihre aktive Tennis-Zeit zurückerinnern, was fällt Ihnen da als Erstes ein?

Judith Floimair: "Es ist ein bisserl beunruhigend, wie schnell die Zeit vergeht (lacht). Mir fällt noch vieles ein, aber das Witzigste ist, dass ich in letzten Jahren vom Tennis träume. So Sachen wie, dass ich den Platz nicht finde, oder die Schläger nicht bespannt sind. Da muss eine gewisse Angst da gewesen sein, dass das einmal passieren könnte."

Frage: Obwohl Sie sich auf dem Platz ja durchaus auch positive Träume erfüllt haben.

Floimair: "Ja, sicher. Das war ja keine geplante Karriere. Da hast du einfach Tennis gespielt und dann sitzt du vor dem Fernseher, siehst Paris und träumst davon, auch einmal dort zu spielen. Ich glaube, es steht keiner da mit 13 und sagt, 'ich möchte gerne eine Million Dollar' verdienen."

Frage: Glauben Sie, dass es heute noch möglich ist, Karrieren nicht schon "von der Wiege" aus zu planen?

Floimair: "Vielleicht schon, vielleicht fehlt gerade das. Als ich älter war, hat es schon angefangen. Wie der Vater von (Jennifer) Capriati gesagt hat: es war schon klar, als die Mutter schwanger war - das Kind wird Tennisspielerin. Ich finde es halt anders schöner. Es ist romantischer, wenn man sagt, man spielt einfach gern und dann erfüllt sich so etwas."

Frage: Ärgern Sie sich heute noch, dass es damals mit den Top Ten knapp nichts geworden ist?

Floimair: "Jetzt muss alles wurscht sein (lacht). Damals war ich knapp dran, aber wir mussten mit dem blöden System herumtaktieren. Wenn man ein 15. Turnier gespielt hat, dann hat man sich den Schnitt zusammen gehaut. Und dann habe ich 1996 bewusst ein Turnier gespielt, weil ich ja noch ins Masters kommen wollte. Aber es war eine bewusste Entscheidung."

Frage: Sie haben fünf WTA-Titel gewonnen, aber das Finale von Key Biscayne (Miami) war da dennoch wertvoller, oder?

Floimair: "Ja, schon. Das war eine Riesengeschichte für mich. Die Amerikaner wollten ja dieses Turnier eine Zeit lang zum fünften Grand-Slam-Turnier machen. Da habe ich, glaube ich, drei Top-Ten-Spielerinnen auf dem Weg geschlagen (die Nummern 11, 8 und 9, Anm.) und das war schon sensationell."

Frage: Und bei den Majors haben Sie im Jahr vor dem Aufhören die größten Erfolge mit Viertelfinali in Wimbledon und bei den US Open (1996) gefeiert.

Floimair: "Das war sicher meine beste Saison. Ich habe geglaubt, dass ich da noch etwas drauflegen kann, habe dann aber leider 1997 in Australien einen Hitzeschlag ausgefasst und in Miami ein Pfeiffersches Drüsenfieber bekommen."

Frage: Kann man das Tennis von damals mit jenem von heute noch vergleichen?

Floimair (lacht): "Nein. Es ist professionalisiert von klein auf, wir haben halt einfach Tennis gespielt. Als ich 19 war und mit der Schule aufgehört habe, habe ich alles gemacht, aber da bist du schon erwachsen. Es ist auch alles so handgestrickt gewesen. Zum Beispiel bei der medizinischen Betreuung: Ich bin zum Arzt gegangen, wenn es mir schlecht gegangen ist. Das ganze Umfeld ist viel professioneller, das wirkt sich auch in der Qualität aus."

Frage: Leidet beim modernen Powertennis nicht der Spielwitz?

Floimair: "Der geht bei dem Tempo natürlich unter. Wer zuerst das Kommando übernimmt, entweder vom Aufschlag oder vom Return weg, gewinnt meistens auch den Ballwechsel. Wir haben in meiner Jugend gelernt, den Ball zuerst ins Feld zu spielen und keine Fehler zu machen."

Frage: In Österreich sieht es beim Damentennis derzeit trist aus. Was kann man tun?

Floimair: "Österreich ist immer noch ein kleines Land mit relativ wenig Ressourcen und aus meiner Zeit beim ÖTV weiß ich ja, dass eigentlich kein Geld da ist. Ich glaube, es ist im Moment noch viel schwieriger. (Damen)Tennis ist in den letzten Jahren auch von den Medien stiefmütterlich behandelt worden, weil man geglaubt hat, es ist nicht wichtig, wenn keine Österreicherin gut ist. Was ein schwerwiegender Fehler ist, weil es einfach eine Weltsportart ist und anders behandelt gehört. Hier in Südafrika ist Tennis immer noch eine der ganz großen Sportarten."

Frage: Was würden Sie derzeit als ihren Lebensinhalt bezeichnen?

Floimair: "Mein Mann ist in Pension und wir haben beschlossen, wir möchten die Zeit gemeinsam verbringen. Wir machen das, was uns Spaß macht und sind Zuhause."

"Er muss jetzt unglaubliches Selbstvertrauen haben. Man kann es sich nur wünschen, dass es so weitergeht. Das Potenzial für die Top Ten hat er sicher. Es wäre für das Tennis in Österreich grundsätzlich wichtig, wenn sich wieder einmal einer vorne festsetzen könnte."

Floimair über Thiems Erfolgslauf

 Frage: Verfolgen Sie den Aufstieg von Dominic Thiem?

Floimair: "Natürlich. Die letzten drei Wochen waren ein Super-Lauf. Er muss jetzt unglaubliches Selbstvertrauen haben. Man kann es sich nur wünschen, dass es so weitergeht. Das Potenzial für die Top Ten hat er sicher. Es wäre für das Tennis in Österreich grundsätzlich wichtig, wenn sich wieder einmal einer vorne festsetzen könnte. Wir sind so ein Land, wo es immer nur darum geht, wenn von uns niemand was gewinnt, dann interessiert uns das alles nicht."

Frage: Es scheitert also auch an der Mentalität?

Floimair: "Es geht um das grundsätzliche Sportinteresse. Es ist halt auch ein way of life. Hier machen die Kinder nach der Schule jeden Tag Sport, das ist eine ganz andere Lebenseinstellung als bei uns. Wenn die so aufwachsen, interessieren sie sich ihr Leben lang für Sport."

Frage: Wie wäre es mit einem Job in der Sportpolitik?

Floimair (lacht): "Ich bin ja kein Masochist!"

Frage:Sie werden in Südafrika feiern. Haben Sie einen Wunsch?

Floimair: "Das war ja eine bewusste Entscheidung. Ich bin nicht so der Feier-Typ. Ich finde, dass das Geburtstagskind immer am wenigsten von diesen großen Feiern hat. Ich habe es gern ruhig und wir werden das ganz gemütlich angehen. Mir geht es gut, ich bin glücklich, mit mir selbst im Reinen und gesund - ein Wunsch fällt mir gar keiner ein."

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