Köllerer: "Schnauze voll von diesem Dreckstennis"

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Um klare Worte war Daniel Köllerer noch nie verlegen, nun knöpft er sich die ATP vor.

Der Oberösterreicher wurde 2011 von der Vereinigung der Tennisspieler wegen Spielmanipulation lebenslänglich gesperrt. Nach Bekanntwerden des wohl größten Betrugsskandals in diesem Sport schlägt er zurück: "Die ATP ist eine Mafia", schimpft der 32-Jährige im "Blick".

Der Verband habe sein Leben zerstört und würde die Stars schützen. "Ich habe die Schnauze voll von diesem Dreckstennis!"

Köllerer: Unwichtige Spieler werden geopfert

Wirklich überrascht zeigt sich der Welser nicht davon, dass laut Berichten der "BBC" und von "BuzzFeed" 16 aktuelle und ehemalige Top-50-Spieler, darunter auch ein Einzel-Grand-Slam-Gewinner, am größten Betrugsskandal im Tennis beteiligt sein sollen.

Schockierend sei allerdings, "dass auch Top-4-Spieler Spiele manipuliert haben sollen". Das kann er sich schwer vorstellen, da Leute wie Novak Djokovic das finanziell nicht nötig haben. Selbst wenn, geht Köllerer davon aus, dass die ATP die Hand über ihre Stars halten würde.

"Obwohl ich nicht glaube, dass solche Top-Spieler manipulieren, wäre das für die ATP wie Selbstmord. Top-Spieler werden geschützt, die unwichtigen geopfert."

ATP im Fokus: Einige dürfen mehr als andere

Köllerer ist sich "hundertprozentig" sicher, dass es Spieler gibt, die sich deutlich mehr erlauben können als andere. Der ehemalige Promi-Big-Brother-Kandidat spricht von Arschkriechern, die damit ihren Kopf retten wollen und anderen, derer man sich entledigen möchte. "Die ganze Organisation ist für den Arsch!"

Zwar will er keine konkreten Namen nennen, doch angesprochen auf den ehemaligen US-Open-Sieger Marin Cilic, vertritt er eine klare Meinung. Dieser wurde wegen Dopingmissbrauchs 2013 für nur neun Monate gesperrt, kehrte 2014 auf die Tour zurück und triumphierte bei einem der bedeutendsten Turniere der Welt.

"Seien Sie mir nicht böse", erklärt die ehemalige Nummer 55 der Welt dem "Blick", "aber da weiß doch jeder mit einem IQ einer Waschmaschine, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht."

Köllerer: "Ich bin das Arschloch der Nation"

Er selbst wurde im Mai 2011 nach zweijährigen Ermittlungen aus dem Verkehr gezogen und darf nie wieder an Turnieren teilnehmen. Eine Geldstrafe über 100.000 Dollar wurde ihm in einer Berufungsverhandlung erlassen.

Aus der Sicht von "Crazy Dani", der am Platz gern mal über die Stränge schlug und zahlreiche Verwarnungen und Disqualifikationen kassierte, ein Witz. "Ich bin einfach das Arschloch der Nation", hält er fest. Er wurde angeprangert, um andere aufzurütteln. "Ich war der ATP ein Dorn im Auge. So konnten sie mich öffentlich zur Schau stellen."

"Seien Sie mir nicht böse, aber da weiß doch jeder mit einem IQ einer Waschmaschine, dass das nicht mit rechten Dingen zugeht."

Daniel Köllerer

100.000 Dollar für eine Niederlage gegen Massu

Bis heute bestreitet Köllerer, betrogen zu haben, berichtet jedoch davon, wie man ihn ins Boot holen wollte. "Bei einem Spiel gegen (Nikolay) Davidenko bot man mir 50.000 Dollar, das gleiche bei einem Spiel gegen (Janko) Tipsarevic." Für eine Niederlage gegen Nicolas Massu hätte er sogar 100.000 Dollar bekommen.

Laut Köllerer kam das für ihn nicht in Frage. Er habe zwar "genug Blödsinn" auf dem Court gemacht, "aber mit schwerem Betrug will ich nichts zu tun haben".

"ATP hat mein ganzes Leben zerstört"

Dasselbe gilt auch für die Spieler-Vereinigung. "Die ATP hat mein gesamtes Leben zerstört", schimpft Köllerer. Nach seiner Sperre habe er Frau, Kind und Haus verloren und wurde "schwerstens depressiv".

Er wünscht sich, eines Tages wieder an Turnieren teilnehmen zu dürfen, damit ihn seine Tochter spielen sehen kann.

Wenn das allerdings nicht passieren sollte, "ist mir egal, was mit diesem Scheißsport passiert!"

Christoph Nister

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