"Mental stabil" und "unglaublich laufstark"

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"Nichts ist unmöglich!"

So lautet das Lebens-Motto von Dominic Thiems Viertelfinal-Gegner bei den French Open, David Goffin (Donnerstag, ab 13 Uhr im LAOLA1-Ticker).

Eine Weisheit, die sich auch der Österreicher selbst zu Herzen nehmen sollte, wenn er wieder einmal gemeinsam mit dem 25-jährigen Belgier den Platz betritt.

In sieben Duellen reichte es für Thiem gerade einmal zu zwei Siegen, wobei einer davon eine frühe Aufgabe Goffins inkludiert. Den einzigen Erfolg über die volle Distanz fuhr der drei Jahre jüngere Lichtenwörther im vergangenen Jahr im Endspiel von Gstaad ein.

Zuletzt trafen die beiden bei den Australian Open aufeinander, wo Goffin einen knappen Vier-Satz-Sieg einfahren konnte. 

In Paris geht es nun sowohl für Thiem als auch Goffin um den größten Karriere-Erfolg überhaupt: Der Sieger schafft es nicht nur in sein erstes Grand-Slam-Halbfinale sondern auch erstmals in die Top Ten!

"Goffins größte Stärke ist die Beinarbeit"

Warum Thiem ausgerechnet gegen den mit 1,80 Meter kleinsten Spieler der aktuellen Top 20 eine so schlechte Bilanz hat? Goffin gilt als exzellenter Konterspieler, der gerne mit der Geschwindigkeit seiner Kontrahenten arbeitet.

Jahr Turnier Belag Freiluft/Halle Runde Sieger Ergebnis
2016 Australian Open Hartplatz Freiluft 3. Runde David Goffin 6:1, 3:6, 7:6 (2), 7:5
2015 Gstaad Sand Freiluft Finale Dominic Thiem 7:5, 6:2
2015 Marseille Hartplatz Halle Achtelfinale Dominic Thiem 5:1, w.o.
2014 Basel Hartplatz Halle 1. Runde David Goffin 7:6 (4), 6:3
2014 Kitzbühel Sand Freiluft Finale David Goffin 4:6, 6:1, 6:3
2014 Queen's Club Rasen Freiluft 1. Runde David Goffin 6:4, 6:2
2014 Acapulco Hartplatz Freiluft 2. Quali-Runde David Goffin 3:6, 6:1, 7:6 (1)

"Generell ist er ein Spieler, der mir nicht so gut liegt. Aber es ist natürlich besser, wenn wir auf Sand spielen, als in Melbourne, wo es wirklich schnell war. Von dem her wird es ein anderes Match", sagte Thiem. "Aber es wird schwer, er ist topfit. Ich werde mich auf einen sehr großen Fight einstellen."

Die Wahrscheinlichkeit auf einen längeren Arbeitstag ist relativ hoch: "Goffins größte Stärke ist wahrscheinlich seine großartige Beinarbeit. Außerdem trifft er die Bälle unglaublich sauber", erklärt der Niederländer Robin Haase den konstanten Aufstieg seines belgischen Nachbarn in den letzten Jahren.

Mental sehr stark

Der ehemalige US-Star James Blake sieht als großes Manko zwar die fehlenden "großen Waffen, über die die anderen Top-Stars verfügen. Dafür gehört er auf der Grundlinie zu den Talentiertesten. Außerdem ist er mental sehr stabil. Er bleibt immer in der Partie drin und ist ein echter Wettkämpfer".

Vor allem im letzten Duell mit Thiem erwies sich diese Eigenschaft als entscheidend: "Da war ich mental bei den wichtigen Punkten einfach der Stärkere", analysierte Goffin seinen damaligen Erfolg.

Umso überraschender war deshalb auch Goffins Gefühlsausbruch im Achtelfinale der French Open, als er am Dienstag gegen Ernests Gulbis einen Ball aus dem Stadion donnerte. Der Grund für die emotionale Unordnung: Der Belgier konnte wie so viele seiner Spieler-Kollegen die Entscheidung der Veranstalter nicht nachvollziehen, bei Regen die Matches fortzusetzen.



Wie Thiem ließ Goffin am "trockenen Mittwoch" dann aber auch trotz Verlust des ersten Satzes gegen Gulbis nichts mehr anbrennen, um ebenfalls erstmals unter die letzten Acht bei einem Grand-Slam-Turnier vorzustoßen.

Langsamer Aufstieg in die Weltspitze

Im Gegensatz zum Niederösterreicher ging Goffins Aufstieg in die Weltspitze wesentlich langsamer vonstatten: Nach einer relativ unspektakulären Junioren-Zeit schaffte er es bei seinem Grand-Slam-Debüt in Paris 2012 zwar sensationell ins Achtelfinale, danach machten ihm allerdings einige Probleme mit dem Handgelenk zu schaffen.

Erst seit dem Jahr 2014 arbeitet sich der Rechtshänder konstant nach oben. Im Finale von Kitzbühel holte er ausgerechnet gegen Thiem den ersten ATP-Titel seiner Karriere und versagte seinem österreichischen Gegenüber eben jenen Meilenstein. Nur einen Monat später ließ er in Metz Turniersieg Nummer zwei folgen.

"Wollte unbedingt einmal zu den Top 10 gehören"

Heuer sorgte Goffin vor allem mit seinem Halbfinal-Einzug beim ATP-1000-Event in Indian Wells für Furore, wo er unter anderem Stan Wawrinka auf seine Abschussliste setzte.

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"Ich habe schon bewiesen, dass ich Top-10-Spieler schlagen kann. Das ist wichtig für mein Selbstvertrauen", erklärt der Weltranglisten-13., der sich mit einem Sieg über Thiem einen Traum erfüllen würde. Beide Akteure können nämlich mit einem Erfolg ihren erstmaligen Einzug in die Top 10 fixieren. "Ich wollte immer schon einmal zu den Top 10 gehören. Das ist das größte Ziel in meiner Karriere."

Thomas Johansson im Trainer-Team

Um diesen Meilenstein zu erreichen stockte er zu Saisonbeginn sein Trainer-Team auf. Neben seinem Hauptcoach Thierry van Cleemput soll der ehemalige Australian-Open-Sieger Thomas Johansson für den nötigen Feinschliff sorgen.

"Wir arbeiten viel an Aufschlag und Volley. Ich fühle, dass ich mich wöchentlich verbessere. Ich will mein Potenzial voll ausnützen", legt er bei seinem Beruf einen ähnlichen Ehrgeiz an den Tag wie wir es von Dominic Thiem gewohnt sind. Vielleicht liegt es daran, dass die beiden auf dem Platz zwar mittlerweile große Rivalen sind, sich abseits des Tennis-Courts aber sehr gut miteinander verstehen.

Thiem: "Goffin ist ein netter Kerl"

"Er ist ein netter Kerl, und nicht jeder auf der Tour ist nett", weiß Thiem über Goffin viel Positives zu verrichten. Der Belgier begleitete Thiem auch schon zwei Mal nach Teneriffa, wo der Niederösterreicher traditionell im Dezember gemeinsam mit Chef-Coach Günter Bresnik die Vorbereitung auf die neue Saison absolviert.

"Sie verstehen sich sehr gut", erzählte Bresnik in einem APA-Interview. "Er ist für mich sicher der Spieler, der heuer die besten Aussichten hat, in die ersten zehn zu kommen und wahrscheinlich sich sogar für das Masters zu qualifizieren."

Wer weiß? Vielleicht kommt es dann auch in London zum Duell zwischen den beiden Shooting-Stars. Dann hoffentlich mit einer aufgemotzten Bilanz aus Sicht von Dominic Thiem.

Christian Frühwald

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