"Gehören zu den besseren Mannschaften"

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Seit mittlerweile sieben Jahren befinden sich Österreichs Tennis-Damen in der Viertklassigkeit.

Vom 13. bis 16. April treten Tamira Paszek & Co. im Fed Cup in der Europa/Afrika-Gruppe II in Kairo gegen - nicht gerade für ihre Tennis-Tradition bekannte - Nationen wie Gastgeber Ägpyten, Litauen oder Finnland an.

Geht es nach ÖTV-Kapitän Jürgen Waber, soll es damit nach diesem Jahr endlich vorbei sein.

"Unser Ziel ist der Aufstieg"

"Wir gehören zu den besseren Mannschaften. Unser Ziel ist der Aufstieg", ist der Oberösterreicher im LAOLA1-Interview davon überzeugt, dass seine Damen in der ägpytischen Metropole eine gute Figur abgeben werden.

Viel wird allerdings auch von der Auslosung am Dienstag abhängen. Schließlich könnte Österreich auch in einer Gruppe mit Dänemark landen, das mit Superstar Caroline Wozniacki der klare Favorit bei diesem auf Sand ausgetragenen Fed-Cup-Event ist.

Entwicklung von Babsi Haas stimmt positiv

Vor allem aber die Entwicklung von seinem eigenen Schützling Barbara Haas stimmt Waber positiv. Die 20-jährige Oberösterreicherin schaffte heuer den Sprung in die Top 200 und ist mittlerweile schon die Nummer 170 der Welt.

Bei uns erklärt Waber, warum er mit der Entwicklung von Österreichs aktuell größtem Talent zufrieden ist und warum er auch weiterhin an die aktuell wieder etwas in einem kleinen Tief steckende Tamira Paszek glaubt.

Außerdem spricht der seit 1. Jänner das Amt des ÖTV-Damen-Headcoach bekleidende 44-Jährige über seine bisherige Arbeit in dieser Funktion und inwiefern auch das weibliche Geschlecht vom Höhenflug des Dominic Thiem profitieren kann. 

LAOLA1: Wie sind deine Erwartungen für die bevorstehende Fed-Cup-Woche?

Jürgen Waber: Sportlich stehen wir bei dieser Veranstaltung sicherlich gut da. Wir gehören zu den besseren Mannschaften. Unser Ziel ist der Aufstieg. Ägypten ist wahrscheinlich nicht unbedingt die angenehmste Location aufgrund der aktuellen politischen Lage. Ich vertraue aber auf die Verantwortlichen, dass die ganze Sache sicher über die Bühne gehen wird.

LAOLA1: Sehr gut läuft es derzeit vor allem bei deinem Schützling Barbara Haas, die mit zwei Challenger-Siegen in Folge zum Fed Cup fliegt. Wie zufrieden bist du mit ihrer Entwicklung?

Waber: Wir denken gar nicht so viel darüber nach. Wir arbeiten und versuchen, die Entwicklung weiter voran zu treiben. Der Turniersieg in Amerika hat mir aufgrund der hohen Dichte des Starterfelds aber wirklich getaugt. Wir sind scheinbar auf einem guten Weg. Deshalb wollen wir einfach nur weiter arbeiten. Der Rest kommt dann eh von selbst.

LAOLA1: Hat Barbara irgendwelche besonderen Fortschritte gemacht?

Waber: Ich will da gar nichts Spezielles herauspicken. Sie hat sich als Gesamtpaket verbessert. Sie hat bewiesen, dass sie auf der Challenger-Ebene zu den Titel-Aspiranten gehört. Jetzt darf sie sich bei den Grand-Slam-Turnieren in der Qualifikation versuchen. Das ist die nächste große Motivation für sie. Schlussendlich spielt man ja für diese Turniere Tennis.

LAOLA1: Tamira Paszek hat mit dem Einzug ins Auckland-Halbfinale zwar einen guten Saisonstart hingelegt, danach ist es aber nicht mehr nach Wunsch gelaufen. Weißt du, woran es derzeit bei ihr scheitert?

"Man darf nicht gleich in Krisenstimmung verfallen, wenn es einmal nicht so läuft. Meiner Meinung nach wird Tamira im nächsten Jahr mindestens in den Top 100 stehen."

Waber über kleines Paszek-Tief

Waber: Wir haben regelmäßigen Kontakt, wobei ich mich nicht in die sportlichen Belange einmische. Heutzutage ist es ganz einfach nicht mehr so leicht, bei den großen Turnieren konstant gut zu spielen. Das schaffen nur ganz wenige auf der Welt. Grundsätzlich sehe ich über ein ganzes Jahr hinweg schon einen kontinuierlichen Aufwärtstrend bei Tamira. Ich nehme an, dass sich der weiter fortsetzen wird. Man darf nicht gleich in Krisenstimmung verfallen, wenn es einmal nicht so läuft. Meiner Meinung nach wird Tamira im nächsten Jahr mindestens in den Top 100 stehen.

LAOLA1: Auf Future-Ebene hat zuletzt auch Julia Grabher, die dritte Einzelspielerin im ÖTV-Team, stark gespielt. Ist sie ein Thema für das Einzel oder ist der Niveau-Unterschied doch noch zu groß?

Waber: Normalerweise sind Tamira und Babsi gesetzt. Die Future-Ebene ist schon noch ein anderes Level und es ist ja kein Zufall, dass eine Spielerin auf 170 oder 120 und die andere um die 400 steht. Das spiegelt schon auch die Leistungsverhältnisse wider. Ich kann Julia aber mit einem ruhigen Gewissen einsetzen. So viel fehlt bei ihr nicht mehr. Ich traue ihr zu, dass auch sie die noch notwendigen Schritte machen kann. Ich rechne damit, dass sie schon im Sommer auf Challenger-Ebene ihr Glück versuchen wird.

LAOLA1: Du bist seit dem 1. Jänner beim ÖTV Hauptverantwortlicher für das österreichische Damen-Tennis. Was hast du in den letzten drei Monaten bereits bewirken können?

Waber: Bei uns in Linz entsteht derzeit ein Zentrum für Mädchen und Damen. Ich habe bereits sehr viele in Frage kommende Talente eingeladen, die diesem Ruf auch gefolgt sind. So trainiert mittlerweile auch Pia König bei uns Linz. Mit Trainer Bernd Wetter haben wir erstmals das Touring-Coach-Programm durchgeführt. Er war mit einer Gruppe Mädchen in der Türkei. Diese beiden Projekte sollen in Zukunft immer mehr zusammengeführt werden, damit es untereinander einen regen Austausch gibt. Wir versuchen, dass wir jene Mädchen, die Ambitionen haben, gut unterstützen.

LAOLA1: Wie haben die Spielerinnen dieses Angebot angenommen?

Waber: Die Reaktionen waren sehr positiv. Die Mädchen waren begeistert und würden das gerne öfters machen, was natürlich auch schwierig ist. Es haben sich um die 25 Mädchen ab 16 Jahren gemeldet. Wir wollen mehr Mädchen den Einstieg ermöglichen und anderen Mädchen helfen, den Sprung auf die Challenger-Ebene zu schaffen.

LAOLA1: Im WTA-Ranking sind derzeit nur 17 Österreicherinnen klassiert. Da hören sich 25 Mädchen nach einer überraschend hohen Zahl an.

Waber: Mein Ziel ist es auf jeden Fall, die Szene in Österreich wieder zu beleben und das Niveau anzuheben. In Zukunft haben wir dann hoffentlich wieder mehr Spielerinnen auf der Tour. In drei Monaten kann ich aber natürlich keine Spitzenspielerinnen produzieren. Es ist aber schön zu sehen, dass es bei einem entsprechenden Angebot auch eine Nachfrage gibt. Wenn wir die nötige Infrastruktur haben und die Mädchen miteinander arbeiten, wird das schon etwas werden.

LAOLA1: Merkt man auch schon ein bisschen die Zugkraft von Dominic Thiem?

Waber: Unmittelbar bei den Mädchen vielleicht nicht, aber in der Tennis-Szene kann man diesen Boom schon spüren. Ich sehe es ja selber bei mir, wie oft ich mir seine Spiele mittlerweile anschaue. Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Für das Tennis ist er eine unbezahlbare Werbung. Bei uns in Oberösterreich merkt man auf jeden Fall, dass sich viel mehr Kinder wieder für das Tennis interessieren.

LAOLA1: Da ist wahrscheinlich auch der Verband gefordert, damit man diese Aufbruchstimmung so gut wie möglich ausnützen kann.

Waber: Bei den Kindern sind in erster Linie die Landesverbände gefordert. Ich kann nur für Oberösterreich sprechen. Hier gibt es schon seit dem vergangenen Jahr viele Initiativen, damit man das Jugendkonzept neu organisiert. So etwas dauert natürlich seine Zeit.

 

Das Gespräch führte Christian Frühwald


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