Belgien will Briten im Doppel überraschen

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Zum zweiten Mal in Folge könnte es an diesem Wochenende einen Premieren-Sieger im Davis Cup geben.

Nach dem letztjährigen Erfolg der Schweiz hofft heuer Belgien im Heimspiel in Gent gegen Großbritannien auf den großen Streich.

Die Belgier wandeln auch hinsichtlich der Vorbereitung in den Spuren der Eidgenossen. Wie diese holte das Team von Kapitän Johan Van Herck einen Doppel-Spezialisten zur taktischen Beratung ins Boot.

Während die Schweizer im Vorjahr auf den Australier David Macpherson, den Coach der Bryan-Zwillinge Bob und Mike, setzten, engagierten die Belgier den ehemaligen Profi Michael Llodra.

Feinheiten des Tennis-Doppels

Der Franzose soll David Goffin, Steve Darcis, Ruben Bemelmans und Kimmer Coppejans in der Vorbereitungs-Woche mit Hilfe eines Schnell-Kurses die komplexen Feinheiten des Tennis-Doppels näherbringen. Schließlich ist kein belgischer Spieler in den Top 100 des Doppel-Rankings vertreten.

„Im Einzel wissen wir instinktiv, wie wir taktisch richtig auftreten müssen“, erklärt Goffin, der als Nummer 16 der Welt das belgische Team anführt.

„Im Doppel ist das anders. Wir wissen nicht genau, wo unsere Position ist. Das ist ein großer Unterschied. Deshalb ist es wichtig, dass wir jemanden haben, der uns sagt, wo wir stehen müssen. Das erleichtert unsere Arbeit ungemein.“

Schweizer profitierten von Doppel-Expertise

Für die Schweizer zahlte sich das Engagement von Macpherson aus. Roger Federer und Stan Wawrinka besiegten im Vorjahres-Finale das Franzosen-Doppel Julien Benneteau/Richard Gasquet und stellten mit der 2:1-Führung die Weichen auf Sieg.

In einem Gespräch mit dem „Sydney Morning Herald“ erinnerte sich Mcpherson an die Trainingseinheiten mit den Schweizern zurück: „Ich weiß noch genau, wie mir Roger sagte, dass er keine Ahnung davon hatte, wie extrem wichtig die Taktik im Doppel sei.“

Federer bestätigt: „Ich wusste natürlich schon, dass im Doppel viel taktiert wird. Ich war aber darüber überrascht, in welchen unglaublichen Mustern manche Spieler ihr Spiel aufziehen.“

Es könnte durchaus sein, dass in Zukunft mehr Davis-Cup-Teams auf eigene Doppel-Coaches zurückgreifen.

„Würde diesen Job nicht für alle Teams machen“

Der erst kürzlich zurückgetretene Llodra hat als dreifacher Grand-Slam-Sieger nicht nur eine Menge Doppel-Erfahrung, der Franzose war für sein Land auch 28 Mal im Davis-Cup-Einsatz. Seine Coaching-Aufgabe im belgischen Team soll aber eher die Ausnahme als die Regel sein.

„Ich bin mit Darcis sehr gut befreundet, wir sprechen oft miteinander. Er hat mir gesagt, dass es toll wäre, wenn ich dem Team helfen könnte“, erzählt Llodra über den Beginn der Zusammenarbeit.

„Ich würde diesen Job sicherlich nicht für alle Teams machen. Ich mache es in Gent, weil Darcis und Goffin gute Freunde von mir sind. Sollten sie wirklich den Titel holen, wäre es auch für mich als Berater etwas Besonders“, erklärt der 35-jährige Pariser.

Doppel könnte entscheidend werden

Dem Doppel könnte an diesem Wochenende eine entscheidende Bedeutung zukommen. Schließlich haben die Briten mit Andy Murray einen absoluten Weltklasse-Mann zur Verfügung, der dem Papier nach seine beiden Einzel gewinnen sollte.

Dementsprechend müssen die Belgier die beiden anderen Einzel und eben das Doppel für sich entscheiden, um den erstmaligen Gewinn der hässlichsten Salatschüssel der Welt sicher zu stellen.

"Wir sprechen mit anderen Spielern, die schon einmal gegen sie gespielt haben und entscheiden dann, wie wir gegen sie spielen wollen. Im Training sollen unsere Sparring-Partner die Gegner so gut wie möglich simulieren, damit sich unsere Spieler gut auf ihre bevorstehende Aufgabe einstellen können."

Der britische Doppel-Coach Louis Cayer

Mit Jamie Murray (Nummer sieben im Doppel-Ranking) und Dominic Inglot (Nummer 23) sind die Briten freilich auch im Doppel äußerst stark aufgestellt.

Britischer Verband hat eigenen Doppel-Coach

Der britische Verband hat übrigens mit Louis Cayer schon seit dem Jahr 2007 einen fixen Doppel-Trainer für Davis und Fed Cup abgestellt. Der Kanadier bereitet seine Schützlinge vor jedem Länderkampf mit Video-Analysen auf deren wahrscheinliche Gegner gezielt vor.

„Wir sprechen mit anderen Spielern, die schon einmal gegen sie gespielt haben und entscheiden dann, wie wir gegen sie spielen wollen. Im Training sollen unsere Sparring-Partner die Gegner so gut wie möglich simulieren, damit sich unsere Spieler gut auf ihre bevorstehende Aufgabe einstellen können“, erklärte Cayer in einem Interview auf tennis.com. „Unser Schlüssel zum Erfolg ist kein großes Geheimnis.“

Briten hoffen auf ersten Titel seit 1936

Der betriebene Aufwand könnte sich für die Briten nun erstmals auszahlen. Immerhin stehen Murray & Co. erstmals seit dem Jahr 1978 überhaupt wieder einmal in einem Davis-Cup-Finale. Damals setzte es eine 1:4-Niederlage in den USA.

Den letzten ihrer insgesamt neun Titel holte Großbritannien 1936, als Fred Perry und Bunny Austin ihr Team zu einem knappen 3:2-Heimsieg über Australien anführten.

Die Belgier bestreiten übrigens ihr erst zweites Davis-Cup-Endspiel seit dem Jahr 1904. Damals setzte es ein 0:5-Debakel gegen den diesjährigen Finalgegner, der damals noch unter der Bezeichnung „Britische Inseln“ antrat.

Christian Frühwald

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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