ÖTV-Asse auf den Spuren von Novak Djokovic

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Als Novak Djokovic vor fünf Jahren seine Ernährung umstellte, wurde er noch von vielen Seiten belächelt.

Damals war der Serbe noch nicht die Nummer eins der Welt. Regelmäßig musste er sich den beiden alles überragenden Superstars Roger Federer und Rafael Nadal beugen.

Vor allem bei Matches über die volle Distanz ging ihm teilweise im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus.

Bis ein gewisser Dr. Igor Cetojevic in sein Leben trat. Der Mann mit dem weißen Ziegenbärtchen entdeckte bei einer Untersuchung eine Gluten-Unverträglichkeit bei Djokovic, eine sogenannte Zöliakie.

Erfolg nach Ernährungsumstellung

Auf Anraten des Experten verzichtet er seitdem auf dieses Eiweißgemisch, das in verschiedenen Getreidearten vorkommt. Auch Zucker, mit Ausnahme von Fructose, das sich in Obst befindet, nimmt der zehnfache Grand-Slam-Sieger gar nicht mehr zu sich.

Der Erfolg dieser Maßnahmen stellte sich schon bald ein: 2011 gewann er zehn Turniere, davon drei Grand Slams. 2011, 2012, 2014 und 2015 beendete Djokovic die Saison jeweils als Nummer eins der Welt.

Mit ein Grund für diese Erfolge war mit Sicherheit auch die exzellente körperliche Verfassung des Serben, die zu einem nicht geringen Teil auch seiner Ernährungsumstellung zuzuordnen ist.

Thiem auf den Spuren von Djokovic

Kein Wunder, dass sich mittlerweile auch viele andere Spieler an Djokovic orientieren. Darunter findet sich seit einem Jahr auch Dominic Thiem.

Wenn man Leistungssport ausübt und seinen Körper eh schon stark beansprucht, dann ist es nicht sinnvoll, wenn man ihn am Abend mit irgendeinem Blödsinn noch mehr beansprucht

Dominic Thiem

 „Wenn man Leistungssport ausübt und seinen Körper eh schon stark beansprucht, dann ist es nicht sinnvoll, wenn man ihn am Abend mit irgendeinem Blödsinn noch mehr beansprucht“, erklärte der Niederösterreicher vor einigen Monaten im LAOLA1-Interview.

„Man sollte ihm all die Belastungen nehmen, die man ihm nehmen kann. Und dazu gehört eben auch eine gesunde Ernährung.“

Thiem verzichtet mittlerweile komplett auf zugesetzten Zucker. Am Abend versucht er zudem nur mehr wenig Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. „Es ist keine große Hexerei. Man darf einfach keinen Schmarrn essen.“

Fitter und gesünder

Wie bei Djokovic machten sich die Auswirkungen erst nach einiger Zeit bemerkbar. Innerhalb eines halben Jahres speckte Thiem von 85 auf 76 Kilogramm ab. „Das ist natürlich hilfreich bei der Beinarbeit. Djokovic oder Murray sind einfach extrem sehnig“, erläutert der 22-Jährige seine Zielstellung.

Hilfreicher Nebeneffekt sind auch die verstärkten Abwehrkräfte: Plagte sich Thiem in der Vergangenheit immer wieder mit Erkrankungen herum, ist sein Immunsystem nun deutlich gestärkt.

„Ich habe schon noch ab und zu einen Schnupfen, aber das wirkt sich nicht mehr so schlimm aus. Auch nach harten Trainings-Sessions geht es mir heute besser als früher. Der Körper hält einfach mehr aus, wenn man sich gut ernährt.“

Auf den ersten Weltranglistenplatz haben diese Umstellungen Thiem zwar noch nicht gebracht, mittlerweile hat er sich aber immerhin schon in den Top 20 etabliert.

Ich versuche, nur wenig Zucker zu mir zu nehmen. Ab und an kann ich einer kleinen Schokolade nicht widerstehen

Dennis Novak über "kleine Sünden"

Stallkollege Novak orientiert sich an Thiem

Sehr interessiert an einer gesünderen Ernährung zeigt sich auch Stallkollege Dennis Novak, der ebenfalls in der Tennis-Akademie von Günter Bresnik trainiert und von Wolfgang Thiem und Sepp Resnik betreut wird.

„In der Vorbereitung habe ich geschaut, wie er das so macht und ich habe dann ebenfalls damit begonnen“, erzählte der 22-jährige Wr. Neustädter bei den Erste Bank Open auf Nachfrage von LAOLA1.

 „Ich versuche, nur wenig Zucker zu mir zu nehmen. Ab und an kann ich einer kleinen Schokolade nicht widerstehen“, versucht der Weltranglisten-222. seinen Zucker-Konsum in Maßen zu halten. Schließlich kann zu viel Zucker unerwünschte Müdigkeitserscheinungen nach sich ziehen. Ein Umstand, der für Profi-Sportler natürlich alles andere als zielführend ist.

Auch Gerald Melzer stellte um

Ebenfalls keinen Zucker soll Gerald Melzer zu sich nehmen. Der 25-jährige Deutsch-Wagramer unterzog sich vor einigen Monaten einem großen Unverträglichkeitstest inklusive Blutprobe und Stuhlanalyse.

Dieser brachte einige unerfreuliche Erkenntnisse: „Ich vertrage kein Gluten, keine Eier, keine Milchprodukte und natürlich soll ich auch keinen Zucker zu mir nehmen“, erzählt er im Gespräch mit LAOLA1.

Federer findet die Diskussion etwas übertrieben

Nach den US Open habe er diese Ernährungsumstellung vorgenommen. Leicht sei es nicht gewesen, die Erfolge seien aber selbst nach dieser kurzen Zeit nicht von der Hand zu weisen: „Ich merke, dass es mir dadurch besser geht. Auch wenn es nicht so viel Spaß macht, ist es im Grunde halb so schlimm. Wenn man sich ein bisschen reinlebt geht es schon.“

Nadal und Federer finden Hype übertrieben

Wichtig sei es, auch in schwachen Momenten hart zu bleiben: “Denn es tut natürlich weh, wenn man den Kaiserschmarrn am Buffet stehen sieht und nicht zugreifen darf.“

Als etwas übertrieben sehen übrigens Rafael Nadal und Roger Federer den Hype um die gesunde Ernährung. „Ich finde, es ist das Wichtigste, glücklich zu sein und zu genießen, was man tut“, meinte der Spanier einmal über die Ernährungsumstellung von Djokovic.

Und Federer scherzte: „Ich esse sogar eine Extraportion Gluten!“

Christian Frühwald

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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