Schon wieder formschwach? Wolf kontert!

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26, 29, 30, 40.

Das sind die Platzierungen der vier Linzer Schwimmer – Lisa Zaiser, Jördis Steinegger, Lena Kreundl und David Brandl – bei den Olympischen Spielen in Rio den Janeiro.

Abgesehen davon, dass keiner seinen Vorlauf überstand, blieb das Quartett über seinen Saison-Bestleistungen. Teilweise sogar deutlich. Ungewöhnlich. Selbst der heimische Schwimm-Verband (OSV) kommt nicht umher, öffentlich seine Verwunderung darüber auszudrücken.

„Es muss jetzt schon einmal sehr deutlich analysiert werden, warum unsere Leute bei den Großereignissen kaum Bestleistungen bringen können“, spielt OSV-Generalsekretär Thomas Unger auf ein wiederkehrendes Muster an. 

In seiner Rio-Analyse im LAOLA1-Interview behauptet nun der Linzer Stützpunkt-Trainer Marco Wolf, dass diese Unterstellung jedoch gar nicht stimme:

LAOLA1: Herr Wolf, mit einer Nacht drüberschlafen, wie sieht Ihre Rio-Bilanz aus?

Marco Wolf: Die Platzierungen waren so, wie ich sie vorausgesagt habe. Zwischen 20 und 30, das habe ich immer jedem gesagt. Mehr war nicht zu erwarten. Mit ein bisschen Glück wäre auch ein Semifinale drinnen gewesen. Nur die Zeiten waren halt nicht sehr zufriedenstellend.

LAOLA1: Wo sehen Sie die Gründe dafür, dass die Zeiten nicht gut waren?

Wolf: Das kann man nicht in wenigen Sätzen erklären, weil es da um viel mehr Analyse geht. Es sind wahrscheinlich hundert Gründe, die da zusammengespielt haben. Einen einzelnen, der entscheidend war, den gibt es sicher nicht. Einer war, dass wir jeweils nur ein Rennen hatten. Zumal die Saison für mich noch nicht vorbei ist, wir haben noch ein Weltcup-Rennen. Von daher gibt es für mich jetzt noch kein Resümee. Schauen wir einmal, was dort passiert. Ich weiß, dass sie besser drauf sind.

LAOLA1: Es ist nicht das erste Mal, dass es gerade bei einem Höhepunkt zeitmäßig nicht nach Wunsch gelaufen ist…

Wolf: Es ist meiner Meinung nach genau das Gegenteil der Fall. 2014 die EM-Bronzene, 2015 die Junioren-EM… also das stimmt überhaupt nicht. Ich sehe es eher so: Wenn du drei, vier Schwimmer hast, dann ist bei einem Großereignis halt einer in Top-Form und ein anderer nicht. Diesmal waren halt alle vier nicht wirklich schnell. Bei der Leichtathletik oder im Judo wird es ähnlich sein.

LAOLA1: Welche neuen Trends im internationalen Schwimmsport sind bei diesen Spielen erkennbar?

Wolf: Schwimmen wird immer mehr Profi-Sport. Da gibt es Teams mit Jahresbudgets von zig Millionen Euro. Wenn wir da nicht mitkönnen, sind wir nicht dabei. Schon bei den Betreuer-Teams wird das sichtbar. Das ist so wie bei uns Skifahren.

LAOLA1: Bei diesen Spielen sind bereits etliche Rekorde gefallen. Mit Blick auf die österreichischen Bestmarken entsteht der Eindruck, diese steigen nicht im gleichen Maße.

Wolf: Österreich hatte bei den bisherigen sechs Starts mit Felix Auböck einen österreichischen Rekord. Ich sehe das aber ohnehin relativ. Für mich geht es viel mehr darum, was ich In- und Output habe. Was investiere ich in den Sport und was kann ich dann erwarten? Und ich finde, dass wir mit den momentanen Mitteln das Maximum herausholen. Ein Jukic oder ein Rogan waren schließlich keine Produkte der herrschenden Strukturen. Momentan haben wir funktionierende Strukturen ein bisschen in Linz, Graz und in Wien. Mehr gibt es eigentlich nicht. Das ist die Realität und damit müssen wir leben. Die Aufgabe des neuen Sportdirektors (Dario Taraboi; Anm.) wird es nun sein, für die nächsten vier – oder besser noch – acht Jahre etwas aufzubauen und dafür wird er finanzielle Mittel brauchen.


Fünf Ringe, Fünf Fragen - mit Constantin Blaha:

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