Der fadeste Job der Welt?

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"Wenn du glaubst, dein Job ist langweilig, dann denke an die Rettungsschwimmer bei Olympia."

Sprüche wie diese haben rund um die olympischen Schwimm-Bewerbe in den sozialen Medien Hochkonjunktur. Ausgangspunkt ist eine gesetzliche Verordnung, wonach in Brasilien jedes öffentliche Becken mit mindestens sechs mal sechs Metern einen Rettungsschwimmer braucht.

Dass da selbst bei den besten Schwimmern des Planeten keine Ausnahme gemacht wird, ist absurd und amüsiert das Netz.

Carlos findet das indes weniger amüsant. Der 39-Jährige ist nämlich einer jener Lifeguards, die rund um das Wettkampfbecken im Olympic Aquatic Stadium in ihren gelben Shirts und dem orangen Schwimm-Behelfnis Aufstellung nehmen und wachsam über die Michael Phelps und Sun Yangs dieser Erde wachen.

Carlos kennt die Bilder und Videos von Facebook. "Es ärgert mich, dass sie einen unserer Kollegen so unvorteilhaft zeigen und sich Menschen jetzt lustig über uns machen", spielt er im Gespräch mit LAOLA1 auf jenes Bild an, dass einen aus ihrer Truppe in fast schon bemitleidenswerter Pose am Beckenrand zeigt.

Feuer und Wasser

Carlos kommt aus Rio. Wenn er nicht gerade über Pools und Gewässer wacht, ist er Feuerwehrmann. In einer Metropole, in der Brandschutzbestimmungen in gewissen Teilen keine Beachtung finden, kein ungefährlicher Job.

Er weiß also, wie Lebenretten geht. Wie viele es schon waren, könne man nicht sagen, schließlich sei es am Ende immer Teamwork.

Haben ein wachsames Auge: Carlos (r.) und sein Partner Vinicius

Carlos ist ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Und genau aus diesem Grund ärgert ihn der Social-Media-Hype um Olympias Lifeguards auch so. "Letztlich tragen wir die Verantwortung, auch hier über diese Athleten."

Durch das Objektiv betrachtet

Zudem sei es falsch zu glauben, dass sie nur im Falle von ertrinkenden Schwimmern eingreifen müssen, wirft sein um 15 Jahre Kollege Vinicius ein. Auch Security-Aufgaben im Infield gehören dazu.

Das klingt schon nach etwas mehr Action. Doch wann mussten sie in sechs von insgesamt sieben Wettkampftagen tatsächlich eingreifen? "Einmal, als im Aufwärmbecken ein zwischen Schwimmer und Trainer gespanntes Gummiband riss und der Athlet vom zurückschnalzenden Band im Wasser verletzt wurde", schildert Carlos, dass er ihn nachher auf die Krankenstation gebracht hatte.

Und im Wettkampf-Becken? "Da nur, als sich bei einer TV-Kamera eine Linse gelöst hatte und sie in den Pool gefallen ist." Carlos habe sie wieder heraufgetaucht.

Nun ja.

Ob diese beiden Zwischenfälle ihr Aufgabengebiet dem Attribut langweilig entheben, sei dahingestellt.

So oder so - letzten Endes sind wir alle froh, wenn Carlos und Vinicius nichts zu tun bekommen.

 

Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer


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