Und wieder kreuzen sich ihre Wege

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Ludwig Paischer ist schon seit einer Woche in Brasilien. „Aber erst seit wenigen Stunden in Rio de Janeiro“, gesteht der Salzburger im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch.

In den vergangenen Tagen nutzte der 34-Jährige die guten Kontakte nach Brasilien und holte sich in Sao Paulo den letzten Schliff. „Beim Sportklub Pinheiros“, konkretisiert der Olympia-Zweite von 2008.

Dabei handelt es sich um einen der vielen Multisport-Vereine, die in Brasilien gang und gebe sind und zu deren Gattung auch die berühmten Fußball-Klubs Flamengo oder Corinthians zählen. Und Pinheiros, bei dem alleine die Einschreib-Gebühr 30.000 Euro kostet, ist eben für seine Judo-Abteilung bekannt. Ja sogar so bekannt, dass sich Paischer dort nicht alleine auf seine vierten und zugleich letzten Sommerspiele vorbereitete.

Koreas Team, das derzeit über die meisten Weltranglisten-Ersten (4) verfügt, teilte sich die Matte mit Paischer, der aufgrund seines frühen Wettkampf-Tages als einziger Österreicher zur Akklimatisierung nach Sao Paulo gereist war.

Bei Olympia kreuzen sich wieder ihre Wege

Bei den Asiaten traf Paischer mit Choi Min-ho ausgerechnet wieder auf jenen Mann, gegen den er sowohl 2004 in Athen (1. Runde), als auch 2008 in Peking (Finale) verlor. Allerdings war der 35-Jährige bereits vor einiger Zeit ins Trainer-Lager gewechselt.

Aus Paischers Olympia-Anfängen sei ohnehin kein Weggefährte mehr am Start. „Nicht dass ich wüsste“, überlegt er laut. Choi habe ihm zwar zuletzt viel Glück für Rio gewunschen, worauf Paischer allerdings keinen allzu großen Wert legen möchte. „Das ist eine Höflichkeit unter Sportlern. Ich bin mir aber sicher, wenn es darauf ankommt, ist sich jeder selbst der nächste“, meint er schmunzelnd.

Von den vier London-Medaillisten seiner Klasse bis 60 kg ist mit Felipe Kitadai (BRA/3.) nur noch einer in Rio am Start. Rishod Sobirov (UZB/3.) wechselte in die 66er-Klasse, Arsen Galstyan (RUS/1.) und Hiaroka Hiroaki (JPN/2.) sind nicht qualifiziert.

Lieber früh schlafen als Eröffnungsfeier

Vierte Teilnahme und einziger noch aktiver Olympia-Medaillengewinner – eigentlich war Paischer als österreichischer Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier naheliegend, wäre da nicht sein Wettkampf am allerersten Olympia-Tag. Von daher war das große Zeremoniell für ihn seit jeher tabu.

„In London habe ich die Eröffnungsfeier nicht einmal mehr im TV verfolgt“, will Paischer Olympia in seinem Kopf keinen allzu großen Status einräumen. Vielmehr versuche er es als Turnier wie jedes andere abzuhandeln. Noch eine letzte Aktivierungs-Einheit, Physio-Therapie, früh schlafen gehen.

Herren-Nationaltrainer Patrick Rusch sieht Paischer vor dessen letzten großen Gefecht gut vorbereitet. Seine Werte seien ähnlich gut wie vor Peking. „Werte – darauf will ich mich nicht zu sehr versteifen“, weiß Paischer um die Bedeutung von Selbstvertrauen und Routine. „Und da ist es sicherlich ein Vorteil, dass ich die Abläufe bei Olympia schon kenne.“

Am Donnerstag erfolgt die Auslosung für alle 14 Judo-Gewichtsklassen. Paischer wolle seinen Gegner aber erst am Vortag wissen. „Ansonsten macht man sich zu viele Gedanken, auf wen man treffen könnte, wobei es letztlich dann eh immer anders kommt“, spricht die Erfahrung aus ihm.

 

Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer

 

VIDEO: Bad Boys auf dem Weg nach Rio!

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