"Wir wollten etwas Verrückteres machen"

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Nicol Ruprecht startet am Freitag (15:20 Uhr) in die Konkurrenz der Rhythmischen Sportgymnastik.

Versuchte die Vorgängerin Caroline Weber in London 2012 noch im Dirndl-Look, die Gunst der Kampfrichter zu ergattern, setzt die Innsbruckerin auf spezielle musikalische Unterstützung.

„Meine Bandübung ist komplett neu, extra für Rio gemacht worden. Im April ist ja Prince gestorben und ich tanze zu seinem Song „Kiss“. Wir wollten etwas Verrückteres machen und mir gefällt das Lied.“

Rhythmus im Blut

Dass die Musik perfekt zur Übung passt, ist beinahe garantiert. Der Familie sei Dank. „Mein Papa war in jungen Jahren DJ und hat eine gute Hand dafür.“

Diese wird auch die 23-Jährige brauchen, um die vier Handgeräte ihrer Sportart nach Plan der einstudierten Choreographie zu beherrschen: Ball, Reifen, Keule und Band.

Alle Komponenten gekonnt zu kombinieren, sei die große Herausforderung: „Beim Band muss ich eher mehr lachen, bei der Keule böse blicken. Die Verbindung von Musik, Bewegungen und den Geräten ist das Besondere. Man muss sich bewegen wie eine Ballerina.“

Mädchentraum und Flughafenprobleme

Der Aspekt brachte sie auch letztlich zur Turnsportart: „Mit drei Jahren habe ich mit Kinderballett angefangen. Meine Heimtrainerin in Tirol hat mir empfohlen, mal einen Wettkampf der Rhythmischen Sportgymnastik anzuschauen. Ich habe mich sofort in die Glitzerkleider verliebt“, schmunzelt die 18-fache Staatsmeisterin zurückblickend.

Fünf Kostüme hat Ruprecht in Brasilien mit. Vier zum Wettkampf, eines zum Ersatz. Ihr Mädchentraum ist also wahr geworden, verursacht mitunter aber Probleme am Flughafen: „Das Handgepäck darf nur acht Kilogramm haben und meine Anzüge wiegen alleine fünf. Es ist manchmal schwierig, nicht ins Übergepäck zu kommen“, lacht sie.

Russische Dominanz

Im Wettkampf selbst ist die übermächtige Konkurrenz ihr Problem. Die ehemaligen Ostblockstaaten dominieren die Rhythmische Sportgymnastik nach Belieben.

Seit Sydney 2000 gingen immer beide Goldmedaillen (Einzel und Team) an Russland. Yevgeniya Kanayeva sicherte sich die letzten beiden im Einzel, nach deren Rücktritt schlägt wohl die Stunde der dreifachen Weltmeisterin in Folge (2013-15), Yana Kudryavtseva.

Ruprecht stellt das Positive in den Vordergrund: „Ich bin stolz, dass ich neben der Spanierin die einzige Europäerin bin, die nicht aus dem Osten stammt oder dort trainiert.“

Privater Investor hilft

Zumal die Rahmenbedingungen nur schwer vergleichbar seien. Vorgängerin Weber hatte nach Platz 18 in London beklagt, dass die Gymnastinnen in Sporthallen üben müssten, die für bestimmte Wurfübungen nicht einmal hoch genug seien.

Ob sich die Umstände für Ruprecht gebessert haben? „Natürlich sind unsere Trainingsbedingungen nicht optimal, aber wir haben jetzt Gott sei Dank einen privaten Investor gefunden, der unsere Halle finanziert. Wir wissen aber nicht, wie lange“, spricht die in Wien trainierende Tirolerin den russischen Geldgeber an, der gleichzeitig Großvater einer jüngeren Trainingskollegin ist.

Prädikat „Weltklasse“

Die nicht idealen Trainingsbedingungen über die Jahre hinderten Ruprecht nicht daran, in die Weltspitze vorzudringen. Ende Juni adelte sie der Weltturnverband mit dem Prädikat „Weltklasse“. Eine Auszeichnung, die nur 13 österreichische Turnsportler vor ihr erhielten.

Die Olympia-Premiere ist der Lohn des steinigen Weges: „Ich will meine Auftritte genießen und einfach eine gute Leistung bringen. Wenn ich gut turne, wird auch die Platzierung passen.“

Die Musik passt schon einmal.

 

Andreas Gstaltmeyr

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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