Der Ex-Tormann als Rad-Olympiasieger

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Mit 18 Jahren hat Greg van Avermaet eine wichtige Entscheidung getroffen.

Weil er beim damaligen belgischen Erstliga-Klub KSK Beveren als Tormann nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam, hängte er die Handschuhe an den Nagel und wurde Rad-Profi.

Spätestens 13 Jahre danach hat sich diese Entscheidung als goldrichtig herausgestellt - der 31-Jährige hat nämlich das Straßenrennen bei den Olympischen Spielen 2016 für sich entscheiden können. Ein Rennen, das von schweren Stürzen überschattet wurde.

"Immer geglaubt, dass ich ein Gewinner bin"

"Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. An der Copacabana als Olympiasieger auf dem Podium zu stehen, ist großartig", sagte van Avermaet, der den Dänen Jakob Fuglsang und den Polen Rafal Majka auf die Plätze verwies. Dabei schien es lange so, als ob der Spross einer Radsport-Dynastie womöglich besser beim Fußball geblieben wäre. Denn oft fehlten ihm Kleinigkeiten für einen großen Sieg.

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Dies änderte sich erst so richtig bei der Tour de France 2015, als er - kurz zuvor von einem Doping-Verdacht freigesprochen - eine Etappe gewann. In diesem Jahr setzte der Klassiker-Spezialist in Frankreich sogar noch einen drauf, als er mit einem Etappensieg ins Gelbe Trikot fuhr. Und nun der Coup an der Avenida Atlantica in Rio de Janeiro. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich ein Gewinner bin", sagte der 31-Jährige, der zuvor seine Siegchance auf "fünf Prozent" beziffert hatte.

Aus einer Radsport-Dynastie

Van Avermaet stammt aus einer Radsport-Dynastie. Mittlerweile ist er aber der mit Abstand erfolgreichste Spross. Sein Großvater Aime war von 1957 bis 1963 Radprofi, sein Vater Ronald nahm 1980 in Moskau am olympischen Straßenrennen teil. 36 Jahre später sorgte sein Sohn in Brasilien für den familiären Höhepunkt - und gab bei einem Sieger-Interview vor traumhafter Strand-Kulisse bereitwillig zu, dass er auch viel Glück gehabt hatte.

"Ich war nicht der stärkste Mann im Rennen, aber das gehört zum Radsport dazu", sagte Van Avermaet mit Blick auf das vorangegangene Sturzfestival. Denn nach dem letzten Anstieg hinauf zur Vista Chinesa schien es so, als ob der starke Ex-Toursieger Vincenzo Nibali beim wohl schwersten Straßenrennen der Olympia-Geschichte Gold entgegenfahren würde. Doch der Italiener und der Kolumbianer Sergio Henao kamen in der Abfahrt einer dreiköpfigen Spitzengruppe zu Fall und zogen sich dabei wie zuvor bereits der Australier Richie Porte Knochenbrüche zu.

Ein "grenzwertiges" Rennen

"Hoffe, dass alle Verletzten bald wieder wohlauf sind", schrieb Tour-de-France-Sieger Chris Froome nach dem Rennen auf Twitter. Der Brite kam selbst nicht über Platz zwölf hinaus. Nach einem frühen Defekt war er auf dem Schlussanstieg vergeblich der zuvor ausgerissenen Spitzengruppe um Nibali und Van Avermaet nachgejagt. Am Ende fehlten ihm nicht ganz drei Minuten auf den Sieger.

Froome bleibt für seinen Olympia-Traum aber noch das Einzelzeitfahren am Mittwoch, bei dem er wie Landsmann Bradley Wiggins vier Jahre zuvor in London seinen Toursieg vergolden könnte. Für Österreich geht Georg Preidler in den Kampf gegen die Uhr. Im Straßenrennen, das er ob der Schwierigkeiten als "grenzwertig" bezeichnete, landete der Steirer auf Platz 44.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang»
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