Die Unvollendete

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Neun EM- und zwei WM-Medaillen hat Sabrina Filzmoser zu Hause.

Edelmetall bei Olympia wird jedoch nicht mehr dazukommen.

Am Montag muss sich die Welserin in ihrem Auftaktkampf der Klasse bis 57 kg in Rio de Janeiro der Britin Nekoda Smythe-Davis mit je einer Waza-ari- und Yuko-Wertung geschlagen geben und scheidet somit aus.

Für die 36-Jährige zerplatzt damit der letzte große Traum ihrer langen Karriere. Und wer weiß, mit wieviel Herzblut die zweifache Europameisterin bei der Sache ist, für den ist klar, dass sie danach bittere Tränen vergoss.

„Ich kann es nicht in Worte fassen“, wiederholt sie mehrfach mit brüchiger Stimme. „Es war einfach…ein Riesentraum. Dieser war es auch, warum ich nach London noch einmal vier Jahre weiter gemacht habe.“

Fest im Griff

Schon die Auslosung hatte erahnen lassen, dass es für Filzmoser schwer werden würde. Smythe-Davis, eine um einen Kopf kleinere Athletin, die aufgrund ihres Kraft-Vorteils der Österreicherin nicht liegt.

Diesen Bonus spielte die Britin gekonnt aus, indem sie Filzmoser deren rechte Hand nicht am Jacken-Kragen setzen ließ. Und ein Judoka ohne seinen Griff ist nun mal nur halb so stark.

„Ich wusste sehr genau, was sie vorhat“, so Filzmoser. „Wir haben uns darauf eingestellt und ich habe auch alles versucht, aber im Endeffekt hat es einfach daran gelegen, dass ich zu wenig Kraftfähigkeit habe.“

Filzmoser sagt „Danke!“

Doch Filzmoser, die heuer auf der World Tour mit einem dritten Platz beim Grand Slam in Baku nur einen Podestplatz auf der Habenseite hat, wusste, dass eine Medaille nur schwer realisierbar sei.

„Egal, wie lange die Vorbereitung auch gedauert hätte, egal, wieviel Zeit ich für den Kraftaufbau gehabt hätte, hätte ich heute nicht besser dastehen können. Das war meine Top-Form, aber die hat halt leider nicht ausgereicht“, versucht sie es möglichst sachlich zu analysieren, wobei sachlich angesichts ihrer Tränen relativ zu sehen ist.

Im gleichen Atemzug dankt sie all ihren Wegbegleitern und Trainingspartnern. Angefangen bei Nationaltrainer Marko Spitka.

„Es gibt nicht viele Nationen oder Trainer, die es schaffen, die einen älteren Sportler – auch wenn die Chancen auf eine Medaille sehr gering sind – trotzdem unterstützen.  Marko mag für viele ein eigener Charakter sein – ist er ja auch – aber ich habe ihm unglaublich viel zu verdanken.“

War es das?

Wie es für Filzmoser nun weitergeht, könne sie im Augenblick noch nicht sagen. Zu frisch sei noch der Schmerz der Niederlage. Bereits nach den London-Spielen hatte sie über ein Karriere-Ende nachgedacht. Damals hatte sie bei Touren durch den Himalaya nach Antworten gesucht.

„Ich werde jetzt auf alle Fälle etwas Abstand brauchen“, meint sie nachdenklich. „Es muss einfach mal setzen.“

Es wird sie vermutlich wieder der Ruf der Berge ereilen, schließlich betreut sie bereits seit mehreren Jahren ein Judo-Hilfsprojekt für Waisen in Bhutan und Nepal. Nepals Olympia-Abordnung hatte sogar eine Athletin aus diesem Projekt zur Olympia-Fahnenträgerin in Rio ernannt.

„Es ist schön, dass das Bhutan-Projekt so viel Unterstützung bekommt und die Leute sehen, dass ich mit meinem Leben nach dem Sport auch etwas anzufangen weiß“, entkommt ihr fast wieder ein kleines Lächeln.

Aus Rio berichtet Reinhold Pühringer

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare