Stoss: "Wir machen ja keinen Betriebsausflug"

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Sonntag reist Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees, zu den Sommerspielen nach Rio de Janeiro.

Vorher stand der Casinos-Austria-Generaldirektor der APA noch zum Interview zur Verfügung. Nach der Nullnummer bei Olympia in London hofft Stoss, dass das "Projekt Rio" Früchte trägt und Medaillen bringt.

 

Frage: Koordinator Peter Schröcksnadel hat gesagt, unabhängig vom Abschneiden bei den Sommerspielen ist das "Projekt Rio" schon ein Erfolg. Man sollte aber schon auch Medaillen gewinnen, oder?

Stoss: "Natürlich! Am Ende des Tages machen wir ja keinen Betriebsausflug, sondern man wird an den sportlichen Erfolgen gemessen. Das ist das alles Entscheidende, darum gibt und gab es auch immer schon solche Wettkämpfe. Man muss auch ehrlich sein, es war großartig, wie viele Platzierungen wir in London unter den ersten zehn hatten. Nur das zählt nicht. Zählen tun allein und entscheidend die Medaillen. Und noch besser Goldene, weil man dann wirklich Olympiasieger ist."

Frage: Was ist dem Team zuzutrauen?

Stoss: "Man muss auch Realist sein, wir sind eben nur ein kleines Land mit beschränkten Möglichkeiten. Und wir haben im 'Projekt Rio' versucht, das etwas aufzubrechen und zu sagen, lasst uns einmal die Rahmenbedingungen deutlich verbessern, um hier die Voraussetzungen für einen potenziellen Medaillengewinn zu erhöhen. Dass dann noch Tagesverfassung, gesundheitliche und wetterbedingte Situationen dazukommen, lassen wir außer Acht, weil das kann niemand beeinflussen. Aber wir können in der Vorbereitung möglichst viel tun, wir haben vor allem in die Infrastruktur investiert. Das danken uns die Sportler sehr, ob sie daraus schon den Erfolg ableiten können, weiß ich nicht. Wir wünschen uns das, dann kann man auch sagen, das hat sich mehr als gerechnet, es gab die ersten, tollen, sportlichen Erfolge."

Frage: Kann man sich ein "Projekt Tokio" für 2020 auch vorstellen?

Stoss: "Absolut. Wir haben das auch mit dem Herrn Sportminister diskutiert, und er hat gesagt, lasst uns einmal Rio ordentlich und erfolgreich zu Ende führen. Aber gleich danach setzen wir uns zusammen. Und unser Wunsch wäre es auch, vor allem von Schröcksnadel, von einzelnen Fachverbänden und auch vom ÖOC, dass wir ein solches Projekt schon für Pyeongchang 2018 für den Wintersport aufsetzen. Es wäre kleiner von der Dimension. Und dann natürlich Tokio, weil das kommt relativ bald, in vier Jahren ist Tokio da."

Frage: Die Fachverbände würden sich diese Kontinuität der Förderung jedenfalls wünschen.

Stoss: "Der Minister ist überhaupt nicht abgeneigt, darüber zu diskutieren. Es ist noch längst nichts beschlossen. Aber dann löst man das quasi wirklich heraus und sagt, das ist das erste Mal so eine Art Institution, die sich um die Spitzensportförderung kümmert. Wir müssen vielmehr miteinander, anstatt neben- oder gegeneinander arbeiten. Es macht überhaupt keinen Sinn, mehrere Spitzensportinstitutionen parallel laufen zu lassen. Wir haben das ÖOC, wir haben die Sporthilfe und wir haben das Team Rot-Weiß-Rot. Und alles, was dort in die Administration fließt, kommt den Sportlern nicht zugute. Und deshalb müssen wir dort vereinfachen, straffen, zusammenführen, zusammenarbeiten, um möglichst viel Mittel nur für den Sportler oder für die Vorbereitung zur Verfügung zu haben."

Frage: Zika, Terrorgefahr - schicken Sie ihr Team mit ruhigem Gewissen nach Rio?

Stoss: "Da kann man nur uneingeschränkt 'ja' antworten, aber hundertprozentig ausschließen kann man nichts. Dafür wird auch niemand die Hand ins Feuer legen. Es hätte auch niemand gedacht, dass in so kleinen Gemeinden wie Ansbach Anschläge passieren. Aber dann dürfte ich gar nicht mehr reisen, und ich steige nach wie vor mit dem selben ruhigen Gewissen in ein Flugzeug. Aber ich glaube, Rio ist jetzt einer der sichersten Orte überhaupt auf der Welt, 85.000 Sicherheitsbeamte und ganz zu schweigen von den vielen Geheimdiensten, die im Hintergrund arbeiten. Was den Zika-Virus betrifft, haben wir brasilianischen Winter. Alle 44 Testbewerbe sind ohne einen einzigen Zika-Fall verlaufen und waren noch dazu in einer anderen Jahreszeit. Wir haben alles Mögliche getan, jeder Athlet hat Insektenschutz, Moskitonetz, Sprays für Kleidung und ein Gerät fürs Zimmer bekommen. Aber jeder hat auch noch eine Eigenverantwortlichkeit. Ich gehe davon aus, dass alles problemlos und reibungslos über die Bühne gehen wird. Wir wünschen uns, dass alle wieder gesund zurückkommen. Das ist das Allerwichtigste, das zählt viel mehr als eine Medaille."

Frage: Sie haben als ÖOC-Präsident große repräsentative Pflichten wahrzunehmen, werden viel im Österreich-Haus sein. Wo wird man den Sportfan Stoss sehen?

Stoss: "Ich hoffe, bei allen Bewerben, wo Österreicher und Österreicherinnen antreten. Ich werde mich bemühen, untertags wann immer es möglich ist. Dazu kommen die Medientermine und am Abend die Veranstaltungen im Österreich-Haus. Gerne werde ich auch meine Ärzte, Physiotherapeuten, Betreuer und Trainer im Olympischen Dorf besuchen. Ich gehe auch dort fast täglich ins Büro. Ich weiß, ich bin auch kein Wunderwuzzi und habe nur 24 Stunden, der Tag ist mehr als ausgefüllt. Aber klar im Mittelpunkt stehen sollte der Sport für mich, das interessiert mich am allermeisten."

Frage: Das Österreich-Haus öffnet wieder die Türen für alle. Was sind die Stärken dieser Einrichtung?

Stoss: "Der öffentliche Bereich, das ist eine der grundlegenden neuen Philosophien, die wir als ganz wichtig sehen. Österreich hat schon eine Charaktereigenschaft, die manche Länder nicht in dem ausgeprägten Maß haben, nämlich eine ausgeprägte Gastfreundschaft. Und diese wollen wir auch zelebrieren, die wollen wir auch zeigen und bieten wir auch allen an. Es haben schon einzelne Nationen angefragt, ob sie auch zu uns zu Feiern kommen können. Das ist schon einmal schön, das ist ein großes Lob, wenn man hier ausgewählt wird. Ich würde mir auch wünschen, dass möglichst viele Medienvertreter aus anderen Ländern in unser Haus kommen, die Welt beobachtet Österreich und sieht die österreichische Gastfreundschaft."

Frage: Sie stehen vor der Aufnahme in das IOC. Gibt es auch eine Einladung an Präsident Thomas Bach ins Österreich-Haus?

Stoss: "Die gibt es an alle IOC-Mitglieder. Jeder versucht, die Leute in die olympischen Häuser zu bringen. Man weiß, die Franzosen haben besonders gute Sachen zu trinken, die Italiener haben besonders gute zu essen, und wir haben halt den Speck und den 'Kas'. Toll wäre, wenn wieder so etwas Freudiges passiert wie in Sotschi mit den Schweizern, dass für den eigenen Olympiasieger (Sandro Viletta/Anm.) das Haus gesperrt war und wir bieten uns dann als Plattform an. Das ist beste unbezahlte Werbung."

Erstaunlich, welche Sportarten-Schmankerl die Olympia-Geschichte parat hat. Zehn der verrücktesten Sommer-Sportarten:

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Motorbootsport: 1908 in London fand das Kurz-Intermezzo von Motorsport bei Olympia statt. Da aber etliche der angereisten Boote nicht einmal über die Startlinie kamen bzw. generell eine sehr hohe Ausfall-Quote bestand, wurde dieses Kapitel schnell wieder geschlossen.

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Sackhüpfen: Ja, richtig gelesen. Der Kindergeburtstags-Klassiker stammt aus der verrückten Anfangszeit der modernen Spiele. So standen 1904 in St. Louis sagenhafte 102 Sportarten auf dem Programm. Weitere Highlights jener Spiele:…

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Tabak-Weitspucken,…

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Tonnenlauf, bei dem die Teilnehmer alle 50 Meter kopfüber durch aufgehängte Fässer springen mussten,…

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…oder Pistolenduell, was ein bisschen was von Sonderkommando-Training hatte. Die „Athleten“ schossen auf Schaufensterpuppen mit Zielscheiben auf der Brust. Auf die heutige Generation mag es zwar etwas befremdlich wirken, jedoch gibt es nicht wenige, die für Paintball als künftige olympische Sportart plädieren.

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Unterwasserschwimmen: Die frühkindliche Frage, wer länger die Luft anhalten kann, wurde hiermit erstmals in eine Sportart gegossen. Pro Sekunde unter Wasser gab es einen Punkt und für jeden dabei getauchten Meter deren zwei.

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Roque: Das ist quasi Croquet nur eben auf Hartplatz. Die heutzutage völlig unbekannte Sportart tauchte nur 1904 in St. Louis auf. Damals waren ausschließlich US-Amerikaner am Start.

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Tauziehen: Ein Klassiker der frühen Jahre. Von 1900 bis 1920 gehörte das Kräftemessen zum Olympischen Programm, allerdings nicht ganz friktionsfrei. Den Überlieferungen nach verschafften sich einige Sportler unerlaubterweise mit Nägeln in den Fußsohlen besonders guten Halt.

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Jeu de Paume: Heute ausgestorben. 1908 war es olympisch und diente dreimal (1900, 1924, 1928) als Demonstrationsbewerb. Was ist es nun eigentlich? Eine Mischung aus Tennis und Squash, deren Wurzeln bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden können.

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Glima: Gli…was?! Zugegeben hat es diese isländische Variante des Ringens nie über den Rang einer Demonstrations-Sportart (1912 in Stockholm) hinausgeschafft. Wahrscheinlich ist das auch gut so, sonst würden die Nordmänner uns auch bei Olympia zeigen, wo der Hammer hängt…

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