Es ist Zeit zu gehen

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Da ist sie nun, die Goldene über 4x100m. Usain Bolts dritte bei den Spielen in Rio de Janeiro. Die neunte seiner Karriere - und zugleich seine letzte.

Nachdem er damit zu den erfolgreichsten Olympia-Leichtathleten aller Zeiten, Paavo Nurmi und Carl Lewis (beide neunmal Gold), aufgeschlossen hat, ist er nun "unsterblich".

"Unsterblich" war nämlich jenes Attribut, welches der Jamaikaner den Journalisten in Rio vorgeschlagen hatte, die mahnten, dass die Suche nach immer neuen Superlativen allmählich erschöpft sei.

Der olympische Abschied ist Bolt mit Gold also gelungen. Doch es war nicht nur die Medaillen-Farbe, die ihn als gelungen erschienen ließ. Vielmehr war es der Zeitpunkt. Er war geradezu ideal, um den aufgebauten Nimbus, die geschaffene Legende, die weit über die Sportarten-Grenzen hinausging, zu bewahren.

Die genauere Betrachtung seiner Siegerzeiten verdeutlicht nämlich, dass der Überirdische längst wieder auf dem Planeten Erde angekommen ist. In Rio sogar schlagbar schien.

Aus der Reihe: Was wäre, wenn...?

Die prestigeträchtigen 100 Meter hatte sich Bolt unterm Zuckerhut in 9,81 Sekunden geholt. Eine Zeit, die Finalgegner Justin Gatlin heuer sogar schon unterboten hatte, andere schon knapp dran waren.

Ähnliches gilt für Bolts Goldzeit von 19,78 über die 200 Meter, die neben Gatlin auch dessen Landsmann LaShawn Merritt in dieser Saison schon getoppt hatten. Der Kanadier Andre de Grasse hätte mit einer Wiederholung seiner Halbfinal-Zeit (19,80) Bolt neuerlich ernsthaft gefordert.

Oder wie hätte es überhaupt bei einem Giganten-Duell zwischen Bolt und Wayde van Niekerk ausgesehen? Der Südafrikaner hatte mit seinem Fabel-Weltrekord über 400 Meter das Feld für Gedankenspiele über die halbe Stadionrunde geöffnet.

Bei seinen 43,03 Sekunden, mit denen er den 17 Jahre alten Rekord von Michael Johnson brach, war der 24-Jährige der erste 400m-Läufer, der auf den ersten 200m unter 20 Sekunden geblieben war.

Da Van Niekerk nach seinem historischen 400m-Coupe die Saison aus gesundheitlichen Gründen beendete, darf dieses Gedankenspiel noch etwas weitergespielt werden. Wenngleich Bolt postwendend reagierte und den Shootingstar zu einem 300m-Duell herausforderte. Geht es nach Bolt, dann am liebsten gleich nächste Saison. Auf dieser inoffiziellen Strecke hält nach wie vor Johnson mit 30,85 Sekunden den Weltrekord. Bolt steht bei 30,97, Van Niekerk bei 31,03.

Besiege zunächst seinen Namen

Im Rückblick auf die Spiele von Rio werden uns dennoch die Bilder eines sich grinsend umschauenden Usain Bolt bleiben. Auch wenn den ab Sonntag 30-Jährigen seine Beine nicht mehr in derartige Sphären trugen wie noch vor einigen Jahren, hatte er in Rio dennoch stets ein paar Schritte Vorsprung auf die hinterherhetzende Meute.

Ein Vorsprung, den er mitunter seinem gottähnlichen Status verdankte.

Denn ein Gatlin, Merritt oder De Grasse mussten nicht nur gegen die Zeit laufen - nein, auch gegen Bolts psychologischen Vorteil. Diesen Nimbus, der einen glauben lässt, dass der 1,95 Meter große Modell-Athlet im Ernstfall noch immer ein Schäufelchen zulegen könnte.


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Sowie der Kampf der Konkurrenten gegen das Publikum.

Gerade in Rio wurde deutlich: Alle Sprinter bewegten sich letzten Endes auf der Bühne des Mannes aus Kingston.

Nur wenn Bolt auf dem Programm stand, wurde das 60.000 Zuschauer Olympic Athletics Stadium noch am ehesten voll. Sie alle waren gekommen, um Bolt siegen zu sehen. Kaum war er auch nur zu erblicken, begannen sie frenetisch zu jubeln und zu schreien. Ähnliche Begeisterungsstürme des streitbaren Publikums lösten sonst nur Lokalmatadore aus. Ex-Dopingsünder Gatlin, Bolts großer Rivale über die 100m, wurde gar ausgebuht.

Der Schlussspurt steht noch aus

Auch wenn Bolt Rio mit drei Goldenen um den Hals verlässt, sollte er wohl behutsam mit seiner Legende umgehen. Denn die Konkurrenz kann die Zeichen der Zeit ebenso deuten. Die Ära des größten Sprinters aller Zeiten nähert sich langsam aber sicher ihrem Ende.

Er mag zwar eine Legende sein, doch ob seine Unschlagbarkeit auch noch die Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in London überlebt, muss sich erst zeigen. Denn die soll der buchstäbliche Schlussspurt in der Karriere des Usain Bolt sein. Des Unsterblichen.

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