Von Olympia ins Nirgendwo - und wieder zurück

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Wenn sich eine 22-Jährige zum zweiten Mal für Olympische Spiele qualifiziert, heißt es für gewöhnlich, dass sie um vier Jahre besser sei als noch bei ihre Premiere. Schließlich sind vier Trainings-Jahre in diesem Alter eine Welt.

Doch bei Ivona Dadic trifft es „vier Jahre besser“ nicht.

Zu lang war das Tal, welches Österreichs beste Siebenkämpferin seit ihrem sensationellen Quali-Ticket 2012 und dem verheißungsvollen 25. Platz in London beschritt.

Aber ähnlich kometenhaft wie sich die Oberösterreicherin damals mit ihrem London-Limit in die Schlagzeilen katapultierte, meldete sie sich vor wenigen Wochen mit der EM-Bronzenen in Amsterdam zurück. Mit den dort erzielten 6.408 Punkten fixierte sie nicht nur ihren Start in Rio, sondern sorgte auch für einen neuen Österreichischen Rekord. Also just zu Olympia ist sie wieder voll da.

„Um vier Jahre besser? Ich bin auf alle Fälle vier Jahre reifer“, blickt Dadic im Gespräch mit LAOLA1 auf harte Jahre zurück.

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Der Jackpot, der keiner war

Dabei hatte für Dadic nach London zunächst alles so gut begonnen.

Die Senkrechtstarterin hatte mit ihrem Olympia-Auftritt international auf sich aufmerksam gemacht und bekam die Gelegenheit, zur Trainingsgruppe von Olympiasiegerin Jessica Ennis rund um Coach Toni Minichiello nach England zu wechseln.

Dadic zögerte nicht. Mithilfe der Unterstützung von Sponsor Kornspitz wagte sie den Sprung auf die Insel. Was wie der Jackpot klang, entpuppte sich alsbald als Niete.

Auch wenn die Trainings-Bedingungen in Sheffield vom feinsten waren, machten Dadic zwei Meniskus-Verletzungen samt Operationen sowie die Schwangerschaft von Ennis zu schaffen. Letzteres bedarf freilich einer Erklärung.

„Der Trainer war sehr auf Jessica fixiert“, vermittelt Dadic, dass durch den Wegfall des Aushängeschilds der notwendige Zug in den Trainingseinheiten verloren ging. „Nach wie vor bin ich davon überzeugt, dass Toni ein sehr guter Trainer ist. Man sieht ja wie Ennis nach der Schwangerschaft und Verletzungen zurückgekommen ist“, relativiert die Projekt-Rio-Athletin.

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„Für Jessica gibt es keinen besseren Trainer als ihn, nur für mich hat das Team rundherum einfach nicht gepasst“, kam sie zu der Erkenntnis, sich selbst ein Team zusammenzimmern zu müssen.

Adler verleiht ihr neue Flügel

Nach einer vollkommen verpatzten 2013er-Saison suchte Dadic allmählich den Weg zurück nach Österreich. Was ihr in die Hände spielte: Am Schnitzel-Äquator haben sich nach London die Bedingungen leicht gewandelt. Mit Gregor Högler und Philipp Unfried hat der heimische Verband zwei hauptamtliche Nationaltrainer angestellt.

Ersteren bezeichnet Dadic heute als ihren Haupttrainer, der ihre Arbeit mit drei Disziplinen-Coaches koordiniert. Unter diesen befindet sich mit Wolfgang Adler auch jener Trainer, der sie zu den Spielen 2012 brachte. Ihr Abschied nach England war damals jedoch nicht ganz friktionsfrei verlaufen.


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„Wir haben nicht gestritten, aber es war nicht das angenehmste Verhältnis“, verrät Dadic vorsichtig. Doch die zwei fanden wieder zueinander, was sich auf Anhieb auf die Leistungen – vor allem im Weitsprung – niederschlug. „Obwohl ich in der letzten Saison im Weitsprung richtig katastrophal war, habe ich gleich eine neue Bestleistung (6,49 Meter; Anm.) geschafft.“

Drei, vier Monate Zusammenarbeit genügten. „Wolfi kennt mich schon so lange, er hat genau gewusst, was er sagen muss, damit es wieder läuft.“

Horizont erweitert

Doch trotz der schwierigen Jahre, die hinter ihr liegen, will Dadic die gemachten Erfahrungen nicht missen. „Diese Tiefschläge haben mir irgendwo auch gut getan“, spricht sie von einem neuen Blickwinkel. „Wenn dir schon in jungen Jahren bewusst wird, dass du stets hart weiterarbeiten musst, weil sonst alles schnell vorbei sein kann, dann bringt dich infolge so schnell nichts mehr vom Weg ab.“

Jetzt versucht sie alle Bereiche möglichst auszureizen. „Als Junger lässt du manche Dinge schnell etwas schleifen. Je älter du wirst, desto mehr achtest du auf die kleineren Details“, klingt sie mit ihren gerade einmal 22 Jahren schon fast altklug.



Ein Nebeneffekt von schweren Zeiten ist bekanntlich, dass sich Freunde von Schulterklopfern abheben. Positive wie negative Überraschungen inklusive. Als positive kristallisierte sich Sponsor Kornspitz heraus. Das Bäckerei-Unternehmen stand während der sportlichen Dürre voll zu seiner Athletin. Bedingungslos. „Auch als ich zwei Jahre lang gar nichts zusammengebracht habe. Wie oft mich Herr Augendopler (Kornspitz-Erfinder Peter Augendopler; Anm.) angerufen und gesagt hat: ‚Frau Dadic, ich glaube an Sie!‘“, ist die Mehrkämpferin zutiefst dankbar.

Schwester im Geiste

In Rio möchte sie wieder jenes Olympia-Feeling erleben, welches sie schon in London zu persönlichen Disziplinen-Bestleistungen beflügelt hat. Abseits ihres Wettkampfes, der am Freitag (12.8.) beginnt, freut sie sich vor allem auf ein Wiedersehen mit Jazmin Sawyers.

Die britische Weitspringerin, die sich mit 6,86 Metern in Amsterdam EM-Silber holte, ist für Dadic eine Schwester im Geiste. „Auch sie ist mit dem Umfeld in Sheffield nicht zurechtgekommen und ist zwei Monate vor mir zu ihrem alten Trainer zurückgekehrt“, berichtet das ÖLV-Ass.

Nun haben sie beide ihre erste EM-Medaille in der Tasche und starten bei den Spielen. „Ihr geht es wie mir. Wenn wir dort geblieben wären, würden wir heute nicht da stehen, wo wir sind.“

Ein Cocktail nach dem Wettkampf sei schon ausgemacht.

 

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