Die Plätze 5 bis 1 der größten Olympia-Momente

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Die Plätze fünf bis eins der Top-Ten der größten Momente bei Olympischen Sommerspielen (zurück zu den Plätzen 10-6):


5. Die Leiden des Derek Redmond

Der britische Sprinter sorgte für einen der vielleicht größten Gänsehaut-Momente in der olympischen Geschichte. Nachdem Redmond die Spiele 1988 verletzungsbedingt verpasst hatte, sollte 1992 in Barcelona der Höhepunkt seiner Karriere werden.

Mitnichten.

Dabei lief zunächst alles nach Plan: Mit Siegen im Vorlauf und in der zweiten Runde zog der damals 27-Jährige in das Halbfinale ein. In diesem riss er sich jedoch nach etwa 150 Metern eine Muskelfaser im hintern Oberschenkel. Redmond knickte zusammen. Er rappelte sich aber noch einmal auf. Abgeschlagen hatte er nur ein Ziel: Das Rennen beenden. Als er über die Laufbahn humpelte, eilte ihm sein Vater von der Tribüne aus zu Hilfe. Auf seinen alten Herrn gestützt und mit Tränen in den Augen schaffte es Redmond letztlich doch, das Rennen zu beenden. SEIN Rennen.

Bei folgenden Szenen kämpft der Autor dieser Zeilen mit den Tränen:


4. "The Miracle" - nur umgekehrt

1972: Die erste Olympia-Niederlage für die USA im Basketball
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Basketball? Das Dream-Team, was sonst?! Nein, unsere Wahl fällt auf die viel weniger bekannte sowjetische Version von „The Miracle“. Und gleichzeitig eine der umstrittensten Entscheidungen der Olympischen Geschichte.

Im Finale der Spiele von München 1972, einer Hoch-Zeit des Kalten Krieges, fügt die UdSSR der haushoch überlegenen US-amerikanischen Mannschaft deren erste Olympia-Niederlage überhaupt zu. „Dramatisch“ ist für die letzten Sekunden jedoch nur ein Hilfsausdruck.

Was ist geschehen? Das US-Team übernimmt nur eine Sekunde vor dem Ende durch zwei Freiwürfe erstmals in der Partie mit 50:49 die Führung. Während eines sowjetischen Timeouts ordnet der Weltverbands-Verantwortliche eine Rückstellung der Uhr auf drei Sekunden an. Nach einem Passversuch von hinten heraus schrillt die Schlusssirene bereits nach einer Sekunde: Die US-Amerikaner feiern. Fans stürmen den Court in dem Glauben, dass jene Gold-Medaille, welche zum nationalen Selbstverständnis zählt, eingefahren ist. Erst nach Minuten dringen die Interventionen der Offiziellen, dass die angeordneten drei Sekunden noch nicht gespielt worden seien und es eine Wiederholung brauche, zu den Spielern durch.

Als die Szene schließlich wiederholt werden kann, geschieht das Unglaubliche: Nach Pass von Ivan Edeshko quer über den Court lässt der russische Riese Alexander Belov beide Gegenspieler ins Leere laufen und versenkt den Ball zum 51:50-Endstand. Jubel auf der einen, heftige Proteste auf der anderen Seite. Die US-Spieler verweigern die Entgegennahme der Silber-Medaillen. Wo diese letztlich abgeblieben sind, weiß niemand so genau. Sieben davon werden Jahrzehnte bei einem damaligen Mitglied des OK-Teams aufgespürt. Die restlichen fünf „Silberlinge“? Verloren in der Geschichte.


3. Der (Schicksals-)Lauf des Abebe Bikila

Bikila konnte seinen Olympiasieg vier Jahre später wiederholen

Es brauchte eine ganze italienische Armee, um Äthiopien erobern, doch es brauchte nur einen barfüßigen Äthiopier, um Rom zu erobern.

Jenen schmächtigen Abebe Bikila, der 1960 ohne Schuhe zur ersten Olympia-Goldenen eines Schwarzafrikaners lief. Zu einer Zeit, als noch der Mythos herrschte, Schwarze wären für Langstrecken nicht geschaffen. Das Schicksal schien an jenem Tag in Rom seine Finger im Spiel zu haben.

Schließlich war Bikila in den 30ern aufgewachsen, in denen die Truppen des faschistischen Italiens versuchten, mit der Annektierung Äthiopiens Mussolinis Traum des Imperium Romanum wahr werden zu lassen. Trotz Giftgas-Einsatz und Massenerschießungen scheiterte der Plan des „Duce“. Als die Wirren des Krieges längst beendet waren, trat Bikila als Jugendlicher in die Kadetten-Schule und später in die Leibgarde von Kaiser Haile Selassie ein. Sportlich war er schon immer. Richtiggehend zum Laufsport kam er jedoch erst auf den Befehl, für die Spiele in Rom eine Olympia-Mannschaft zu bilden.

Im Finish des Olympia-Marathons schloss sich der Kreis. Zwei Kilometer vor dem Ziel soll Bikila den Obelisk von Axum erblickt haben. Jenes archäologische Prachtstück, welches Mussolini in Äthiopien ausgraben und in Rom vor dem ehemaligen Kolonialministerium aufstellen ließ. Genau an dieser Stelle soll Bikila den entscheidenden Schlussspurt angezogen haben. 2:15,16 Stunden – Weltrekord! Die Welt staunte. Ein Volksheld war geboren. (Mehr dazu)


2. Die Menschwerdung des Olympischen Mottos

Schafft er die 100m? Der Kampf des Eric Moussambani inspiriert
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Dabeisein ist alles. Es gibt wenige Geschichten, die das Olympische Motto derartig gut illustrieren, wie jene des Eric Moussambani.

Obwohl es in seinem Land, Äquatorialguinea kein 50m-Becken gibt, verschreibt sich der junge Mann dem Schwimmsport. „Ich habe in einem 13 Meter langen Hotel-Pool trainiert. Oder im Fluss und am Strand, wo mir die Fischer erklärt haben, wie ich meine Beine benutzen soll.“ Dank einer IOC-Wildcard darf Moussambani 2000 tatsächlich zu den Spielen nach Sydney. „Ich bin erschrocken, als ich erstmals gesehen habe, wie groß das Becken dort ist“, gesteht er.

Sein Start über 100m Freistil bleibt unvergessen. Nachdem seine beiden Kontrahenten des allersten Heats wegen eines Fehlstarts disqualifiziert werden, nimmt der damals 22-Jährige ganz alleine die zwei Längen in Angriff. Ein Unterfangen, welches sich auf den letzten 25 Metern als äußert knifflig herausstellt. Denn Moussambani ist leer, kämpft mehr mit dem Über-Wasser-Bleiben als gegen die Uhr. Doch er gibt nicht auf. Die Zuschauer sind aus dem Häuschen!

Moussambani wird in 1:52,72 Minuten, was mehr als das Doppelte der Siegerzeit ist, zwar Letzter, wird jedoch gefeiert. „Ich war nach dem Rennen so fertig, dass ich mich für vier Stunden schlafen gelegt habe. Als ich dann aufstand und all die Medien schon auf mich warteten, wurde mir klar, dass ich offenbar etwas gemacht habe, was die Menschen lieben.“


1. Jesse Owens

Owens überlegte lange, ob er auf die Spiele in Berlin verzichten sollte
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Wäre es nach den Nazis gegangen, hätte Berlin 1936 die große Propaganda-Show des Dritten Reichs werden sollen. Doch mit Jesse Owens avancierte ausgerechnet ein Farbiger zum Superstar der Spiele und machte Hitlers Ansinnen, die Überlegenheit der „deutschen Rasse“ zu demonstrieren, einen Strich durch die Rechnung.

Owens holte vier Mal Gold: 100m, 200m, 4x100m sowie im Weitsprung. In letztgenannter Disziplin kam es zu einem denkwürdigen Duell mit dem Deutschen Luz Long, der sich trotz der heiklen Rahmenbedingungen als fairer Verlierer erwies. „Es kostete Luz viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden“, erklärte Owens danach. „Man könnte alle Medaillen und Pokale, die ich habe, einschmelzen, und sie würden nicht für eine Schicht über die 24-Karat-Freundschaft, die ich in diesem Moment für Luz Long empfand, reichen. Hitler muss wahnsinnig geworden sein, als er uns einander umarmen sah.“

Tragischerweise sahen sie die zwei einander nie wieder, da Long im zweiten Weltkrieg sein Leben ließ. Seine in Berlin errungenen Gold-Medaillen zählen noch heute zu den wertvollsten Sport-Trophäen der Welt.


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