"Es geht nicht mehr um 'Dabeisein ist alles'"

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Nach den enttäuschenden Ergebnissen im Einzel haben die ÖTTV-Truppen in den Team-Veranstaltungen (Damen am Freitag 20:00 Uhr MESZ gegen die Niederlande, Herren am Samstag 20:00 Uhr gegen Portugal) die Chance zur Wiedergutmachung.

In der Mannschaft wird seit 2008 um Medaillen gekämpft, dafür ist das Doppel aus dem Programm gefallen.

Bitter, da Robert Gardos und Daniel Habesohn seit einigen Jahren eine der besten Paarungen bilden. "Kann man nichts machen", kommentiert Letzterer diese Tatsache knapp.

Auch Stefan Fegerl hat seine Doppel-Qualitäten bei der Europameisterschaft 2015 in Jekaterinburg unter Beweis gestellt. Mit dem Portugiesen Joao Monteiro holte er ausgerechnet gegen seine Teamkollegen den Titel.

Eine fehlt in der Reihe

Im Olympia-Mannschaftsbewerb sieht man dennoch vier Spieler gleichzeitig am Tisch, weil der angewandte Modus – wie sonst eigentlich nicht üblich – auch ein Doppel vorsieht.

Hier ist die Paarung Gardos/Habesohn jene, mit der eher zu rechnen ist. Auch, weil Fegerl als Nummer eins damit für ein mögliches zweites Einzel in den best-of-five-Begegnungen freigespielt wäre.

Das Format kommt den regierenden Europameistern angesichts ihrer speziellen Stärke jedenfalls entgegen.

"Das spielt uns in die Karten, denn wir sind variabel. Da können wir gegen viele Mannschaften etwas ausrichten", schätzt der Ergänzungsspieler für die Mannschaft, Daniel Habesohn, gegenüber LAOLA1 ein.



"Mit diesem System haben wir eigentlich immer eine Medaille gemacht. In Dubai sind wir Zweiter im Weltcup geworden, und bei den European Games in Baku haben wir Bronze geholt", erinnert sich Robert Gardos zurück.

"Fehlt nur mehr eine Goldmedaille", so der Nachsatz.

Selbst als Europameister wenig Druck

Auch, wenn es die Auslosung vergleichsweise gut mit beiden Teams meinte – China findet sich in den anderen Rasterhälften und wäre somit erst in den Finalis Gegner – ist diese Ansage natürlich nicht ganz ernst gemeint.

Mit dem Europameister-Vorgänger Portugal ist das Achtelfinal-Los der Herren schon eine echte Hürde, danach käme es wohl zur EM-Revanche gegen Deutschland.

Geht man als europäischer Titelträger mit einer gesteigerten Erwartungshaltung in das Turnier? "Vielleicht ein bisschen. Wenn du Europameister bist, hast du vielleicht Ambitionen, dass du eine Medaille machen kannst – aber musst du sie wirklich machen?", lässt Stefan Fegerl übermäßigen Druck nicht zu.

"Man hat die ganzen asiatischen Mannschaften und ein deutsches Team, das in voller Stärke aufläuft, im Turnier. Damit sind schon drei, vier richtig gute Länder vor uns."

Eine geschenkte Chance

Während Gardos und Fegerl zumindest ein Match im Einzel bestritten haben, steigt Daniel Habesohn neu in das Geschehen ein.

Da in den Individualbewerben nur zwei Starter pro Nation erlaubt sind, fährt ein dritter Sportler nur für das Team mit. Bei den Damen ist das Li Qiangbing.

Diese Regelung hat seit London 2012 Gültigkeit – um die Dominanz der Chinesen in Sachen Medaillen zumindest etwas zu schmälern. Was freilich nichts daran änderte, dass seither immer noch die Maximalausbeute ins Reich der Mitte wanderte.


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Und die Aktiven aus anderen Ländern haben mit dieser Einschränkung nicht einmal ihre Freude.

"Das ist nicht fair. In jedem Sport sollte derjenige die Medaillen bekommen, der am stärksten ist", meint Robert Gardos zu diesem Sachverhalt – um danach weiter auszuholen.

"Aber bei den olympischen Spielen geht es schon lange nicht mehr nur um 'Dabeisein ist alles' oder 'Das sind die Besten', sondern um Übertragungen und Fernsehgelder. Das ist, worauf es hinausläuft: Tischtennis wieder interessanter zu machen."

Letztlich schade die Dominanz dem ohnehin eingeschränkten Zuschauerinteresse: "Es wurde sogar gedroht, den Sport wegen Chinas Dominanz aus dem Programm zu nehmen. Aber in der Leichtathletik wurde noch nie überlegt, etwa die Amerikaner rauszunehmen, weil sie so viele Medaillen machen."

Und die Verantwortlichen des Tischtennissports könnten sich aufgrund ihrer politischen Schwäche nicht gegen solche Maßnahmen wehren.

Nur kleine Nummern

"Ein Michael Phelps kann so viel schwimmen, ein Usain Bolt so viel laufen, wie sie können, haben beide jede Menge Goldmedaillen und gelten als beste Olympioniken aller Zeiten. Es ist aber nicht gesagt, dass deren Leistung deswegen mehr wert ist als jene eines Ma Long oder Zhang Jike. Aber die kennt kein Schwein", streicht Gardos die zwei chinesischen Ausnahmekönner hervor.

"Wir haben nur den Einzel- und den Mannschaftsbewerb, der für den einzelnen Sportler fast weniger zählt", schließt der gute Doppelspieler den Kreis zurück zu der ihm entgehenden, zusätzlichen Chance auf eine Medaille. Und jener, die ihm übrigbleibt.

Bleibt nur zu hoffen, dass man mit vereinten Kräften mehr mit dieser zweiten und letzten Medaillen-Chance zu tun hat, als mit der ersten. Um sich zumindest in Österreich zu den größten Sportlern unter den fünf Ringen zählen zu können.

 

Johannes Bauer

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