Peya: "Gegen Spanier war wenig Kraut gewachsen"

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Alexander Peya zieht trotz des Viertelfinal-Aus im olympischen Doppel-Bewerb an der Seite von Oliver Marach ein versöhnliches Fazit der Spiele in Rio.

"Wir haben in unseren drei Partien trotzdem alles gegeben, können uns wenig vorwerfen. Es war für uns eine Ehre, hier bei Olympia für Rot-weiß-rot anzutreten", sagt Peya.

Gegen Rafael Nadal und Marc Lopez sei "relativ wenig Kraut gewachsen" gewesen. "Unterm Strich muss man neidlos anerkennen, dass sie eine Nummer zu gut waren", gibt der Österreicher zu.

Im LAOLA1-Interview spricht Peya über die Klasse des Rafael Nadal und dessen Gold-Chancen. Zudem zieht er sein Olympia-Fazit und erwartet sich einen Schub im heimischen Tennis.

LAOLA1: Gibt es Vorwürfe nach der Niederlage? Ist euer Matchplan nicht aufgegangen oder waren Nadal/Lopez einfach zu stark?

Alexander Peya: Naja, im Matchplan ist wahrscheinlich nicht aufgegangen, dass sie zu stark waren. Um die Partie enger halten zu können, hätten wir jede noch so kleine Chance nutzen müssen. Wir sind eigentlich gut in die Partie gestartet, haben auch die Möglichkeit gesehen, sie gleich zu breaken und das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Dann habe ich aber ein schlechtes Aufschlagspiel mit zu vielen Volley-Fehlern abgeliefert und sie sind davongezogen. Danach haben sie fehlerfreies Tennis gezeigt.

LAOLA1: Was habt ihr euch in der Pause zwischen den Sätzen vorgenommen?

Peya: Wir wollten wieder aggressiver spielen, die Punkte kürzer gestalten. Wir waren am Anfang erfolgreich damit, dass wir vom Return weg gleich den Netzmann attackiert haben. Unser Plan war es mit Risiko die Rallys kurz zu halten. Wenn man gegen die Spanier lange hin- und herspielt, ist es genau das, was sie wollen, und man zieht den Kürzeren. Auch wenn wir gleich wieder ein Break hinnehmen mussten, waren wir gut eingestellt, haben aber unsererseits die Break-Möglichkeiten nicht genutzt.

LAOLA1: Rafael Nadal ist eine Klasse für sich. Wie war es gegen ihn zu spielen?

Peya: Hut ab, Nadal hat in seiner Karriere nicht nur im Einzel bewiesen, dass er einer der größten aller Zeiten ist. Auch im Doppel-Bewerb kommt er, wenn er spielt, immer sehr weit oder gewinnt das Turnier. Er ist ein Weltklasse-Doppelspieler, speziell im Team mit Marc Lopez. Die zwei verstehen sich auf und abseits des Platzes sehr, sehr gut und haben gemeinsam auch bereits tolle Erfolge vorzuweisen. Gegen die zwei war relativ wenig Kraut gewachsen.

"Nadal traue ich prinzipiell immer alles zu. Der hat in seiner Karriere nicht nur einmal bewiesen, dass man ihn nie abschreiben darf. Wie der jetzt wieder zurückkommt nach einer so langen Verletzung, ist beeindruckend."

LAOLA1: Traust du Nadal drei Goldmedaillen zu?

Peya: Nadal traue ich prinzipiell immer alles zu. Der hat in seiner Karriere nicht nur einmal bewiesen, dass man ihn nie abschreiben darf. Wie der jetzt wieder zurückkommt nach einer so langen Verletzung, ist beeindruckend. Das ist typisch Nadal. Und er traut sich nach zwei Monaten Pause gleich zu, in allen drei Bewerben anzutreten. Hut ab!

LAOLA1: Hat dich deine Bauchmuskelzerrung behindert?

Peya: Nein. Der Bauch war kein Thema. Ich bin sicher nicht voll auf erste Aufschläge gegangen, aber das würde ich gegen dieses Duo im Normalfall auch nicht machen, denn wenn man zu viel über den zweiten Aufschlag gegen sie spielt, wird es noch schwieriger. Unterm Strich muss man neidlos anerkennen, dass sie eine Nummer zu gut waren.

LAOLA1: Platz fünf bei Olympia liest sich nicht schlecht, hilft das dem heimischen Tennis?

Peya: Ich hoffe natürlich. Die Platzierung ist nicht schlecht, aber bei Olympia zählen am Ende nur die ersten drei. Wir haben in unseren drei Partien trotzdem alles gegeben, können uns wenig vorwerfen. Es war für uns eine Ehre, hier bei Olympia für Rot-weiß-rot anzutreten. Ich hoffe, dass das dem Tennis wieder ein bisschen einen Schub gibt und unser Sport auch bei Olympia positiv dargestellt wird.

LAOLA1: Auffallend viele heimische Kollegen aus dem Olympiadorf haben euch auf den Rängen unterstützt. Habt ihr euch so beliebt gemacht?

Peya: Ich hoffe, die waren wegen uns da und nicht wegen Rafa Nadal (lacht). Nein, das war wirklich super und ich habe das so zum ersten Mal bei Olympia erlebt. In London war Wimbledon einfach zu weit weg vom Schuss. Da ist das olympische Feeling nicht so spürbar gewesen wie hier. Die Unterstützung war großartig. Auch deshalb hätten wir die Partie gegen die Spanier gerne enger gestaltet.

LAOLA1: Ist Tennis bei Olympia mit dem Davis Cup zu vergleichen?

Peya: Es ist anders, aber es ist am ehesten damit zu vergleichen. Es ist definitiv ein anderes Flair als auf der ATP-Tour oder bei den Grand-Slam-Turnieren. Das merkt man beim Drumherum und auch bei den Spielern. Es ist einfach immer etwas ganz Besonderes, für sein Land zu spielen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren und bedeutet auch immer eine spezielle Anspannung. Ich kann für mich behaupten, dass ich das sehr, sehr gerne mache und meine Landesfarben mit großem Stolz vertrete.

LAOLA1: 2012 in London hatte Tennis mit Wimbledon eine Top-Location, wie zufrieden warst du mit der Anlage hier im Olympia-Park?

Peya: Die Tennisplätze waren gut, die gesamte Abwicklung ist natürlich ganz anders wie auf unserer ATP-Tour. Aber da gewöhnt man sich auch dran. Mir hat Olympia 2012 in Wimbledon aus diesem Grund nicht so gut gefallen, weil das eine Anlage ist, wo wir Jahr für Jahr hinkommen und die wir einfach anders kennen. Da hatte ich das Gefühl, dass man auf eine Anlage kommt, die nur zu 50 Prozent läuft. Da waren Türen geschlossen, wo man normalerweise immer durchgeht. Insofern habe ich mich auf Rio gefreut, da das hier ein ganz anderes, neues Event ist und ein komplett anderes Flair hat. Dazu hat Tennis in Brasilien eine große Bedeutung, dazu kam die Nähe zum Dorf mit kurzen Wegen und wir konnten auch die Stimmung im Dorf aufsaugen. Alles in allem war Rio 2016 eine super Erfahrung.


VIDEO! Le Schladi goes Olympia:


LAOLA1: Überwiegt rückblickend die Enttäuschung oder macht es dich stolz, hier als Fünfter abgeschlossen zu haben?

Peya: Seine Landesfarben zu vertreten, ist generell etwas, worauf man stolz sein kann. Das schafft nicht jeder. Um hierher geschickt zu werden, muss man im Vorfeld schon etwas geleistet haben. Ich glaube, wir haben uns gut verkauft, aber natürlich sind wir nach dem Ausscheiden enttäuscht.

LAOLA1: Ist Tokio 2020 für dich ein Thema?

Peya: Es wäre übertrieben zu sagen, dass ich das schon im Hinterkopf habe, aber mit dem positiven Gefühl, das ich aus Rio mitnehme, ist das eventuell wirklich ein langfristiges Ziel für mich, dort noch einmal dabei zu sein. Aber das wird nicht einfach, da werden dazwischen doch noch einige Bälle gespielt und da muss in meinem Alter natürlich auch der Körper mitspielen. Die Tour ist sehr kräftezehrend, gerade in einem Jahr wie heuer, wo wegen Olympia das ganze Programm sehr gestrafft ist. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Turniere gespielt wie heuer. Es wäre definitiv super, in Japan wieder dabei zu sein. Ich reise immer wieder gerne nach Tokio.

LAOLA1: Wie geht es bei dir weiter?

Peya: Ich werde wohl am Donnerstag nach Cincinnati fliegen und möchte daher am Mittwoch unbedingt noch den einen oder anderen Event anschauen.

LAOLA1: Du spielst das Jahr mit deinem polnischen Partner Lukasz Kubot zu Ende – was sind die Ziele für die US-Tour.

Peya: In erster Linie wollen wir gut und erfolgreich spielen. Wir haben uns noch kein genaues Ziel gesetzt. Das wichtigste für uns wird sein, dass wir eine Konstanz entwickeln, die wir bis jetzt noch nicht hinbekommen haben. Wir haben sehr gute Turniere gespielt, dann für meinen Geschmack wieder zu frühe Niederlagen kassiert. Solche Leerläufe können wir uns, wenn wir ein Top-Team sein wollen, nicht erlauben. Gerade im Doppel muss man Woche für Woche viele Matches gewinnen, um sich in der Spitze festzusetzen.

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