Beach-Coach: "Das ist sehr unprofessionell"

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Bittere Abfuhr für Österreichs Top-Team beim Olympischen Beachvolleyball-Turnier.

Clemens Doppler und Alexander Horst gehen gegen die vor dem Event an der Copacabana unbekannten Kubaner Diaz/Gonzalez im Achtelfinale nach nur 37 Minuten mit 17:21, 14:21 unter und belegen den neunten Endrang.

Die Enttäuschung ist groß, die Analyse fällt ebenso deutlich und schmerzhaft aus wie das Ergebnis.

Alex Horst meint: „Unsere Gegner haben sehr solide gespielt, die sind in die Partie reingegangen als wäre es ein Trainings-Match, haben unglaublich viel Druck ausgeübt und uns nie ins Spiel kommen lassen. Wir haben leider nicht gut serviert.“

Clemens Doppler urteilt: „Wir waren einfach chancenlos. Wir haben sie vorher nicht gekannt. Die kommen nach Rio, gewinnen alle Spiele, haben erst zwei Sätze abgegeben und stehen im Viertelfinale. Wenn die weiter so drauflos spielen ohne nachzudenken, dann bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass die das Turnier gewinnen. Wenn sie zu nachdenken beginnen, dann läuft die Sache anders. Wir wollten sie zum Nachdenken bringen, aber das haben wir nicht geschafft, da sie vom ersten Ballwechsel weg so viel Druck auf uns aufgebaut haben. Sie waren von Anfang an untouchable!“

LAOLA1 sprach nach dem Aus mit Trainer und Manager Robert Nowotny. Der 42-jährige „Nowo“ zieht Bilanz, nennt die Fehler und glaubt an eine gemeinsame Zukunft von Doppler/Horst.

LAOLA1: Haben deine Schützlinge gegen die Kubaner zu ängstlich gespielt?

Robert Nowotny: Wir haben keine Angst gehabt. Aber wir haben natürlich gesehen, dass sie in der Gruppenphase drei Top-Teams besiegt haben und gewusst, dass sie auch vor uns nicht halt machen wollen. Leider haben sie ihr Service perfekt getroffen, das waren richtige Granaten. Ein Wahnsinn. Irgendwie müssen wir froh sein, dass die beiden nicht ständig auf der World Tour spielen, andererseits wären sie mit ihrem Spiel eine unglaubliche Bereicherung, weil da schaut man schon auch als gegnerischer Trainer gerne zu. Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit die Kubaner ihre Spiele da abwickeln.

LAOLA1: Wie schaut die Fehler-Analyse aus?

Nowotny: Wir haben nicht den besten Tag erwischt und uns gleich zu Beginn die Schneid abkaufen lassen. Mit einem 1:6 startet niemand gerne in so ein K.o.-Duell. Da wird es super schwer wieder zurück zu kommen. Teilweise haben wir so viele Bälle gehabt, aber sie nicht fertig gespielt. Jene Bälle auf die sie nicht fest drauf geschlagen haben, sondern versucht haben, sie zu shoten, was eigentlich Beachvolleyball ist, da waren wir eigentlich dran und haben eigentlich unsere Chancen gehabt. Aber das der Gegner immer drei Punkte voran lag, war es schwer den Anschluss zu finden. Und die beiden haben prompt wieder ein Ass oder einen Winner draufgelegt und du warst wieder weg. Kaum hast du einen Punkt aufgeholt, war der Punkt auch wieder weg, deshalb sind wir ständig nur nachgelaufen. Ich kann verstehen, dass das für die Burschen sehr, sehr schwer war.

LAOLA1: Woran hat es noch gelegen?

Nowotny: Was man extrem unterschätzt ist, dass man auf diesem Court oft sehr deppert ausschaut, weil da so ein komischer, drehender Wind herrscht. Das mit der Service-Annahme hat bei uns nicht funktioniert. Dazu hat unser Aufschlag nicht funktioniert. Der Service-Druck vom Gegner war stärker als unserer, da mussten wir erst nachjustieren. Die Bedingungen sind jedenfalls super schwer. Das schaut alles sehr schön aus, aber leider gibt es in dem Kessel einen zirkulierenden Wind, den man bei den TV-Bildern nicht sieht und der unterschätzt wird.

LAOLA1: Im Nachhinein bringt es nicht viel, aber wie könnte man ein so unbekümmert aufspielendes Duo besiegen?

Nowotny: Wir hätten weit besser servieren können. Ich habe ihnen viele Minus in der Effektivität gegeben. Sie haben sich zu wenig bewegt. Die kurzen Service hätten kürzer gehört, die tiefen Service hätten höher angesetzt werden müssen, damit sie mehr Richtung Schulter kommen. Es waren zu viele Aufschläge, die direkt auf die Plattform waren. Wir mit unseren Bedingungen, also keinem gelernten Blockspieler, hätten besser servieren, sprich die Sprungservice treffen und stärker servieren müssen. Dazu hätten wir uns mehr bewegen müssen, das ist nicht aufgegangen.

LAOLA1: Sie haben Alex Horst gut gelesen, hätte es dagegen ein Rezept gegeben?

Nowotny: Sie haben das sehr klassisch gespielt. Der Blockspieler ist immer nur gerade vor ihm gesprungen und hat rüber gegriffen. Der Lieblingsball von Alex ist der Shot und damit ist er nicht vorbeigekommen. Und der andere ist einfach in der Diagonale gestanden und hat teilweise perfekte Reflexe gezeigt. Der hat oft nur einarmig hin gegriffen und die Bälle gehabt. Die Kubaner waren richtig locker drauf und haben das gut gespielt. Da kann ich nur applaudieren.

LAOLA1: Ist Kuba nach dieser Leistung ein Medaillentipp für dich?

Nowotny: Ja, das würde mich nicht überraschen. Es gibt bei jedem Großereignis ein Team das so ein bisschen aus der Reihe tanzt und das könnte hier durchaus die beiden sein.

LAOLA1: Wie haben Clemens und Alexander ihre Mitternachts-Einlage am Mittwoch gegen die Kanadier verkraftet?

Nowotny: Ich glaube, dass uns dieses Spiel vor zwei Tagen ein wenig nachhängt. Die Burschen sind erst nach drei Uhr ins Bett gekommen. Natürlich wollten sie lange schlafen, aber das ging nicht. So gesehen sind sie müde in den Tag gestartet. Ich habe sie dann gestern schlafen geschickt, ohne zu wissen, gegen wen wir heute spielen. Es hat viel zu lange gedauert, bis raus gekommen ist, wer unser Gegner im Achtelfinale ist und wann unsere Partie angesetzt wird. Das ist sehr unprofessionell für ein Olympia-Turnier. Wenn du schlafen gehen musst, aber nicht weißt gegen wen du am nächsten Tag spielen wirst, ist das sicher nicht optimal. Diese späte Spielzeit am Mittwoch nach Mitternacht ist sicher ungünstig gewesen.

LAOLA1: Was bleibt vom Turnier in Rio?

Nowotny: Ich habe mich gefreut, dass wir die Gruppe überstanden haben und in die K.o.-Runde eingezogen sind. Wir haben mit Alison/Bruno die Nummer 1 der Welt vor ihrem Heimpublikum geschlagen. Wir haben das für den Kopf so wichtige Entscheidungsspiel gegen die Kanadier für uns entschieden. So gesehen hat es in Rio durchaus auch Sonnenstunden gegeben.

"Es hat viel zu lange gedauert, bis raus gekommen ist, wer unser Gegner im Achtelfinale ist und wann unsere Partie angesetzt wird. Das ist sehr unprofessionell für ein Olympia-Turnier."

LAOLA1: Seit vielen Monaten wurde dem Projekt Rio alles untergeordnet. Wann kommt die Zeit, um neue Ziele zu formulieren?

Nowotny: Das Projekt hat gelautet: Wir holen eine Medaille! Das haben wir nicht geschafft, das ist keine Frage. Aber wir haben gewusst, dass von den 20 Teams, die hier am Start waren und 2016 schon einmal auf dem Podest gestanden sind, werden 17 enttäuscht abreisen. Jetzt waren wir nicht unter den ersten die nach Hause fahren mussten, wir haben das Achtelfinale erreicht. So gesehen ist ein lachendes und ein weinendes Auge dabei. Wir wissen, dass wir mitspielen können und haben die Nummer 1 in ihrem Land besiegt. Das zeigt, dass wir nicht alles falsch gemacht haben. Deswegen werde ich mich oder uns nicht als Olympia-Touristen bezeichnen, weil wir die gewünschte Medaille nicht geholt haben, sondern man hat gesehen, dass wir in den letzten eineinhalb Jahren gut gearbeitet haben und mit der Weltspitze mithalten können. Wir haben jedes Jahr eine Medaille auf der World Tour geholt. Jetzt hat es halt hier nicht geklappt, wir werden nicht weinen.

LAOLA1: Wenn du den Auftritt mit einer Schulnote bewerten müsstest, was würdest du da vergeben?

Nowotny: Das ist schwer. Ich versuche es lieber mit jedem Spiel. Der Sieg gegen die Brasilianer Alison/Bruno war schon nahe an der Eins dran. Der Auftakt gegen die Italiener war wohl eher eine Fünf. Das Spiel gegen die Kanadier wird wohl eine Drei gewesen sein und heute würde ich uns eher einen Vierer geben. Das war nicht ganz schlecht, weil uns der Gegner einfach zu sehr dominiert hat. Zusammenfassend war wohl alles quer durch den Gemüsegarten dabei.

LAOLA1: Wie geht es mit euch jetzt weiter?

Nowotny: Es ist vorerst nicht klar, was mit dem Turnier nächste Woche in Long Beach passiert. Da ist plötzlich fraglich, ob das Turnier stattfinden wird, oder nicht. Wir haben uns bisher wirklich nicht über die Zukunft unterhalten. Es gab das Projekt hier. Dem galt die ganze Konzentration und da hatte die Zukunft keinen Platz.

 

Das Gespräch führte Peter Rietzler

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