"Vor der Auslosung war Medaille das Ziel..."

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Als Europameister einer Sportart sollte man meinen, auch bei globalen Wettkämpfen stets ein „dicker Fisch“ zu sein.

Für Österreichs EM-Helden in Sachen Tischtennis steht bei der Team-Weltmeisterschaft in Kuala Lumpur (28.2.-6.3., LIVE auf LAOLA1.tv) aber so etwas wie eine Feuerprobe des neuen Status an.

Zwar startet man als Nummer sieben der Setzungsliste in das Turnier, eine leichte Aufgabe ist den ÖTTV-Jungs dennoch nicht beschert.

Nicht schon wieder

Als stärksten Gegner der Sechser-Vorrundengruppe hat Rot-Weiß-Rot – wieder einmal – mit China den schwarzen Peter gezogen.

Begegnungen mit dem Riesen des Sports werden langsam zur Gewohnheit. 2012 in Dortmund war im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Schluss.

2014 in Tokio sollte sich dieses Schicksal wiederholen – obwohl man sich bereits in der Vorrunde mit dieser unüberwindbaren Hürde konfrontiert sehen musste.

„Bevor die Auslosung dahergekommen ist, hätte das Ziel schon eine Medaille, die grundsätzlich im Bereich des Möglichen ist, sein sollen“, schätzt Stefan Fegerl gegenüber LAOLA1 ein.

Die Ziehung hat Österreichs Hoffnungen auf Edelmetall aber lange vor Start des Wettkampfs einen Dämpfer beschert.

Denn neben China, seit 2002 immer mit Gold von Team-Weltmeisterschaften heimgekehrt, finden sich mit Taiwan und Nordkorea zwei weitere asiatische Mannschaften in Gruppe A.

Auch Tschechien und Griechenland gehören nicht zu den angenehmsten Gegnern, die man erwischen hätte können.

Eine große Unbekannte

„Wir müssen von Runde zu Runde, von Spiel zu Spiel gehen und wirklich einmal abwarten, ob wir die Gruppenphase heil überstehen“, klingt die Einschätzung von Österreichs neuer Nummer eins nicht übermäßig euphorisch.

„Mit Nordkorea ist ein zweites Hammerlos dabei. Die sind wirklich stark, aber sehr unterbewertet“, zeigt Fegerl den zweiten möglichen Stolperstein auf.

Die Spieler aus der Diktatur sind die große Unbekannte, denn sie treten kaum auf internationalem Parkett auf. „Das einzige, was ich weiß: Robert (Gardos, Anm.) hat 2015 bei den China Open in der Qualifikation gegen deren Nummer zwei 3:4 verloren“, halten sich die Erfahrungswerte in Grenzen.



Ein Vorteil könnte sein, dass sich die Aufgaben mit Fortdauer des Turniers kontinuierlich steigern.

Den Einstieg in die WM bestreitet man gegen die europäischen Gegner. Andererseits könnten damit die ersten Matches schon zu den Schlüsselspielen werden.

Die Pflichtaufgaben zum Start

„Die Tschechen kennen wir gut. Sie haben eine ausgeglichene Mannschaft. Wir sind zu favorisieren, aber sollten auf der Hut sein“, sagt Fegerl über den ersten Gegner.

Gegen Dmitrij Prokopcov, Nummer eins des nördlichen Nachbarn, feierte der 27-Jährige zuletzt zwei Siege in der Champions League.

Ein bisschen zuversichtlicher klingt Fegerl bei der Einschätzung Griechenlands: „Gegen Panagiotis Gionis, einem Verteidiger, spielen wir alle gut. Wenn er keine Partie gewinnt, haben wir sehr gute Möglichkeiten. Gegen Kalinikos Kreanga habe ich zwar zuletzt verloren, das war aber das erste Mal.“

Bei positiver Bewältigung dieser „Pflichtaufgaben“ wären die Weichen schon vor den asiatischen Kalibern auf Aufstieg gestellt.

Ein stark geschwächter Gegner

Zudem befindet man sich vor dem Aufeinandertreffen mit den rätselhaften Nordkoreanern voll im Wettkampf-Modus und hatte zwei Runden Zeit, den Gegner zu beobachten.

Bei Taiwan kommt Österreich die Absage des klaren Spitzenmanns, Chuang Chih-Yuan, entgegen. Ohne die Nummer sechs der Welt befindet sich die Truppe vom Inselstaat in Sachen Ranking auf Augenhöhe.

„Ich gehe davon aus, dass auch Chen Chien-An zwei Spiele gegen uns gewinnen kann. Ich tippe auf ein 50:50-Match“, lautet hier Fegerls Prognose.

Erst den Abschluss muss man gegen China bestreiten. Eine Begegnung, die hoffentlich keine Relevanz mehr für die Aufstiegs-Frage birgt.

Alle Augen auf Schlager

Besondere Beachtung bekommt das ÖTTV-Team nicht nur durch den aktuellen Status als Europameister. Die Rückkehr von Werner Schlager auf die internationale Bühne ist das heißeste Thema der Tischtennis-Szene.

Nach seinem letzten Auftritt bei der Einzel-WM 2013 in Paris schien sich der damals schon 40-Jährige leise in die Pension verabschiedet zu haben. Ein Trugschluss, wie der Ex-Weltmeister kürzlich im LAOLA1-Interview offenbarte.

„Nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Daniel (Habesohn, Anm.) ist Werner mit Abstand das Beste, was dem ÖTTV passieren konnte. Er ist nach wie vor ein Top-Spieler, trainiert auch wieder mehr, will es wirklich noch einmal wissen“, sieht Fegerl den Rückkehrer als guten Ersatz.

In der Vorbereitung auf die Europameisterschaft im Herbst habe Schlager den anschließend groß aufspielenden Niederösterreicher im Training gar einmal geschlagen.

„Er wird das Niveau in den drei Jahren mindestens gehalten, wenn nicht ausgebaut haben. Wir werden nicht gestärkt, aber auch nicht geschwächt in das Turnier gehen. Das ist nach so einem Ausfall schon eine gute Sache.“



Dazu befindet sich Chen Weixing, der zweite „Oldie“ im Team, ebenfalls in einer Top-Verfassung: „Sie haben unterschiedliche Stile. Jetzt sind wir von der Taktik her ganz schwer auszurechnen.“

„Nicht ein Punkt mehr oder weniger“

Den letzten Schliff holte sich Stefan Fegerl nach einer anstrengenden, aber erfolgreichen Wettkampfwoche – in der er auch das Austria Top 12 gewann – bei einem kurzen Trainingsaufenthalt in China: „Da ging es nur mehr darum, die Form zu halten und sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen.“

Erstmals als Top-Mann seines Landes zu gelten, ist für ihn kaum von Bedeutung. „Österreich ist ja nicht schlecht im internationalen Vergleich, das hat schon einen Wert. Aber das bringt mir nicht einen Punkt mehr oder weniger. Nur ein bisschen mehr Selbstvertrauen.“

Wie auch das zuhause hängende EM-Gold nur eine schöne Erinnerung ist, der spätestens am Sonntag keine Bedeutung zukommt.

Denn nur eine ähnliche Leistung wie in Jekaterinburg kann wieder für Schlagzeilen sorgen.

 

Johannes Bauer

 

LAOLA1.tv überträgt die Tischtennis-Team-Weltmeisterschaft

in Kuala Lumpur ab 28.2., 03:00 Uhr LIVE

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